Begleitetes Fahren: Autofahrer sollen noch jünger werden

Was Minderjährige tun müssen, um ans Steuer zu dürfen
Bgleitetes Fahren
Autofahrer werden immer jünger. Aber nur in Begleitung eines erfahrenen Fahrers. wavebreakmedia / shutterstock.com
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 04.10.2018

Sind Sie in den letzten Jahren mal einem Teenager begegnet? Diese besondere Spezies, offenbar mit dem Smartphone verwachsen, oft nicht ganz aufmerksam und so tief im Strom der Information versunken, dass ältere Hirne schon lange den Dienst quittiert hätten? Und können Sie sich vorstellen, dass in manchen Ecken der Welt schon Vierzehnjährige ans Steuer dürfen? Was in Amerika ganz selbstverständlich ist, kommt uns hierzulande immer noch ein wenig merkwürdig vor. Dabei gibt es auch in Deutschland seit mehr als 10 Jahren Regelungen, nach denen man schon mit 16 Jahren an Fahrstunden teilnehmen darf. Das Begleitete Fahren ab 17 Jahren war eine kontroverse Entscheidung. Hat sie sich bewährt? Welche Regeln müssen minderjährige Fahrer einhalten? PKW.de hat die Antworten.

Begleitetes Fahren wurde zuerst im Norden eingeführt

Auto verkaufen? Wir nehmen’s.

Die ersten Versuche, eine Regelung zum Begleiteten Fahren zur Realität zu machen, wurden bereits 2004 in Niedersachsen gestartet. Besonders in den ländlichen Gebieten Ostfrieslands ist man mehr auf das Auto angewiesen als in den Städten. Wenn nur ein Bus fährt, und auch nur dann, wenn gerade kein Rinderherde die Landstraße überquert, ist das Auto ein echter Segen. Trotzdem waren die Regelungen zunächst noch strenger als heute. So durften zum Beispiel nur erziehungsberechtigte Personen als Begleitpersonen eingetragen werden. Um eine aussagekräftige Statistik über das Pilotprojekt erhalten zu können, mussten Fahranfänger außerdem einer Auswertung ihrer Daten zustimmen. Was vorerst von vielen belächelt wurde, sollte sich rein statistisch aber als voller Erfolg herausstellen. So haben Fahranfänger nach der Begleitphase fast 30 Prozent weniger Unfälle verursacht und begingen mehr als 20 Prozent weniger Verkehrsverstöße.

Wer darf einen jungen Fahrer begleiten?

Seit 2005 gibt es für Fahranfänger auch auf Bundesebene die Möglichkeit zum Begleiteten Fahren ab 17. Was zuerst nur ein Gesetzesentwurf und später eine sogenannte befristete bundeseinheitliche Regelung, wurde 2010 zum Gesetz. So dürfen Fahrschüler mittlerweile schon mit 16 an Fahrstunden teilnehmen und mit 17 selbst ans Steuer, so lange eine eingetragene Begleitperson auf dem Beifahrersitz sitzt.

Allerdings darf nicht jeder einfach so als Begleitperson mitfahren. Um die Vorteile der Regelung nutzen zu können, sollte nicht einfach der große Bruder, der seinen Führerschein wegen Verkehrsverstößen verloren hat, als Begleitperson eingetragen werden. Jeder, der einen minderjährigen Fahranfänger beaufsichtigen will, muss mindestens 30 Jahre alt sein und seit mindestens 5 Jahren im Besitz eines Führerscheins der Klasse B bzw. Klasse 3 sein. Allerdings dient sie nur der Beaufsichtigung und darf auf keinen Fall ins Lenkrad greifen oder sonst irgendwie die Führung des Fahrzeuges beeinflussen. Die Zahl der eingetragenen Begleitpersonen ist übrigens nicht beschränkt.

Wer als Fahranfänger ohne Begleitperson fährt, macht sich zwar nicht des Fahrens ohne Fahrerlaubnis schuldig, ein Bußgeld in Höhe von 70 Euro und ein Punkt in Flensburg ist aber trotzdem fällig. Außerdem wird die vorläufige Fahrerlaubnis entzogen und darf erst nach einem Aufbauseminar wieder erteilt werden. Wer fährt, ohne die Prüfungsbescheinigung mit sich zu führen, wird mit 10 Euro zur Kasse gebeten.

Begleitetes Fahren bald auch im Lkw?

Wie geht es weiter mit dem Begleiteten Fahren? Auf EU-Ebene wird momentan diskutiert, das Mindestalter fürs Fahren auf 16 Jahre zu senken. Damit wären Minderjährige in den USA und Europa zumindest beim Autofahren auf einer Höhe. Der deutsche Verkehrssicherheitsrat geht sogar noch einen Schritt weiter: So soll das Begleitete Fahren sogar für Lkw möglich gemacht werden. Die Idee dahinter: Eine frühe, duale Ausbildung zum Kraftfahrer soll einfacher gemacht und junge Lkw-Fahrer besser auf den Berufsalltag vorbereitet werden.

Begleitetes Fahren funktioniert

Auto verkaufen? Wir nehmen’s.

Das Begleitete Fahren ab 17 hat sich durchgesetzt und letzten Endes bewährt. Auch wenn die Regelung anfänglich belächelt wurde, trägt sie doch zu einem sichereren Straßenverkehr bei. Allerdings sollte man weder als junger Fahrer noch als Begleitperson die Regeln allzu liberal auslegen. Wer sich an die Gesetze hält und ein wenig gesunden Menschenverstand mitbringt, wird so aber zu einem besseren Autofahrer.


Weitere Artikel zu diesem Thema