Alfa Romeo

Alle Alfa Romeo-Modelle auf einen Blick

Von Rennwagen über Alltagskarossen bis hin zu Kultfahrzeugen

Fällt der Name Alfa Romeo, tauchen in den Köpfen der Leute Nobelkarossen und zeitlose Klassiker auf. Doch die Marke war nicht immer für ihre High-end-Fahrzeuge bekannt und musste zeitweise um ihr Überleben kämpfen. Die bewegte Geschichte der italienischen Kultschmiede begann im Jahr 1906, als der französische Unternehmer Alexandre Darracq ein Automobilwerk im Mailänder Bezirk Protobello als Teil seiner Firma Società Anomina Italiana Darracq errichten ließ. Auch wenn das Werk für Arbeitsplätze sorgte, wurde der Hauptteil der Arbeit in Frankreich erledigt. Die Situation änderte sich, als das Werk im Jahr 1909 in italienische Hand übergeben wurde. Ein Jahr später wurde die Aktiengesellschaft Lombardische Autofabrik gegründet, auf italienisch Società Anonima Lombarda Fabbrica Automobili oder kurz A.L.F.A. Die heutige als Alfa Romeo bekannte Marke wurde zu diesem Zeitpunkt ins Leben gerufen und brachte im gleichen Jahr den 24 HP als ihr erstes Modell auf den Markt – auf dem Kühlergrill thronte bereits der stolze Name Alfa. Im Jahr 1911 trat Alfa in den Rennsport ein und holte die ersten Siege ins Boot.

An dieser Stelle muss kurz auf das seit seiner Kreation im Jahr 1910 kaum veränderte Alfa-Logo eingegangen werden, da selbst viele leidenschaftliche Alfa-Fahrer nicht wissen, was sie da eigentlich auf ihrem Kühlergrill spazierenfahren. Generell stellt das Logo das Stadtwappen von Mailand dar: Die linke Hälfte symbolisiert das Kreuz Christi und mit rot und weiß die traditionellen Farben der Bürger, respektive der Landbevölkerung. Das seit dem 12. Jahrhundert bestehende Wappen wurde 100 Jahre später durch das “Biscione” ergänzt, welches sich auf der rechten Seite des Alfal-Logos wiederfindet: Ein Drache mit einem Krone auf dem Haupt. Das rote Detail im Maul des Drachen ist dabei nicht etwa der feurige Atmen des Fabelwesens, sondern ein Kind, welches aus dem Schlund des Drachen geboren wird. Zu verdanken haben die Mailänder ihr äußerst kreatives Stadtwappen der Eroberung eines sarazenischen Fürstenschildes im 13. Jahrhundert – ein historisches Ereignis, welches Einzug in die Stadtchronik, in das Wappen und damit auch in die Fahrzeuge von Alfa Romeo hielt.

Zwei Weltkriege, Wachstum und ein dramatischer Einbruch

Als im Jahr 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, stieg Alfa in großem Stil in das Rüstungsgeschäft ein. Ein Jahr später wurde das Unternehmen liquidiert und von dem Rüstungskonzern Accomandita Ing. Nicola Romeo & Co übernommen. Als patenter Ingenieur kurbelte Nicola Romeo die Produktion von Panzer- und Flugzeugmotoren sowie Munition an und verzwanzigfachte die Belegschaft des Unternehmens bis zum Jahr 1919. Der Krieg war vorüber, die enormen Produktionshallen aber bereits errichtet, sodass im Jahr 1920 der Name des Konzerns in Alfa Romeo geändert wurde und das Geschäft auf die Konstruktion ziviler Fahrzeuge umgestellt wurde. Der Alfa Romeo RL erblickte 1923 das Licht der Welt, gewann im gleichen Jahr mehrere Rennen und entschied im Jahr 1925 die erste Automobile Weltmeisterschaft der Geschichte für sich.

Trotz allem strauchelte Alfa Romeo stark, da die Umstellung auf den zivilen Markt nur schleppend voranging. Nur ein Jahr nach dem großen Weltmeisterschaftssieg verkündete Alfa Romeo die Zahlungsunfähigkeit und rutschte in die Abhängigkeit der Banca d’Italia, welche damals unter der Schirmherrschaft von Benito Mussolini agierte. Neben Nicola Romeo verließ auch ein Rennfahrer das Unternehmen, der wenig später seine eigene Firma gründen sollte: Enzo Ferrari.

Die Rückschläge konnten den Fahrzeughersteller jedoch nicht schocken. Im Jahr 1931 kam mit dem Alfa Romeo 8C der bis dato schnellste Serienwagen der Welt mit Zylinderköpfen aus Aluminium auf den Markt; 1933 wurde Alfa Romeo verstaatlicht und konzentrierte sich auf die Produktion von Nutzfahrzeugen. Zu dieser Zeit wurde auch das typische Scudetto (“Schildchen”) entworfen, welches Alfa-Fahrzeuge seitdem schmückt. Das Scudetto ist ein wappenförmiges Zierelement, welches entweder auf dem Kühlergrill oder der Motorhaube prangt – Fahrzeugen neueren Datums wurde gleich ein kompletter Scudetto-förmiger Kühlergrill verpasst. Als sich ein weiterer Weltkrieg ankündigte, wurde die Produktion von Flugzeugmotoren wieder aufgenommen; die Munitionsfertigung überließ man dieses Mal jedoch anderen Unternehmen. Mit einer dem Unternehmen eigenen Hartnäckigkeit überlebte Alfa auch den Zweiten Weltkrieg, obwohl große Teile des Hauptsitzes in Portobello zerstört wurden. Im Jahr 1948 konnte sich Alfa Romeo wieder aufrichten und wurde Teil der staatlichen Holding IRI.

