Benzinpreis – So funktioniert's

Die Kosten für Benzin schwanken teilweise extrem. Wie kommt der Benzinpreis zustande?
Der eiwge Preiskampf um das Öl.
Der Ölpreis hat großen Einfluss auf das tägliche Leben überall auf der Erde. Er beeinflusst unter anderem den Benzinpreis. sdecoret / shutterstock.com
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 12.01.2018

Kaum eine Zahl wird so oft als Indikator für die aktuelle Lage auf der Welt herangezogen wie der Benzinpreis. Und es ist ja auch kein Wunder: Wenn der Sprit günstiger ist, wird mehr gereist, die Menschen fahren lieber weitere Strecken und kommen auch dann zur Arbeit, wenn der Nahverkehr einmal lahm liegt. Auf der anderen Seite treibt ein hoher Benzinpreis zum Beispiel die Transportkosten von Waren in die Höhe. Es wird dann weniger verkauft und die Wirtschaftsleistung sinkt. Wir sind vom Benzinpreis also so abhängig wie von kaum einer anderen Zahl. Warum schwankt ausgerechnet dieser wichtige Indikator teilweise um mehr als 30 Prozentpunkte am Tag? Die Schnittchenholer vom PKW.de-Institut für Wirtschaft und Heckspoilerkunde haben sich der Frage angenommen und erklären, wie der Benzinpreis zustande kommt.

Benzinpreis = Ölpreis?

Mittlerweile weiß jeder, dass Benzin und Diesel aus Erdöl gewonnen werden. Für jeden Liter Benzin, der am Ende im Auto landet, müssen etwa vier Liter Rohöl gefördert werden. Weltweit werden jedes Jahr etwa 5,5 Billionen Liter Öl verbraucht, Tendenz: steigend. Das ist ungefähr das Volumen des Starnberger Sees und des Chiemsees zusammen. Vom Bohrloch geht es dann entweder über Pipelines, also lange Rohre, in denen sich Flüssigkeiten über Tausende Kilometer transportieren lassen, oder auf Schiffen in die Raffinerien. Hier wird das Rohöl gereinigt und so lange erhitzt, bis es verdampft. Die einzelnen Bestandteile werden aufgefangen und gekühlt, bis sie wieder flüssig werden. Heraus kommen, neben Benzin, auch noch Diesel, Kerosin, Heizöl und andere Stoffe, die von der Chemieindustrie weiterverarbeitet werden. Das Benzin wird jetzt noch veredelt, damit es den Motor nicht beschädigt. Bis jetzt hat der Liter Benzin teilweise schon 20.000 Kilometer in Pipelines oder im Bauch von Schiffen zurückgelegt, aber wirklich teuer ist er noch nicht geworden: Um die 45 Cent kostet ein Liter Benzin im Großhandel, bevor er an der Tankstelle landet.

Wie der Benzinpreis von den Steuern abhängt

Wirklich teuer wird es erst jetzt, denn der Staat genehmigt sich ein großes Stück vom Kuchen: Die Energiesteuer beträgt in Deutschland 65,45 Cent je Liter Superbenzin. Dazu kommt die Mehrwertsteuer, und schon liegt der Benzinpreis an der Zapfsäule bei 131,4 Cent. Soweit, so gut. Warum aber bezahlt man als Autofahrer teilweise deutlich mehr? Die Benzinpreisschwankungen hängen von extrem vielen, sehr komplexen Faktoren ab. Nirgends spürt man die Auswirkungen weltpolitischer Ereignisse so sehr wie an der Tankstelle und auch Naturkatastrophen können den Preis nach oben treiben.

Die Abhängigkeit vom Erdöl

Denn ein großer Teil unseres Erdöls kommt aus Gebieten, in denen kein normaler Mensch Urlaub machen würde. So idyllische Orte wie Libyen, der Irak und Nigeria gehören zur OPEC, der Vereinigung der Erdölexporteure. Es sind eben diese Staaten, die zu einem Großteil das Angebot, und damit den Preis von Benzin, regeln. Wenn in diesen Regionen mal wieder ein Despot gestürzt wird, kann ganz nebenbei auch mal ein Ölfeld Feuer fangen. Die Ölkonzerne bekommen dann weniger Rohmaterial und müssen ihre Produkte teurer verkaufen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Für Naturkatastrophen gilt Ähnliches: Als Hurricane Katrina 2005 den Golf von Mexico verwüstete, brach die Benzinproduktion in den USA dramatisch ein und der Benzinpreis stieg auf ein Rekordhoch.

Hohe Benzinpreise entstehen, weil sie bezahlt werden

Der wichtigste Grund für die stark schwankenden Benzinpreise liegt aber nicht im fernen Ausland, sondern an der heimischen Zapfsäule: Die Ölkonzerne wissen ganz genau, was sie mit sich machen lassen. In der Nacht, wenn es keiner sieht, drehen die Tankstellen die Preise hoch, um sie dann im Laufe des Tages immer weiter fallen zu lassen. Morgendliches tanken ist also mit einem heftigen Zuschlag verbunden. Auch an Feiertagen wird das Benzin teurer und tatsächlich kann es sein, dass die Manager der Konzerne ab und zu der Meinung sind, einen saftigen Bonus verdient zu haben. Auch dann können die Benzinpreise dramatisch in die Höhe schnellen. Die Entwicklung für die nächsten Jahre lässt sich aber kaum vorhersagen: Zwar versucht alle Welt fieberhaft, sich vom Öl zu lösen, aber bis es soweit ist, werden noch viele Milliarden Barrel Öl verbraucht werden. Hoffentlich klappt das mit dem Elektroauto schnell.


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