VW T1: Ein Bus erobert die Nation

Vor über 60 Jahren schickte der VW-Konzern parallel zum Käfer sein nächstes Meisterwerk an den Start – den VW T1. Es ist die erste Generation des bis heute gebauten und bereits in sechster Auflage erhältlichen Modells. Das besser als VW Bulli bekannte Fahrzeug ist heute Kult und ein sehr gefragter Gebrauchtwagen und Oldtimer. Von den einst über 1,8 Millionen gefertigten Exemplaren findet man heute kaum 100 auf dem Gebrauchtwagenmarkt – das treibt den Wert und damit den Preis des VW T1 in die Höhe. Zwar kann der T1 bereits ab rund 7.000 Euro erworben werden, doch handelt es sich bei diesen Exemplaren oft um nicht fahrtaugliche Modelle. Für einen sorgfältig und liebevoll gepflegten Bulli verlangen Liebhaber oft hohe fünfstellige Beträge.

Von der Idee bis zum Kult – VW T1

Beim VW T1 handelt es sich um das erste Modell der VW-Bus-Reihe, welche offiziell als VW Transporter und intern als Typ 2 bezeichnet wird. Die Serienproduktion des T1 begann 1950: Ursprünglich sollte das Modell als Kastenwagen, das auf dem Chassis des VW Käfer aufbaut, produziert werden, doch dieser Plan wurde nicht umgesetzt. Stattdessen wurde ein eigenständiges Chassis entworfen und die Porsche KG mit der Weiterentwicklung des VW T1 beauftragt. Herausgekommen ist ein Bus mit Fenstern für den Personentransport, der heute als VW Bulli nahezu jedem ein Begriff ist und Kultstatus genießt.

Schon vier Jahre nach dem Marktstart lieferte Volkswagen den 100.000sten T1 aus; 1962 rollte das einmillionste Modell vom Band. Während seiner Bauzeit war der VW Bulli uneingeschränkter Marktführer und gilt deshalb als Symbol der Wirtschaftswunder-Jahre in Deutschland: Insgesamt wurden, erst im Wolfsburger VW-Werk und später im Hannoverschen, über 1,8 Millionen des VW T1 in verschiedenen Ausführungen fertiggestellt. Das Besondere am T1 war, dass er sich nicht an eine bestimmte Zielgruppe richtete, sondern vielmehr die unterschiedlichsten Personengruppen vereinte. So wurde der Bulli zu einem beliebten Fortbewegungsmittel für Gewerbetreibende und Familien, aber auch für junge Leute und prägte so ganze Generationen. Erst 1967 fiel in Deutschland der Vorhang für die erste Generation des VW T1.

Der VW T1 bekommt schnellere Motoren und Blinker

Charakteristisch für den VW T1 sind seine in der Mitte geteilte Frontscheibe aus ebenem Glas, v-förmige Sicken sowie das große, an seiner Front prangende VW-Markenzeichen. Die Karosserie ist mit dem Rahmen verschweißt und wurde anfangs nur in Taubenblau lackiert bzw. grundiert ausgeliefert. Später wurden außerdem u. a. die Farbe Braun, zwei Grautöne sowie zweifarbige Lackierungen angeboten. Im Wageninneren war das große, flache Lenkrad besonders imposant; das Armaturenbrett war anfangs nicht durchgehend und mit der Karosserie verschraubt. Erst nach dem Erscheinen des Sondermodells Samba, das ein durchgehendes Armaturenbrett hat, wurde diese Variante auch für das Serienmodell übernommen. Trotz seiner recht hageren Ausstattung war ein VW-T1-Neuwagen teurer als ein vollausgestatteter Käfer, doch dem Erfolg hat es nicht geschadet.

