Beach Buggys: Was so alles aus dem Käfer werden kann

Beach Buggys sind die idealen Spaßautos – und fast ausgestorben.
Der klassische Beach Buggy
Sonne, Strand und ein paar PS. Dafür stehen Beach Buggys. Yellowj / Shutterstock.com
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 02.03.2018

1964. Während die USA sich noch im Krieg mit Vietnam befinden und die Hippiebewegung für Freiheit, Gerechtigkeit und vor allem für freie Liebe eintritt, regt sich an der amerikanischen Westküste etwas. Die aufblühende Surferkultur entdeckt die langen Sandstrände für sich, und bald bleibt kaum eine Welle vor Los Angeles ungeritten. Wie jede neue Subkultur bringen auch die Surfer ihre ganz eigenen Symbole, Verhaltensweisen und natürlich Fahrzeuge mit sich. Allerdings verschwand der Beach Buggy so schnell wieder von der Bildfläche, wie er aufgetaucht war. Woher kam der Buggy, und, viel wichtiger, wohin ging er? Die Antworten hat natürlich PKW.de.

Der Meyers Manx: Am Anfang war der Käfer

Die meisten Autos fühlen sich auf Sand ziemlich unwohl. Schwere Metallkarossen versinken einfach, und ein allzu schwerer Gasfuß sorgt schnell dafür, dass sich die Reifen immer tiefer eingraben. Es ist fast schon komisch, wie gut sich ein deutsches Wahrzeichen für diesen Untergrund eignet: Der VW Käfer war leicht genug, um selbst auf dem feinsten Sand noch vorwärts zu kommen, und der Motor, der fast schon negative Leistungswerte entwickelte, war anämisch genug, um auch die grobschlächtigsten Anfahrversuche zu verzeihen. Allerdings wollte das Image des deutschen Klassikers so gar nicht zur neuen, coolen Surferkultur passen. Zu verstaubt, zu deutsch war der Käfer. Das meinte auch der Bootsbauer, Künstler und Surfer Bruce Meyers und mit einer Säge und viel Plastik verwandelte er den Käfer in das, was wir heute als Beach Buggy kennen.

Beach Buggys: Unpraktisch, aber so, so cool

Der VW Käfer eignet sich wie kaum ein anderes Auto für umfassende Modifikationen. Die Karosserie lässt sich einfach vom Rest des Wagens trennen und dank Luftkühlung müssen auch keine Kühlsysteme verlegt oder gewartet werden. Der kleine Motor passt in jede Hosentasche und das Fahrwerk ist robuster, als man denkt. Tatsächlich war der kleine VW zu seiner Zeit eines der geländegängigsten Fahrzeuge auf dem Markt, wenn man von Modellen mit Allradantrieb absieht. Meyers bearbeitete also einen Käfer mit einer Säge, entwickelte eine neue, noch leichtere Karosserie aus Glasfaser und Plastik und verkaufte das Ganze unter dem Namen Meyers Manx. Der Beach Buggy war in jeder Hinsicht die Antithese zu seiner Basis: Er war winzig, unpraktisch, schnell und vor allem ein Auto, das man zum Spaß fuhr. Bei Wüstenrennen fuhren die Manxs bald ganz vorne mit und jeder reichere Surfer, der etwas auf sich hielt, musste einen Buggy fahren.

In der Wüste, am Meer und überall dazwischen

Die so genannten 'Sand Rails' sind die härtesten Beach Buggys. LongJon / <a href='http://www.shutterstock.com/'>Shutterstock.com</a>
Die so genannten 'Sand Rails' sind die härtesten Beach Buggys. LongJon / Shutterstock.com

In den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickelten die kleinen Strand- und Wüstenfahrzeuge eine Gefolgschaft, die fast an einen Kult erinnerte. Die reduzierten, spartanischen Fahrzeuge wurden zu echten Rallyemonstern, die zuerst mit Boxermotoren aus kleineren Porsches und später sogar mit V8-Motoren von Chevrolet oder Ford vollgestopft wurden. Diese Fahrzeuge waren für den täglichen Gebrauch natürlich vollkommen unnötig, aber das hielt niemanden davon ab, es trotzdem zu versuchen. Neben Meyers verkauften eine Vielzahl anderer Firmen mehr oder weniger professionell gefertigte Kitcars in allen Formen und Farben. Der Beach Buggy war das ideale Fahrzeug für die Freizeit.

Der Beachbuggy stirbt aus

Aber natürlich konnte die große Buggyparty nicht ewig weitergehen. Denn der Gesetzgeber und oberste Spielverderber kam irgendwann auf die Idee, dass Auto fahren ziemlich gefährlich sein kann. Sicherheitsgurte wurden Pflicht, genau wie Knautschzonen und das Bestehen von Crashtests. Da ein VW Käfer aus Hartplastik zerbröselt wie ein nasser Keks, wenn man ihn nur schräg anguckt, wurde der Betrieb der Meyers Manx und ähnlicher Modelle bald verboten. So waren Buggys zwar in der Öffentlichkeit kaum zu sehen, sind aber nie ganz aus der Populärkultur verschwunden. In Filmen, Spielen und Serien sieht man sie heute noch, und nicht nur in Kalifornien gibt es immer noch einige hundert Beach Buggys. Heute sind die meisten Strände für Privatfahrzeuge gesperrt und die gute alte Spritztour hat etwas Verbotenes, etwas Verschwenderisches. Kein gutes Klima für ein Fahrzeug, das nun wirklich gar nicht nützlich, aber dafür so, so spaßig ist.

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