Lada VFTS – Rallye-Feeling von der Wolga

Mit dem Lada VFTS brachte der russische Hersteller AwtoWAS im Jahr 1982 ein kraftvolles Rallye-Fahrzeug auf den Markt, das heutzutage von Sammlern als heiliger Gral der Leistungs-Ladas angesehen wird. Typisch für den Lada VFTS ist einerseits die typische Form des alten 2105: Eine flache Haube, ein flacher Kofferraum und ein aufragendes Greenhouse. Andererseits besitzt das Rallye-Monster sehr charakteristische Radkästen mit einer leicht rechteckigen Form. Überall sieht man Nieten, Schrauben, Stahlstangen: Wer sich den Lada VFTS als Gebrauchtwagen zulegt, erhält einen reinrassigen Leistungssportler der alten Schule, mit allen dazugehörigen Narben. Unter der Haube des Russen schlummert ein Motor mit bis zu 118 kW – für damalige Verhältnisse eine enorme Leistung, mit welcher sich der Lada VFTS auch heute noch gerne und oft auf die Rennstrecke trauen darf. Die B-Gruppe-Modelle mit bis zu 224 kW sind auf dem Gebrauchtwagenmarkt allerdings unauffindbar und hüten lediglich die Garagen einiger glücklicher Sammler.

Der Lada VFTS lässt als Gebrauchtwagen ordentlich Gummi auf der Straße

Auch wenn die Autoschmiede an der Wolga zumeist eher rustikale Fahrzeuge für wenig Geld auf den Markt bringt, produzierte der russische Hersteller AwtoWAS mit dem Lada VFTS ein echtes Monster. Ursprünglich für den Rallye-Sport konzipiert, betrat der VFTS im Jahr 1982 die Weltbühne und fiel direkt bei seinem ersten Rennen ein Jahr später durch eine fehlerhafte Zylinderkopfdichtung aus. Der Lada-Fan von Welt kann sich an dieser Stelle ein Schmunzeln nicht verkneifen – die Wolgamobile sind eben leicht zu reparieren und recht zäh, besitzen aber mitunter auch einen eher störrischen Charakter.

Das VFTS im Namen des Lada bedeutet Vilnius Fabrik Tuning Sport und bezeichnet eine von Lada beschäftigte Tuning-Werkstatt, welche mit der Konzeption des Wagens bereits im Jahr 1976 begann. Eine der treibenden Kräfte hinter dem VFTS war der Rallyefahrer Stasys Brundza, der neben einer Ausbildung an der technischen Universität zu Litauen auch einige Erfahrung im Bereich der Politik sammeln konnte – seit 2014 sitzt der Erfinder des VFTS im litauischen Parlament. Der Lada VFTS weist als Gebrauchtwagen also in jedem Fall eine bewegte Geschichte auf, doch Sammler interessieren sich ebenso für das charakteristische Äußere des Wagens, wie für seine Historie.

Auf dem Lada 2105 basierend, fühlt sich das Auge des interessierten Sammlers beim Lada VFTS gut aufgehoben: Motorhaube und Kofferraum sind flach, die Fahrgastzelle ragt in der Mitte auf – die typischen Lada-Formen sind vorhanden und stehen dem Rallye-Russen hervorragend. Als kleinen aber feinen Unterschied zum 2105 bringt der Lada VFTS als Gebrauchtwagen verbreiterte Radkästen mit, die mit ihrer eher rechteckigen Form den großen Reifen des Wagens Platz machen. So weit so vertraut, doch der Rest des Blechkleids hebt den VFTS endgültig von normalen Straßenfahrzeugen ab: Wo man auch hinschaut, finden sich beim Lada VFTS Nieten, Schrauben und blanke Stahlstangen. Neben den offensichtlich mit dicken Bolzen angedübelten und wuchtigen Kotflügeln machen die Front- und Heckschürzen des Wagens einen starken Eindruck. Wer sich den Lada VFTS als Gebrauchtwagen im unmodifizierten Original zulegen möchte, achtet auf die Fenster. Diese bestehen bei Originalversionen nämlich aus Kunststoff und wurden fest vernietet; Fensterheber gehören beim VFTS zu den Features, welche das Rallye-Tuning nicht überlebt haben. Eine Rückbank sucht man ebenfalls vergebens, denn hier prangen die dicken Stangen des Überrollkäfigs. Trotz den umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen bringt der Lada VFTS nur knappe 920 kg bis 960 kg auf die Waage, denn viele Bauteile wurden aus Kunststoff oder Polycarbonat gefertigt.

