BMW M1: Alien mit Ikonen-Status

Er gehört zu den besonders unerhörten Momenten in der Modellgeschichte von BMW: Der lediglich von 1978 bis 1981 gebaute M1 war ein Supersportwagen, mit dem sich der Autokonzern aus München ganz im Stile italienischer Rasseboliden à la Lamborghini und Ferrari in sehr ungewöhnlicher Weise inszenierte. Und das kommt nicht von ungefähr, denn der M1 ist mehr als alle anderen BMW-Modelle von italienischen Genen geprägt. Das liegt vor allem an seiner Entstehungsgeschichte, denn der M1 war ein Entwicklungsauftrag, den BMW unter maßgeblicher Anteilnahme von Giorgio Giugiaro und Lamborghini ausarbeitete. BMW wollte eine extrem leichte, rennsporttaugliche Mittelmotor-Flunder, die in ihrem Stil an die BMW-Studie Turbo aus dem Jahr 1972 erinnern sollte.

Eigentlich hätte Lamborghini nach der Entwicklung auch die Fertigung der ganzen Kleinserie übernehmen sollen. Doch die Norditaliener mussten sich aufgrund wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen letztlich aus diesem Projekt zurückziehen. BMW setzte deshalb kurzerhand auf den Karossier Baur aus der Nähe von Stuttgart, der schließlich die Endmontage der straßenzugelassenen M1 umsetzte. In den drei Jahren Produktionszeit wurden dort schließlich 453 Exemplare für den Einsatz im normalen Straßenverkehr montiert.

Der als Cabriolet-Spezialist bekannte Karossier Baur zimmerte einen BMW zurecht, der in seinen konstruktionellen Grundelementen eigentlich keine BMW-DNA aufweisen konnte. Ob Mittelmotorlayout oder die auf einem Gitterrohrrahmen aufbauende Karosserie: Kein anderer BMW vorher oder nachher wies derartige Konstruktionselemente auf. Immerhin: Viele Teile, wie etwa die Heckleuchten oder Schalter im Innenraum und natürlich der Motor, stammten aus dem BMW-Teileregal.

Der einstmals schnellste Wagen aus deutscher Produktion

Das 3,5-Liter-Aggregat mit Kugelfischer-Einspritzung stellte eine für die damalige Zeit imposante Leistung bereit: 277 PS und 330 Newtonmeter Drehmoment reichten aus, um die 1,3 Tonnen leichte Flunder in 5,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu wuchten und auf über 260 km/h zu beschleunigen. Eine nationale Rekordmarke, denn erst mit dem Porsche 911 Turbo aus dem Jahr 1983 konnte ein Sportwagen aus Deutschland diese Werte übertreffen.

Leistungsmäßig weit jenseits der straßenzugelassenen Versionen bewegten sich die speziell für den Rennsport-Einsatz aufgebauten M1, die mit Turboaufladung bis zu 850 PS leisten konnten. Diese Rennfahrzeuge waren auch der eigentliche Grund für den Bau des M1. Doch der Wunsch, BMW mit diesen Boliden als international erfolgreiche Rennsportmarke zu etablieren, scheiterte, denn nennenswerte Erfolge konnten die potenten M1-Renner nicht einfahren. Immerhin können sie heute mit ihren Auftritten imponieren: Kommen M1 auf historischen Renntagen zum Einsatz, sorgen sie mit teilweise atemberaubender Klangkulisse und einer auch heute noch modern anmutenden Silhouette für Aufmerksamkeit.

Sehr selten und sehr teuer

Keine Frage: Der M1 ist ein echtes Kultauto geworden, welches sich übrigens nur wenige betuchte Kunden leisten konnten und künftig leisten werden. Ende der 1970er-Jahre waren bereits die 100.000 D-Mark für ein Neufahrzeug ziemlich viel Geld. Einen Verlust dürften die damaligen Käufer eines M1 allerdings nie erlitten haben, denn trotz seiner äußerst beschränkten Alltagstauglichkeit blieb er immer doch ein Traumauto, welches aufgrund seiner geringen Verfügbarkeit allerdings meist unerreichbar war.

Und wohl auch dieser Umstand hat den Preis weiter nach oben getrieben. Sollte sich jemand heute einen M1 kaufen wollen, wird er lange suchen müssen, denn angeboten werden diese selten auf dem freien Markt. Falls doch, werden sie zumeist auf Auktionen meistbietend versteigert. Der größte Teil von M1 dürfte langfristig in irgendwelchen Sammlungen geparkt sein und entsprechend selten weiter veräußert werden. Sollte doch mal ein M1 auf den Markt kommen, muss man beim Kaufpreis mit mehreren hunderttausend Euro rechnen. Als Anlageobjekt könnte sich diese gewiss sehr hohe Investition langfristig dennoch lohnen.

BMW M1
Produktionszeitraum 1978–1981
Preis (Neuwagen) 100.000 D-Mark
Höchstgeschwindigkeit 262 km/h
0–100 km/h 5,6 Sek.
Verbrauch (kombiniert) k.A.
CO₂ k.A.
Zylinder/Ventile 6/32
Hubraum 3.453 cm³
Leistung (kW/PS bei U/min.) 204/277 bei 6.500
Drehmoment (Nm bei U/min.) 330 bei 5.000
Maße (L x B x H) 4.360 mm x 1.824 mm x 1.140 mm
Antrieb Heck
Tankinhalt 2 x 58 l
Treibstoff Benzin
Leergewicht 1.300 kg

* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem »Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen« entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.
PKW.de – Gebrauchtwagen, Neuwagen, Jahreswagen und alles rund ums Auto.