Im Laufe der Produktionsjahre wurde der T1 mehrmals verbessert und überarbeitet. Im Modelljahr 1959 kamen beispielsweise geänderte Stoßfänger zum Einsatz und bis dato verbaute Winker wurden in den 60er-Jahren durch Blinker ersetzt. Darüber hinaus wurde die Heckklappe mit der Zeit breiter und bekam ein größeres Fenster; statt der Doppelflügel-Laderaumtür konnte optional eine praktische Schiebetür geordert werden. Apropos Laderaum: Dieser ist im Bulli 4,6 Kubikmeter groß. Der VW T1 früherer Baujahre kann eine Nutzlast von 750 Kilogramm tragen. Im Laufe der Zeit wurde die Nutzlast dank eines verstärkten Chassis auf eine Tonne erhöht.

Mit ein wenig Glück lässt sich ein gut erhaltenes und fahrbereites Liebhaberfahrzeug auf dem Gebrauchtwagenmarkt finden. Ist der VW T1 als Gebrauchtwagen mit einem Originalmotor bestückt, kann es sich nur um einen Vierzylinder-Boxermotor handeln, welcher den T1 vom Heck aus antreibt und an eine Viergang-Mittelschaltung gekoppelt ist. Modelle der ersten Baujahre wurden mit einem 1,1-l-Benzinmotor ausgestattet, welcher 25 PS leistete. Damit erreichte der Bulli eine Höchstgeschwindigkeit von gerade mal 85 km/h. Später kam ein 1,2-l-Benziner mit anfangs 30 und ab der 60er-Jahre mit 34 PS, der den T1 auf 90 respektive 95 km/h beschleunigte. Erst ab 1963 wurde der VW T1 mit einem 1,5-l-Boxermotor mit 42 PS ausgestattet, mit dem der Bus endlich die 100-km/h-Grenze durchbrach und sogar auf 105 km/h beschleunigen konnte. Zwei Jahre später wurde die Motorleistung auf 44 PS angehoben und damit auch eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h ermöglicht.

VW T1: Als Gebrauchtwagen in mehreren Karosserievarianten erhältlich

Grundsätzlich kann der VW T1 als Gebrauchtwagen in Form eines Kastenwagens, eines Kombis und eines Kleinbusses anzutreffen sein. Neben dem Kastenwagen konnte der T1 ab 1951 als Neuwagen in Form eines Pritschenwagens geordert werden. Dieser kam zunächst mit einem dreisitzigen Fahrerhaus und wurde ab 1959 sogar mit sechs Sitzplätzen angeboten. Als Pritschenwagen war der VW T1 sehr erfolgreich und ist noch heute als Gebrauchtwagen zu finden. Ein weiterer T1-Sprößling ist das Sondermodell Samba mit 9 Sitzplätzen und 21 bzw. 23 Fenstern. Diese Variante unterscheidet sich bereits optisch durch Chromelemente wie Radkappen und das VW-Emblem an der Front vom Standard-T1. Zudem wird die zweifarbige Lackierung des Samba durch Chromleisten betont, und zwar an der Stelle, wo die beiden Farben aufeinandertreffen. Im Vergleich zum Serienmodell kommt der VW T1 Samba mit einer umfangreichen Serienausstattung daher, die z. B. ein Röhrenradio und ein Faltschiebedach über dem Passagierbereich umfasst. Als Gebrauchtwagen ist der T1 Samba rar und wird heute zu Preisen von mindestens 75.000 Euro gehandelt. Nicht selten sind auch sechsstellige Kaufbeträge, die verlangt werden.

VW T1
Produktionszeitraum1950–1967
Preis (Gebrauchtwagen)ab 6.900 €
Höchstgeschwindigkeit85–110 km/h
0–100 km/hk. A.
Verbrauch (kombiniert)9,7–9,0 l/100 km
CO₂k. A.
Zylinder4
Hubraum1.131–1.493 cm³
Leistung (kW/PS bei U/min.)18,4–32,3/25–44 PS bei 3.300–4.000
Drehmoment (Nm bei U/min.)67–102 bei 2.000–2.200
Maße (L x B x H)4.280–4.290 mm x 1.750–1.800 mm x 1.920–1.940 mm
AntriebHeck
Tankinhalt40 l
TreibstoffBenzin
Leergewicht890–1.140 kg
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem »Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen« entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.
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