Lada 1200 – der Klassiker für Liebhaber

Im Jahr 1970 rollte der erste Lada 1200 von den Bändern des russischen Herstellers AwtoWAS und vereinte die Vorzüge des Fiat 124 mit einer robusten, auf sibirische Bedingungen ausgelegten Bauweise. Mit seiner verstärkten Karosserie, seiner größeren Bodenfreiheit und einer Anlasserkurbel für Starts im harten russischen Winter erweist sich der Lada 1200 als widerstandsfähiger Gebrauchtwagen, der dank seiner Seltenheit heutzutage allerdings eher für Sammler interessant ist. Der auch als Schiguli bezeichnete Wagen erhielt seinen Namen von den Zhiguli-Bergen direkt gegenüber der AwtoWAS-Heimatstadt Togliatti. Wer einen noch ausgefalleneren Wagen sucht, greift einfach zur im Jahr 1971 erschienenen Kombiversion des Lada 1200 und damit zum dem ersten fünftürigen Wagen der Sowjetunion. Im Jahr 1988 fand der Schiguli sein Ende – der Lada Nova trat seine Nachfolge jedoch mit einem nur unmerklich veränderten Blechkleid an.

Mit dem Lada 1200 erwartet Sammler ein Gebrauchtwagen alter Schule

Wenn der russische Hersteller AwtoWAS ein Fahrzeug auf den Markt bringt, dann fährt die Karosse ohne Wenn und Aber. Der Grundstein für die hohe Zuverlässigkeit der russischen Fahrzeuge wurde im Jahr 1970 mit dem Lada 1200 gelegt. Basierend auf dem Fiat 124, eroberte der 1200 den Osten im Sturm und konnte sich später als leicht veränderter Lada Nova über ganz Europa verteilen. Dabei ist der Lada 1200 als Gebrauchtwagen vor allem für Sammler interessant, denn die Fahrzeuge bringen eine bewegte Geschichte mit: Als erstes Fahrzeug des damals noch staatlichen sowjetischen Automobilwerks AwtoWAS sollte ein widerstandsfähiger, zuverlässiger und prestigeträchtiger Wagen dienen, der nicht zu viel kostete. Als Eier legende Wollmilchsau hielt damals der im Jahr 1966 zum Auto des Jahres gewählte Fiat 124 her. Das allerdings nicht nur, weil der Wagen für damalige Verhältnisse modern war, sondern auch weil der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Italiens, Palmiro Togliatti, das Geschäft für die Sowjetunion einfädelte. Für seine guten Dienste wurde der Vorsitzende verewigt, indem man eine Stadt nach ihm benannte – das vorherige Stawropol-Wolschskij an der Wolga hieß nun Togliatti – seit jeher die Heimatstadt von AwtoWAS und Geburtsort des Lada 1200.

Mit seiner archetypischen Form konnte der Wagen kaum etwas falsch machen und auch heute gibt sich der Lada 1200 als Gebrauchtwagen noch durchaus schick. Eine flache Motorhaube, ein flacher Kofferraum und die in der Mitte des Fahrzeuges aufragende Fahrgastzelle lassen den Wagen klassisch wirken; die runden Scheinwerfer und der breite Kühlergrill bringen die charakteristischen Lada-Formen mit. Wer besonderes Glück hat und sich ein eher seltenes Modell in die Sammlung stellen will, sucht nach der im Jahr 1971 auf den Markt gekommenen Kombi-Variante. Diese stellt den ersten fünftürigen Wagen der Sowjetunion dar, und wurde umgangssprachlich, nach der kleinsten Münze in der UdSSR auch Kopeika (Kopeke) genannt. Das Ende des Lada 1200 dämmerte bereits 1981 mit dem Export des VAS-2105 herauf, der außerhalb von Russland als Lada Nova bezeichnet wurde. In seinem Äußeren nur leicht verändert, löste der Nova den 1200 nach und nach ab und verdrängte ihn schließlich im Jahr 1988 endgültig vom Markt – das Erbe des Schiguli besteht in der urigen Form des Nova jedoch fort.

