BMW 6er Cabriolet: Glücklichmacher für Sonnenhungrige

Seit über zehn Jahren und zwei Generationen gibt es bereits den BMW 6er als imposantes Cabriolet. Das Luxusmobil mit vollelektrischem Stoffdach verwöhnt mit viel Ausstattung und druckvollen Motoren. Doch der Spaß verlangt nach einer hohen Investition, zumindest bei Neufahrzeugen. Zum Glück gibt es mittlerweile eine gute Auswahl von 6er Cabriolets als Gebrauchtwagen, die sich preislich zum Teil schon in Regionen bewegen, die auch für Otto Normal finanzierbar sind. Und das trifft so langsam auch auf die zweite Generation zu, die noch deutlich mehr Faszination und Luxus als die erste Generation bieten kann.

BMW 6er Cabriolet: Offen, groß, eigenwillig

BMW gibt Stoff, lautete das Motto anno 2004, als der Autobauer aus München dem 6er Coupé noch das 6er Cabriolet zur Seite stellte. Und von diesem Stoff musste BMW reichlich einsetzen, denn das Textildach spannt sich über eine XL-Fahrgastzelle und das gleich noch mehrlagig, denn Ganzjahreskomfort und ein dezentes Geräuschniveau gehören selbstredend in der Oberklasse zum feinen Ton. Oberklasse? Eigentlich stammt das 6er Cabriolet vom BMW 5er ab und wäre streng genommen damit ein Mittelklasse-Mobil. Doch BMW vermarktet den 6er selbstbewusster. Immerhin wirkt die als Gebrauchtwagen beliebte erste Generation des 6er Cabriolets mit ihrer knapp über 4,80 Meter langen Karosserie wuchtig, während das eigenwillig erhöhte Kofferraumplateau für ein besonderes Etwas sorgt. Genau mit dieser Design-Eigenheit präsentierte sich seinerzeit auch der BMW 7er, der dann ein wahrhaftiger Oberklasse-Vertreter war.

Dieses Heck ist nicht unbedingt die Schokoladenseite des 6er Cabriolets, wie auch das Verdeck im geschlossen Zustand für eine nicht ganz so schicke Silhouette sorgt, wie sie etwa das Blechdach-Pendant 6er Coupé bieten kann. Da heißt es also Hut ab: Drückt man auf den Verdeckknopf im Innenraum, faltet sich die komplexe Konstruktion aus Gestänge und Stoff in 25 Sekunden hinter die Fahrgastzelle. Jetzt werden auch Außenstehende ausnahmslos Gefallen an dem auch als Gebrauchtwagen prestigereichen Lifestyler finden, der spätestens im Open-Air-Modus den Eindruck vermittelt, ein exklusives Spielzeug für die Schönen und den Reichen zu sein.

Starke Motoren, stolze Preise

Für Distinguiertheit hat das 6er Cabriolet dann auch dank eines hohen Kaufpreises gesorgt, denn selbst für die Basisversion 630i wurden dereinst stolze 70.000 Euro für einen Neuwagen abgerufen. Immerhin gab es im Fall des 6er Cabriolets dafür auch eine üppige Ausstattung, die unter anderem eine Klimaautomatik, Ledersitze, Xenonscheinwerfer, ein Audiosystem, einen Tempomaten und das vollelektrische Verdeck umfasste. Gediegen ist auch das Platzangebot für die vorderen Passagiere, die einen fast schon oberklasseartigen Komfort genießen können, während auf den Notzsitzen im Fond für Gäste eher Holzklasse angesagt ist. Als Handtaschenablage für die Fahrerin eignet sich die Rückbank hingegen vorzüglich.

Störend kann es allerdings sein, wenn die Utensilien auf der Rückbank während der Fahrt nach links und rechts fliegen, denn für eine flotte Kurvenhatz ist bereits das erste 6er Cabriolet bestens austariert. Für den Fahrspaß förderlich sind vor allem auch die potenten Antriebe. Der bereits erwähnte 630i hat bis Baujahr 2007 einen immerhin 258 PS und 300 Newtonmeter starken Dreiliter-Reihensechszylinder im Bug, der in Kombination mit dem manuellen Schaltgetriebe den 1,6-Tonner in 6,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 wuchtet und bis zu 250 km/h schnell macht, bei lediglich 8,6 Liter Verbrauch. Nach dem Facelift 2007 war der 630i dank einer Leistungsspritze auf 272 PS und 320 Newtonmeter sogar noch etwas flotter.

