28.09.2017

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Die neuesten Concept Cars der IAA: Was bringt die Zukunft?

Klare Strategien mit wenig Überraschungen
Egal welcher Hersteller: Bei den neuesten Prototypen ist der E-Antrieb quasi Pflichtprogramm.
Egal welcher Hersteller: Bei den neuesten Prototypen ist der E-Antrieb quasi Pflichtprogramm.
frederick
Einleitung von Fredereick Petkovski, Redakteur bei PKW.de 28.09.2017

Wirklich revolutionäre Ansätze blieben auf der IAA in Sachen Zukunft leider aus. Doch viele der vorgestellten Hersteller haben in Sachen Optik ihre Hausaufgaben gemacht, ist hier doch kein echter negativer Ausreißer zu erkennen. Bei der Technik gibt es keine Überraschungen, denn insbesondere die großen deutschen Produzenten setzen alles daran, den Rückstand beim E-Antrieb zu Tesla aufzuholen: Ohne Strom geht bei den Visionen von VW und Co. quasi nichts mehr, deren Reichweite und Alltagstauglichkeit in Zukunft noch drastisch steigen sollen. Auch das Thema der künstlichen Intelligenz steht immer mehr im Fokus, wodurch das autonome Fahren Stück für Stück Einzug in die Gegenwart hält.

Audis Doppeloffensive : Elaine und Aicon stellen künstliche Intelligenz in den Fokus

Ein wahres Roboterfahrzeug soll der Aicon werden, der dann Level 5 des autonomen Fahrens beherrschen soll und nur noch von außen an ein klassisches Auto erinnert. Im Inneren überrascht ein gänzlich neues Raumkonzept, das ohne klassisches Fahrercockpit auskommen muss. Mit seiner KI ist der Aicon außerdem immer aktiv und lernt ohne Unterbrechung dazu, wodurch er die Persönlichkeit des Fahrers kennenlernt. Bordcomputer Pia kann an eigene Vorlieben angepasst werden und soll zu einem Erholungskonzept vom stressigen Alltag werden. Audi-Chef Stadler bezeichnet den Aicon gar als eine Art persönlichen Kokon im täglichen Leben. Das gesamte Chassis wird dabei von einem umfassenden Digitalerlebnis geprägt. Ambitioniert will Audi seinen intelligenten Viertürer mit einer vollelektrischen Reichweite von 700 bis 800 Kilometern ausstatten. Wie das technisch umgesetzt werden soll, ist allerdings nicht bekannt. Dafür bleibt den Ingolstädtern jedoch auch noch ein wenig Zeit, denn derartige Fahrzeuge plant Audi ohnehin erst frühestens für 2030 ein.

Konventioneller geht’s dann beim Elaine zu, der als Weiterentwicklung des e-Tron Sportback-Concept schon in einigen Jahren startklar sein soll und einen weiteren großen Schritt in Richtung autonomes Fahren geht. Bis zu 130 km/h kann er mit Autonomielevel 4 durch den Verkehr steuern und übernimmt dabei pilotiert den Spurwechsel genauso wie Überholmanöver eigenständig. Zum Vergleich: Der neue Audi A8 kann je nach Ausstattung schon im Autonomielevel 3 unterwegs sein. Als kompaktes SUV-Coupé, das inzwischen ein Allheilmittel der Branche zu sein scheint, fährt der Elaine selbstverständlich auch gänzlich elektrisch. Zum Antrieb sind diesbezüglich jedoch noch keine weiteren Informationen bekannt.

Schon bald auf den Straßen unterwegs? Der Audi Elaine mit Autonomielevel 4.
Schon bald auf den Straßen unterwegs? Der Audi Elaine mit Autonomielevel 4.
Wie ein Raumschiff aus der Zukunft. Mit dem Aicon fährt man wohl jedoch erst ab 2030 durch die Gegend, bzw. lässt sich fahren.
Wie ein Raumschiff aus der Zukunft. Mit dem Aicon fährt man wohl jedoch erst ab 2030 durch die Gegend, bzw. lässt sich fahren.

