Das Abwracken feiert ein Comeback

Hersteller ziehen sich mit Konjunkturprogramm aus der Affäre
Die Automobilkonzerne winden sich durch ein Rabattprogramm geschickt aus der Affäre.
Die Automobilkonzerne winden sich durch ein Rabattprogramm geschickt aus der Affäre.
frederick
Einleitung von Fredereick Petkovski, Redakteur bei PKW.de 14.08.2017

Eigentlich sind Rabatte beim Autokauf immer ein Grund zur Freude, doch die neueren Prämienzahlungen haben auch eine Schattenseite. Zwar können Verbraucher beim Kauf eines Neuwagens kräftig sparen, doch bedienen sich VW, BMW und Co. eines klugen Schachzugs, um gestärkt aus den Diesel- und Kartellskandalen zu gehen. PKW.de liefert detaillierte Informationen rund um die Prämien bei Neuanschaffung.

Mit Kaufanreizen aus der Krise – Alte Diesel werden verschrottet

Nach den fortlaufenden Enthüllungen rund um den Betrug bei Dieselmotoren trafen sich die Konzernchefs der größten Autohersteller und Politiker der höchsten Ebenen kürzlich zu einem Krisengipfel. Der für Verbraucher und Umweltschützer weniger zufriedenstellende Ausgang dürfte inzwischen allgemein geläufig sein. Während nur bei neueren Dieselmodellen ein umstrittenes Softwareupdate vorgenommen wird, bieten VW, BMW und Co. bei etwas älteren Selbstzündern nur einen „Umweltbonus“ bei Kauf eines Neuwagens. Eine besonders clevere Taktik der Konzerne, die sich ohne große Sanktionen aus der Affäre ziehen und mit dem Konjunkturprogramm sogar ihren Umsatz weiter ankurbeln können. Aufgrund eventuell drohender Fahrverbote für ältere Dieselmodelle ist mit einem großen Anklang der Aktion zu rechnen.

Diese Hersteller bieten Prämien an

Kritik am Geschäftsmotiv hin oder her – wer einen der betroffenen Diesel fährt und sich ein neues Modell zulegen will, hat nun die Chance, bis Ende 2017 für eine satte Ermäßigung einen Neuwagen beim Händler zu erstehen. An der Aktion sind viele große Konzerne beteiligt: Allein die Volkswagen AG ist samt Stammmarke inklusive der Nutzfahrzeug-Sparte und der Tochterkonzerne Porsche, Seat, Skoda und Audi mit fünf Herstellern an der Aktion beteiligt. Bei der VW-Group gibt es auch durchschnittlich die höchsten Boni, war der ehemals größte Pkw-Hersteller doch am stärksten in die Abgasmanipulationen verstrickt. Aber auch BMW, Daimler, Ford, Toyota, Opel und Renault beteiligen sich an der „Umweltaktion“. Die Prämien schwanken dabei je nach Hersteller und sind abhängig vom neuen Modell. Während es bei Mercedes nur vergleichsweise geringe 2.000 Euro gibt, bietet der VW-Konzern mit bis zu 10.000 Euro einen erheblich größeren Nachlass.

Bedingungen variieren zwischen den Anbietern. E-Auto-Käufer profitieren doppelt

Je nach Hersteller variieren auch die Rahmenvoraussetzungen der Abwrackaktion. Die meisten Modelle müssen zwischen den Abgasnormen eins bis vier variieren und mindestens bereits seit sechs Monaten auf den Halter zugelassen sein, um im Rahmen der Rabattaktion eingetauscht werden zu können. Bei BMW sind es sogar ganze zwölf Monate. Sich jetzt noch schnell einen günstigen Alt-Diesel zuzulegen und auf eine satte Prämie zu hoffen, ist also nicht möglich. Ford begrenzt seine Aktion zudem auf Modelle mit Erstzulassung bis spätestens 2006.

Die meisten Händler übernehmen gleich die Verschrottung des Altfahrzeugs. Audi ist hier jedoch die Ausnahme: Die Ingolstädter verlangen bis maximal einen Monat nach Neukauf die Vorlage eines Verschrottungsbelegs eines zertifizierten Verwerters. Äußerst unpraktisch für Kunden, die sich vorher lieber genauestens informieren sollten. Zudem muss beachtet werden, dass Ford und VW die Prämien für die Verschrottung auszahlen und keinen Wertausgleich leisten. Bei BMW und Toyota kann das Fahrzeug dagegen in Zahlung gegeben werden. Am kräftigsten können Kunden sparen, die sich nun einen Elektro-Pkw zulegen möchten, da diese nicht nur die Umweltprämie, sondern auch die staatliche Prämie für E-Autos von bis zu 4.000 Euro bekommen.

Die Boni für die einzelnen Diesel nach Hersteller im Überblick (gültig für Modelle mit Abgasnorm zwischen 1 bis 4). Die Prämie orientiert sich am neuen Modell der Abgasnorm 6:

VW
ModellPrämie brutto (Euro)
up!2.000
Polo2.000
Golf, Golf Sportsvan, Golf Variant, Tiguan, Tiguan Allspace, Beetle Cabrio5.000
Touran6.000
Passat Lim./Variant, Arteon, Sharan8.000
Touareg10.000
Zusatzboni:
Erdgas1.000
Hybrid1.785
Elektro2.380
VW Nutzfahrzeuge
Caddy Benzin, Diesel 4.000
Caddy Erdgas CNG5.000
Transporter Kombi6.000
Caravelle7.000
Multivan10.000
AusnahmenSondermodell „Generation SIX“, Multivan Conceptline, Caddy Conceptline und California
Porsche
modellunabhängig 5.000
SEAT
Mii1.750
Ibiza (neu) 3.000
Leon, Toldeo5.000
Alhambra8.000
Skoda
Citigo 1.750
Fabia3.000
Rapid3.500
Yeti4.000
Oktavia, Superb5.000
Audi
A1, Q2 3.000
A3, Q3, TT5.000
Q56.000
A4, A58.500
A6, A7, A8, Q710.000
Daimler
Sämtliche Mercedes-Modelle (Diesel, Plug-in-Hybrid)2.000
Smart Electric Drive1.000
Q56.000
A4, A58.500
A6, A7, A8, Q710.000
BMW
Neuwagen bis maximal 130 gCO2/km 2.000
Toyota
Eintausch eines Diesels bei Neukauf eines Toyota Hybrids2.000 + 2.000 Hybridprämie
Renault
Twingo2.000
Clio2.500
Kangoo3.000
Captur3.500
Koleos, Kadjar, Scenic, Megane 5.000
Talisman6.000
Espace7.000
Ford
KA+1.750
Fiesta, Torneo Courier 4.000
Torneo Connect4.500
Focus, EcoSport5.000
B-MAX, C-MAX5.500
Grand C-MAX6.000
Kuga6.500
Mondeo, S-MAX, Galaxy7.000
Edge, Mondeo Hybrid8.000
Opel
Karl1.750
Insignia 7.000

Alle Angaben ohne Gewähr.

(Bildmaterial: ©Volkswagen AG)


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