Monströs motorisiert: Der Lada VFTS bringt als Gebrauchtwagen ordentlich Power mit

Wer den Zündschlüssel den Lada VFTS umdreht, bekommt seine durchdringende Stimme zu hören; der Wagen hält sich dabei in keiner Weise zurück. Eine Holzfällertruppe mit Hochleistungswerkzeug ist sicher leiser, doch ein echter Rallye-Fan freut sich eben erst dann, wenn die Plexiglasscheiben des Wagens unter der Wucht des Motors zittern.

Das Triebwerk, das unter dem Blechkleid des Wagens ruht, besitzt vier Zylinder, sechzehn Ventile und dicke Muskeln: Mit 1.600 cm³ Hubraum, bis zu 118 kW bei 8.000 U/min. und einem maximalen Drehmoment von 180 Nm bei 6.000 U/min. machen auf der Rennstrecke eine Menge Spaß und den Lada VFTS als Gebrauchtwagen auch für den einen oder anderen Ausflug in die grüne Hölle attraktiv. Die Version mit 118 kW ist unter den ca. 200 produzierten Expemplaren die am häufigsten vertretene Variante; wer ein wenig länger sucht, findet auch VFTS ab 90 kW Leistung. Auf dem regulären Gebrauchtwagenmarkt kaum zu ergattern sind die B-Gruppe-Modelle mit bis zu 224 kW Leistung. Hier muss man sich schon an passionierte Sammler wenden und mit horrenden Preisen rechnen.

Wer einfach nur einen mächtigen Rallye-Russen zu einem humanen Preis sein eigen nennen möchte, ist mit dem Lada VFTS gut beraten. Führt man den Gebrauchtwagen auf die Strecke zeigt sich schnell, warum das Fahrzeug sich damals gegen Größen wie z. B. den Fiat 131 Abarth durchsetzen konnte: Den Sprint von 0 auf 100 km/h schafft der Lada VFTS in 7,0 Sekunden, während der Wagen maximal 190 km/h schafft – ein für den Rallyesport natürlich absolut ausreichender Wert. Dank seines Heckantriebs und seiner enormen Kraft besitzt der VFTS auf der Strecke einen recht ausgeprägten Charakter, bewältigt Kurven dank seiner Leichtbauweise und seines direkten Handlings sehr gut. Typisch Lada: Fast alles wurde aufgemotzt und verändert – außer an den Bremsen. Die sind im Prinzip immer noch die gleichen wie beim 2105, sprich Scheibenbremsen an der Frontachse und Trommelbremsen an der Hinterachse, wenn auch deutlich größer dimensioniert.

Lada VFTS
Produktionszeitraum1982–1988
Preis (Gebrauchtwagen)ab 5.500 €
Höchstgeschwindigkeit190 km/h
0–100 km/h7,0 Sek.
Verbrauch (kombiniert)10,8 l/100 km
Zylinder/Ventile4/16
Hubraum1.600 cm³
Leistung (kW/PS bei U/min.)118/160 bei 8.000
Drehmoment (Nm bei U/min.)180 bei 6.000
Maße (L x B x H)4.130 mm x 1.680 mm x 1.440
AntriebHeck
Tankinhalt39 l
TreibstoffSuper
Leergewicht920–960 kg
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem »Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen« entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.
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