Die Autobahn: Quer durchs Land seit mehr als 100 Jahren

Autobahnen werden oft als Erfindung der Nazis beschrieben. Das ist aber nur die halbe Wahrheit
13.000 Kilometer Autobahnen gibt es in Deutschland
Seit über 100 Jahren verbindet die Autobahn deutsche Städte miteinander und mit Europa
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 10.05.2017

Es gibt nicht viel, wofür die Welt Deutschland beneiden könnte. Hauptsächlich geht es dabei um Bier und Industrieexporte. Und natürlich die letzten freien Autobahnkilometer der Welt. Aus aller Herren Länder kommen immer wieder Autofans nach Deutschland, um auf der A7 wenigstens einmal legal die 120 km/h überschreiten zu können. Hierzulande hat die Autobahn allerdings immer noch einen faden Beigeschmack: Als Vermächtnis des Nationalsozialismus wird das deutsche Straßennetz oft beschrieben. Nicht ganz falsch, aber die Wahrheit ist, wie so oft, komplexer als es scheint.

Die Autobahn begann als Rennstrecke

Die Autobahn ist tatsächlich eine deutsche Erfindung. Das Ziel der ersten Straße, die nur für Kraftfahrzeuge zugelassen war, lag allerdings nicht im Transport von Waren oder Personen: Motorsportveranstaltungen hatten hierzulande nicht immer den guten Ruf, den sie heute genießen. Unfälle, fehlende Infrastruktur und ganz einfach ein Mangel geeigneter Strecken machten den Bau einer dedizierten Autostraße für Rennveranstaltungen notwendig. Die Pläne für die Straße, die heute oft als die erste Autobahn beschrieben wird, stammen noch aus dem späten 19. Jahrhundert. Der Grundstein für die Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße, kurz AVUS, wurde im Jahr 1913 gelegt, der Bau konnte aber, bedingt durch die Ressourcenknappheit im Ersten Weltkrieg, erst 1921 fertiggestellt werden.

Todesfalle Autobahn?

Eine Fahrt auf der AVUS war, selbst für damalige Verhältnisse, ein abenteuerliches Unterfangen. Zwei acht Kilometer lange Geraden wurden von zwei engen Haarnadelkurven verbunden. Besonders die nördliche Kurve hatte es in sich: Die enge Steilkurve war mit einer Neigung von 43 Grad eine echte Todesfalle für unaufmerksame Rennfahrer. Eine obere Begrenzung fehlte komplett. Wer also zu spät bremste, hatte für einige Sekunden einen beeindruckenden Ausblick über Berlin, nur um wenig später im brennenden Wrack seines Fahrzeugs ein tragisches Ende zu finden. Die AVUS war für den öffentlichen Verkehr nicht zugänglich. Viel mehr wurde, ähnlich wie heute beim Nürburgring, eine Einfahrtsgebühr von stattlichen 10 Mark erhoben.

Der Veritas Meteor sollte 1952 das Avusrennen gewinnen. Der erhoffte Erfolg blieb aber aus. Sergey Kohl / <a href='http://www.shutterstock.com>Shutterstock.com</a>
Der Veritas Meteor sollte 1952 das Avusrennen gewinnen. Der erhoffte Erfolg blieb aber aus. Sergey Kohl /