Bombastische Achtzylinder und ein irrer V10

Wer es noch druckvoller braucht, hat die Wahl zwischen zwei Achtzylinder-Benzinern. 2004 kam zunächst der 645Ci. Seine 4,4-Liter-Maschine bot mit 333 PS und 450 Newtonmetern bereits souveräne Fahrleistungen. Knapp über sechs Sekunden dauert der Sprint, während der Vortrieb bei standesgemäßen 250 km/h endet. Der Verbrauch der Version mit manuellem Schaltgetriebe liegt allerdings bei fast 13 Litern. Wer auf Achtzylinder-Power steht, dürfte mit dem ab 2005 verfügbaren 650i noch ein Quäntchen glücklicher werden. Der Ersatz für den 645er kam mit 4,8 Liter Hubraum, 367 PS und 490 Newtonmetern, was eine kürzere Sprintzeit von 5,8 Sekunden erlaubte, während der Verbrauch mit der optionalen 6-Gang-Automatik mit 11,7 Litern angegeben wurde.

Wem der Spritkonsum egal ist, wird sich unter Umständen auch für das M6 Cabriolet interessieren können. Hier sorgt ein Zehnzylinder für abartige Fahrleistungen und abartigen Verbrauch. Der Zweitonner prescht in 4,8 Sekunden auf Tempo 100 und wird dafür mindestens 15 Liter auf 100 Kilometer aus dem Tank schlürfen. Aber auch der Neupreis bewegte sich weit jenseits jeder Vernunft: bei über 116.000 Euro. Für einige zehntausend Euro weniger gab es noch die Dieselversion 635d, die mit einem Dreiliter-Reihensechszylinder 286 PS und 580 Newtonmeter mobilisiert, was für 6,6 Sekunden Sprintzeit und 250 km/h Höchstgeschwindigkeit reicht, wenngleich der Verbrauch mit 7,2 Litern recht bescheiden bleibt. Insofern erscheint diese Motorvariante beim Gebrauchtkauf als die beste Wahl.

Allerdings sind auf dem Gebrauchtmarkt die 635d-Versionen recht selten und vergleichsweise teuer. Häufiger vertreten sind hingegen die ersten 630er und 645er, die schon für niedrige fünfstellige Summen zu haben sind, während 650i und 635d meist noch jenseits der 20.000 Euro liegen. Noch teurer ist der M6, bei dem sich das Gros der Gebrauchtwagen meist noch jenseits der 30.000 Euro bewegt. Im Vergleich zum Neupreis sind das allerdings schon sehr niedrige Tarife.

Die zweite Generation wird bezahlbar

Wer das Geld für einen Stoffdach-M6 der ersten Generation aufbringen kann, könnte alternativ auch auf einen Vertreter der zweiten Generation des 6er Cabriolets spekulieren. Das intern F12 genannte und im Frühjahr 2011 in den Markt gebrachte Luxus-Cabriolet dringt als Gebrauchtwagen nämlich ebenfalls in bezahlbarere Regionen vor und ist darüber hinaus der in vielfacher Hinsicht attraktivere Offen-6er.

Dafür sorgt unter anderem das Design, welches im Vergleich zum Vorgänger harmonischer, ausgewogener, eleganter wirkt. Und natürlich zeitgemäßer, denn mit den ab 2015 sogar serienmäßigen LED-Scheinwerfern oder seinem feinen Sickenspiel ist der auf 4,90 Meter gewachsene 2+2-Sitzer eine deutlich modernere Erscheinung als sein Vorgänger. Und das 6er Cabriolet wirkt dynamischer mit seiner selbstbewussten Shark-Nose-Front.

Egal, welche Motorisierung: Leistung gibt’s im Überfluss

Was die Optik verspricht, halten zudem die Antriebe. Los geht es hier mit dem 640i, einem Dreiliter-Reihensechszylinder mit 320 PS und 450 Newtonmeter, der bereits mehr als ausreichende Fahrleistungen bietet. Das Aggregat ist zwangsgekoppelt an eine fein schaltende Achtgang-Automatik, die zudem einen schnellen Antritt erlaubt, denn der Sprint auf 100 km/h wird mit 5,7 Sekunden angegeben. Spielend leicht werden auch die maximal 250 km/h erreicht. Da erscheint die Quittung an der Tankstelle noch human, denn aus den von BMW angegebenen 7,9 Liter werden praktisch 10 bis 11 Liter.