Die ersten großen Serienerfolge und der wirtschaftliche Kollaps

Nicht faul, stellte sich die italienische Schmiede schnell auf die Nachkriegs-Nachfrage nach in Serie produzierten Alltagsfahrzeugen ein. Das Ergebnis waren zeitlose und heute heiß begehrte Klassiker wie die Alfa Romeo Giulietta von 1954 und die Alfa Romeo Giulia von 1962, die auch gleich einen Rennsporterfolg nach dem anderen einfuhr. Zu diesem Zeitpunkt begann Alfa Romeo, sich auf eine überlegene Technik zu konzentrieren: Auch wenn der Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen bereits im Jahr 1913 von Alfa Romeo entwickelt wurde, kam dieser erst bei den Modellen der 50er Jahre in großem Stil zum Einsatz. Ebenfalls in Serie verpasste das Unternehmen seinen Fahrzeugen fünf Gänge, einen Mehrfachvergaser und Scheibenbremsen – zu dieser Zeit war das absolut richtungsweisend. Spätestens mit dem im Jahr 1966 erschienenen Alfa Romeo Spider kamen die Italiener im öffentlichen Bewusstsein als Premiummarke an und wurden selbst Kolossen wie BMW gefährlich.

Neben dem Alfasud aus dem Jahr 1971 erlangte auch der Alfetta von 1972 schnell Kultstatus; letzterer bekam sogar ein eigenes Werk in Süditalien spendiert. Schade nur, dass das Werk im Schnitt einen Streik pro Woche erlebte, was der Marke Alfa bleibenden wirtschaftlichen und imagetechnischen Schaden zufügte. Das Jahr 1973 stellte den Anfang des Abstiegs von Alfa Romeo dar, während die 1978 folgende Ölkrise ebenfalls nicht zur Gesundung beitrug. Spätestens mit dem Alfa Romeo Arna von 1983 erreichte das Unternehmen einen historischen Tiefpunkt und begann mit dem langsamen Weg zurück ans Licht.

Übernahme durch Fiat und Erfolge der Neuzeit

Im Jahr 1986 wurde Alfa Romeo privatisiert (bis dato immer noch Teil der IRI) und an Fiat veräußert. Als erster unter der Ägide von Fiat produzierter Alfa rollte der Alfa Romeo 164 vom Band und konnte Liebhaber der Marke vollends überzeugen. Das Jahr 1996 stellte das Aus für die beliebten Boxermotoren dar, welche durch starke Reihen-Vierzylinder ersetzt wurden. Diese kamen z. B. im Alfa Romeo 156 von 1997 und dem Alfa Romeo 147 aus dem Jahr 2000 zum Einsatz. Ein Jahr später verlor der Fiat-Konzern wirtschaftlich stark an Boden – die Folge war eine stärkere Zusammenlegung der Produktionsstätten und die Schließung des Werkes in Arese im Jahr 2003. Turin wurde spätestens 2009 die neue Alfa-Hochburg, wo sich bis heute das Centro Stile Alfa Romeo befindet. Die hervorragende Arbeit der Alfa-Designer führte dazu, dass das Centro inzwischen als Haupt-Designzentrum der gesamten Fiat-Gruppe fungiert. Im Jahr 2005 kam das Coupé Alfa Romeo Brera auf den Markt, der trotz seines hohen Gewichts viel Fahrspaß bieten konnte.

Die Unternehmensform wurde bereits im Jahr 2007 wieder in eine AG umgewandelt, während das Portfolio auf einige wenige Fahrzeuge reduziert wurde: Neben dem starken Alfa Romeo 8c von 2007 und dem 2008 erschienenen Alfa Romeo MiTo (Alfas Kleinwagenpremiere) sowie der namentlichen Neuauflage der Giulietta aus dem selben Jahr wird seit 2014 auch der von einem vierzylindrigen 1,8-l-Turbomotor angetriebene Sportwagen Alfa Romeo 4c angeboten.

Generell gilt: Wer einen Alfa Romeo fährt, sitzt entweder in einer Limousine, einem Kombi, einem Coupé oder einem Cabrio. Ein SUV von Alfa Romeo ist für das Jahr 2016 geplant und soll auf dem Alfa Romeo MiTo basieren. Ältere Modelle und vor allem die Fahrzeuge mit Boxermotor sind als Oldtimer sehr beliebt und werden von der umgangssprachlich “Alfisti” genannten Fangemeinde gehegt und gepflegt. Wer sich einen historischen Alfa Romeo gebraucht zulegen möchte, achtet vor allem bei den Modellen aus den 70ern auf Roststellen – die Auswirkung der Streiks und die damaligen wirtschaftlichen Probleme des Unternehmens machen sich durch eine stark schwankende Qualität bemerkbar. Alles in allem halten Fahrzeuge von Alfa Romeo jedoch, was sie versprechen: Ein echtes Stück Tradition aus Bella Italia, komplett mit einer guten Prise italienischen Temperaments und ein paar charmanten Eigenheiten.

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