Harter Wagen, starke Pflege: Der Lada 1200 will als Gebrauchtwagen gut behandelt werden

Ganz und gar nicht klein waren die ausgiebigen Änderungen am Grundmodell Fiat 124. Der Lada 1200 erhielt eine umfangreiche Anpassung an den russischen Markt, welche zu einem Großteil für den enormen Erfolg des Wagens verantwortlich war; als Gebrauchtwagen macht sich der Lada 1200 schon alleine deswegen in jeder Sammlung hervorragend: Neben einer verstärkten Karosserie mit dickeren Blechen erhielt der Lada 1200 eine größere Bodenfreiheit, um mit den eher rustikalen russischen Straßen klarzukommen. Die Trommelbremsen an den Hinterrädern wurden durch Scheibenbremsen ersetzt, während der Start in harten sibirischen Wintern durch eine Anlasserkurbel erleichtert wurde. Selbst eine in Handarbeit zu bedienende Hilfstreibstoffpumpe war ab Werk mit an Bord.

Wer einen originalen Lada 1200 sucht, wird oft auch unter dem Namen Schiguli fündig, denn gegenüber der Stadt Togliatti thronen die Zhiguli-Berge – der heimatliche Verkaufsname war also schnell gefunden. Einen 1200 der ersten Stunde zu finden, ist heutzutage jedoch eher schwer, denn die ersten Modelle wurden mit extrem rostanfälligem Recyclingstahl gebaut. Stößt der Oldtimer-Fan auf ein echtes Original, heißt es sich auf die Knie zu begeben: Die anfälligsten Stellen des Gebrauchtwagens sind auch im Falle des Lada 1200 die Türunterkanten, Aufhängungen und Schraubkanten. Hier das Fahrzeug auf Herz und Nieren zu prüfen, ist leider schwierig, denn die Bauteile des Lada 1200 wurden nicht verschraubt, sondern verschweißt. Auch die weitere Behandlung sollte sehr pfleglich erfolgen.

Rustikal motorisierter Gebrauchtwagen: Im Lada 1200 schlagen robuste Herzen

Schaut man dem Lada 1200 unter sein Blechkleid, entdeckt man widerstandsfähige Motoren, die im Zweifelsfall auch vom nächsten Dorfschmied oder einem engagierten Heimwerker repariert werden können – eben wie geschaffen für harte sibirische Verhältnisse. Den Anfang macht der 1,2-l-Motor aus dem Jahr 1970. Mit 45 kW bei 5.000 U/min. und einem maximalen Drehmoment von 101 Nm bei 3.400 U/min. erreicht der Lada 1200 seine 100 km/h in eher bequemen 27 Sekunden. Bei 135 km/h ist dann auch Schluss. Ein kombinierter Verbrauch von 9,0 l und ein Tankinhalt von 42 l lassen ebenfalls keine großen Sprünge zu – dem Sammler ist das jedoch egal, denn der Lada 1200 bietet als Gebrauchtwagen echtes russisches Oldtimer-Feeling.

Der ein Jahr später erschienene Kombi brachte bereits den leicht verbesserten 1,2-l-Motor mit und legt 47 kW bei 5.100 U/min. und ein maximales Drehmoment von 110 Nm bei 3.600 U/min. auf den Tisch. Den Sprint bis 100 km/h bringt der 1200 in 22 Sekunden über die Bühne und auch die Maximalgeschwindigkeit ist mit 140 km/h etwas höher als beim Vorgänger. Wer sich den Lada 1200 übrigens in der der Version als Stufenheck mit dem stärkeren 1,2-l-Motor zulegen möchte, greift zu einem Modell aus dem Jahr 1974 – ab da findet sich der kräftigere Motor auch im regulären 1200. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, stellt sich einfach vor den offenen Motorraum und schaut am rechten unteren Ende des Motors nach einer Prägung mit der Motorisierungsangabe – dafür muss sich der engagierte Sammler zwar recht tief hinunterbeugen, doch verrenkt man sich auch einmal gerne, um einen echten russischen Oldtimer-Schatz zu erstehen.

Lada 1200
Produktionszeitraum1970–1988
Preis (Gebrauchtwagen)ab 2.500 €
Höchstgeschwindigkeit135–140 km/h
0–100 km/h27,0–22,0 Sek.
Verbrauch (kombiniert)9,2–9,0 l/100 km
Zylinder/Ventile4/8
Hubraum1.198 cm³
Leistung (kW/PS bei U/min.)45/61 bei 5.000; 47/64 bei 5.100
Drehmoment (Nm bei U/min.)101 bei 3.400; 110 bei 3.600
Maße (L x B x H)4.073 mm x 1.611 mm x 1.384; 4.095 mm x 1.611 mm x 1.458
AntriebHeck
Tankinhalt42 l
TreibstoffBenzin
Leergewicht955–1.010 kg
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem »Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen« entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.
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