Auch wenn der 640i völlig reicht, hat der V8 des 650i mit seinem Extra-Punch auch seinen Extra-Reiz. Immerhin sind hier die Fahrleistungen besser als beim M6 des Vorgängers. Das 4,4-Liter-Turboaggregat kann mit dem optionalen Allradantrieb xDrive in 4,5 Sekunden die 100-km/h-Marke knacken und auch überaus kurzweilig die maximal 250 km/h erreichen. Demgegenüber steht für die Heckantriebsvariante ein Normverbrauch von 8,9 Liter. Sparsamste Alternative ist der 640d. Das Dreiliter-Sechszylinder-Aggregat mobilisiert 313 PS und 630 Newtonmeter und schafft mit Allradtechnik einen Sprint von 5,4 Sekunden. Die 250 km/h verstehen sich auch hier von selbst. Im Idealfall liegt der Spritkonsum mit 5,6 Liter auf verblüffend niedrigem Niveau.

Selbst der M6 kann sich mit einem Verbrauch von knapp über zehn Litern sehen lassen. Im Fall der Version mit dem rund 8.000 Euro teuren Competition-Paket gibt es immerhin 575 PS und 680 Newtonmeter Drehmoment, was für eine Sprintzeit von 4,2 Sekunden reicht und eine Höchstgeschwindigkeit von 305 km/h ermöglicht, sofern man gegen Aufpreis den elektronischen Vortriebsriegel auf dieses statt auf das sonst übliche 250-km/h-Niveau anhebt. Für das M6 Cabriolet gibt es übrigens keine Allradoption, und statt der sonst üblichen Automatik kommt ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe serienmäßig zum Einsatz.

Trotz der üppigen Ausstattung kostet vieles Aufpreis

Neben den serienmäßig selbst schaltenden Getrieben bietet ein 6er Cabriolet der zweiten Generation noch eine umfangreiche Serienausstattung. Diese umfasst eine 2-Zonen-Klimaautomatik, Ledersitzbezüge, 18-Zoll-Räder, elektrisch verstellbare Vordersitze, einen Tempomat, LED-Scheinwerfer, einen Regensensor, das Navigationspaket ConnectedDrive sowie eine Premium-Audioanlage. Klingt eigentlich nach Vollausstattung, ist aber von selbiger noch weit entfernt. Allein mit Adaptiv-Fahrwerk (welches eine besonders komfortable Abstimmung bietet), Abstandstempomat und Head-up-Display hat man bereits ein kleines Must-have-Zusatzpaket geschnürt, welches den Kaufpreis für einen Neuwagen um viele tausend Euro weiter nach oben treibt. Hinzu kommt noch der Kaufpreis, der im Fall des 640i bei 88.000 Euro los geht und beim M6 Cabriolet mit Competition-Paket irgendwo jenseits der 140.000 Euro endet.

Der Gebrauchtmarkt bietet allerdings eine Vielzahl an BMW 6er Cabriolets der zweiten Generation für deutlich weniger Geld. Bei den älteren Exemplaren haben sich die Preise zum Teil schon mehr als halbiert. Insofern ist es möglich, in den F12 als Gebrauchtwagen bereits mit Preisabschlägen von rund 50.000 Euro weit unterhalb des hohen Neupreis-Niveaus einzusteigen.

BMW 6er Cabriolet F12
ProduktionszeitraumSeit 2011 bis heute
Höchstgeschwindigkeit250–305 km/h
0–100 km/h4,2–5,5 Sek.
Verbrauch (kombiniert)5,6–10,3 l/100 km
CO₂147-239 g/km
Zylinder/Ventile6-8/24-32
Hubraum2.978–4.395 cm³
Leistung (kW/PS bei U/min.)230/313–422/575 bei 4.400–6.000
Drehmoment (Nm bei U/min.)450–680 bei 1.300-1.500
Maße (L x B x H)4.894–4.898 mm x 1.894–1.899 mm x 1.365–1.368 mm
AntriebHeck/Allrad
Tankinhalt70 l
TreibstoffDiesel/Super
Leergewicht1.915–2.055 kg
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem »Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen« entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.
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