Chinesische Automarken: Es regt sich was in Fernost

China strebt nach dem weltweiten Automarkt
China Autoindustrie ist auf dem Weg nach oben.
China wird Mobil. Mittlerweile auch mit den eigenen Fahrzeugen. testing / Shutterstock.com
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 13.07.2018

Es ist Zeit, die Wahrheit zu akzeptieren: In fast allem sind die Chinesen besser als wir. Egal, was wir anfangen, im Fernen Osten geht es effizienter, schneller und günstiger. Die letzte Hochburg echter deutscher Qualität war die Automobilindustrie, aber auch hier holt die Konkurrenz rasant auf. Bis vor einigen Jahrzehnten wurden in China kaum Autos produziert, mittlerweile rücken die Konkurrenten von Geely, Great Wall und Co. rasant zu den westlichen Herstellern auf und drohen mittlerweile sogar, sie einfach zu überholen. Was hat es auf sich mit den chinesischen Automarken, und sollten wir jetzt schon alle Autos aus China kaufen? PKW.de hat die Antworten.

Chinesische Automarken fluten den asiatischen Markt

Autos aus Asien sind schon lange auch international beliebt. Toyota aus Japan baut extrem robuste Autos und ist Vorreiter in der Entwicklung von Hybridtechnologien, Kia aus Südkorea ist weniger für Zuverlässigkeit, dafür aber für günstige Autos bekannt. Ausgerechnet aus China, dem produktionsstärksten Land Asiens, kamen bis vor ein paar Jahren aber nur wenige automotive Eigenentwicklungen. Mittlerweile produziert China mehr Autos als die USA, Japan und Deutschland zusammen. Von 500.000 Autos pro Jahr zu mehr als 29 Millionen in weniger als 30 Jahren. Das ist die Erfolgsgeschichte der chinesischen Automarken.

Chinas Autobauer und die Probleme des Sozialismus

China ist, zumindest auf dem Papier, noch immer ein sozialistisches Land, das von einer einzigen Partei regiert wird. Ganz im Sinne des Sozialismus war persönlicher Besitz kein besonders hohes Gut, zumindest für den armen Großteil der Bevölkerung. Aber die Probleme dieses Systems wurden auch in China immer größer und bald erkannte man das Auto als den Heilsbringer für die wirtschaftlichen Probleme. Der einfache Transport von Waren und Menschen kurbelte den Konsum und damit die Wirtschaft an. Ohne nennenswerte Autohersteller verließ sich die chinesische Bevölkerung größtenteils auf Importe, trotz Importzöllen von wahnsinnigen 260 Prozent.

Aufstieg chinesischer Automarken

Importe erzeugen früher oder später Handelsdefizite, darum mussten Autos aus eigener Produktion her. Der Zusammenbruch der Sowjetunion kam da gerade recht, denn die Automodelle, die nun niemand mehr fertigen wollte, waren für den chinesischen Markt genau die richtigen. Viele Hersteller, die für die Sowjets Militärfahrzeuge gebaut hatten, sahen das Ende ihres Kerngeschäftes und stellten die Produktion schnell auf Fahrzeuge für die immer größer und reicher werdende Zivilbevölkerung um.

Mit chinesischer Effektivität und nicht zuletzt mit Milliardenzuschüssen der Regierung begann der Aufstieg der chinesischen Automarken. Das Erfolgsrezept: Kopien. Auch in China sind deutsche Autos sehr beliebt, sie gelten besonders bei den reicheren Chinesen als Statussymbol. Darum begannen Hersteller wie Zotye oder Dongfeng damit, geschickte Kopien deutscher Luxuskarossen zu bauen. Die Kunst dabei ist, genug Details zu verändern, um nicht verklagt werden zu können. Porsche, Mercedes und Co. sind die Fastplagiate zwar ein Dorn im Auge, ein Ende hat das Kopieren deswegen aber nicht.

Chinesische Autos von Volvo und Lotus?

Zu den chinesischen Automarken zählen mittlerweile auch ein paar europäische Traditionsmarken. Nachdem Volvo unter der Führung von Ford am Rande des Ruins stand, kaufte Geely Motors aus China den schwedischen Autobauer. Seitdem geht es wieder aufwärts, Volvo macht Gewinne und baut Autos, die auf der ganzen Welt gerne gefahren werden. Dass auch Lotus in die Geely-Familie aufgenommen wurde macht da eigentlich nur Sinn, denn auch der britischen Sportwagenmanufaktur geht es schon seit einer Weile nicht besonders gut. Jetzt soll Geely es richten.

Chinesische Automarken machen VW und Co. Konkurrenz

Wie gut sind chinesische Autos? Überzeugen Sie sich selbst!

Ein bisschen müssen die chinesischen Automarken aber doch noch reifen, dann die meisten gibt es noch nicht besonders lange. Im ganzen Jahr 1985 wurden in China insgesamt 5200 Autos gebaut. Volkswagen hatte vier Jahre zuvor den 20-millionsten Käfer verkauft. Trotzdem legen die chinesischen Automarken seit Jahren einen Aufstieg hin, der seinesgleichen sucht. Zwar sind die meisten Modelle noch nicht mit ihren europäischen Pendants vergleichbar, aber es kann nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Great Wall, Fengdong und Co. sich auch hierzulande am Markt behaupten können. Dann müssen sich die europäischen Hersteller wirklich etwas einfallen lassen.

Neuer A-Klasse? Nein, das ist ein BAIC 301. testing / <a href='http://www.shutterstock.com'>Shutterstock.com</a>
Neuer A-Klasse? Nein, das ist ein BAIC 301. testing / Shutterstock.com
Kein Jeep. sondern ein Red Flag LS5. humphery / <a href='http://www.shutterstock.com'>Shutterstock.com</a>
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Ebenfalls kein Jeep. Das ist der chinesische BAIC B40. testing / <a href='http://www.shutterstock.com'>Shutterstock.com</a>
Ebenfalls kein Jeep. Das ist der chinesische BAIC B40. testing / Shutterstock.com
Selbst BMW ist vor den Chinesen nicht sicher. Dieser Brilliance V5 erinnert stark an den BMW X5. Brilliance Media.
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