Die Daimler Designsprache überzeugt: Der Mercedes Concept EQA

Der kompakte Mercedes Concept EQA soll das erste vollelektrische Pendant zur konventionellen A-Klasse werden. Zwei skalierbare Elektromotoren und eine Batterie mit 60 kW/h sorgen für einen permanenten Allradantrieb mit bis zu rund 270 PS und einer Reichweite von etwa 400 Kilometern. Dazu soll der EQ fähig sein, in etwa zehn Minuten Strom für 100 Kilometer zu tanken. Besonders gelungen ist aber vor allem die futuristische Formensprache. Cooles Highlight: Die Scheinwerfer und Rückleuchten begeistern mit 3D-Optik und der Kühlergrill wird virtuell projiziert. Im Hause Daimler scheint die Designinnovation so stimmig wie bei kaum einer anderen Marke vonstattenzugehen und tatsächlich schon auf mehr oder weniger massentauglichem Stand zu sein. In den kommenden Jahren sollen dann im Stile des EQA weitere Modelle aller Klassen vorgestellt werden. Für einen Paukenschlag sorgte dann jedoch die Ankündigung der Kleinwagen-Tochter Smart, die ab 2020 gar nur noch auf den Elektroantrieb setzen will. Eine wirklich ambitionierte Zielsetzung, doch als Stadtauto scheint der Kleinstwagen hier ein vielversprechendes Konzept zu bekommen. Zieht nun auch BMW mit dem Mini als Elektromarke nach?

Alle Infos zum Daimler Kracher AMG Project One gibt es übrigens hier.

Macht schon einen serientauglichen Eindruck: Der EQA mit 270 PS.
Macht schon einen serientauglichen Eindruck: Der EQA mit 270 PS.

Preiswertes Gran Coupé dank Produktionsumstellung: Der BMW i Vision Dynamics

Im Stile eines Gran Coupés stellt BMW den i-Vision-Dynamics vor, der, wie sollte es auch anders sein, ebenso rein elektrisch in die Zukunft manövriert. Die klare Formensprache der Bayerischen-Motorenwerke bleibt trotz zahlreicher markant-futuristischer-Akzente deutlich erkennbar und vermittelt die übliche Eleganz in einer gelungenen Understatement-Manier. Vielversprechend scheint vor allem die versprochene Reichweite von rund 600 Kilometern. Dabei soll der BMW im Stande sein Spitzengeschwindigkeiten jenseits der 200 Stundenkilometern zu erreichen. Zwar setzt BMW im Vergleich zu einigen anderen Kandidaten beim Vision Dynamics nicht auf den neuen SUV-Crossover-Trend, doch verpasst man es nicht, durch eine neue Baubasis ebenfalls auf den inzwischen deutlich größeren Radstand zu achten, der mehr Raum und Komfort im Inneren ermöglicht. Doch bis die Münchener Vision endgültig serientauglich wird, könnte es wohl noch einige Jahre dauern, denn um derartige Elektroreichweiten ohne Probleme zu bewältigen, muss zunächst der Rückstand in der Batterie-Technologie aufgeholt werden. Akkuzellen mit einer Kapazität von 100 kWh sind aktuell größentechnisch noch in keiner Weise vereinbar mit dem dynamisch geschwungenen Design. Ambitioniert ist auch die geplante Verkaufsstruktur zu Preisen ab etwa 50.000 Euro, die der Hersteller durch eine Umstellung seiner Produktionsweise ermöglichen will.

Die Hülle ist schon fertig, doch reingucken durfte man in BMWs Vision leider noch nicht.
Die Hülle ist schon fertig, doch reingucken durfte man in BMWs Vision leider noch nicht.

VW I.D. Crozz II: Ein Wolfsburger Model X?

Auch VW macht in Sachen Elektro jetzt so richtig Ernst. Mit den I.D.-Modellen gehen die Wolfsburger voll auf Zukunftsoffensive nach Marke Mainstream. Optisch erinnert VWs I.D. Crozz II als Coupé-SUV deutlich an Teslas Model X. Dazu soll ein kräftiger E-Antrieb mit 306 PS etwa 500 Kilometer Reichweite bieten. Mit einer Ladefähigkeit von 80 Prozent in 30 Minuten scheint der VW-Antrieb indes bereits durchaus mainstreamfähig. Als Alleinstellungsmerkmal setzt die VW-Group auf das Individualisierungsprogramm I.D., mit dem der Fahrer ein eigenes Nutzungsprofil erhält. Das sonst so typische VW-Interieur ist mit Einzelbestuhlung und feiner Polsterung sowie innovativem Cockpit indes nicht mehr wiederzuerkennen. Lange soll es auch nicht mehr dauern, bis der E-Volkswagen für die Masse kommt – Schon 2020 will man an den Start gehen. Da Volkswagen bereits kämpferisch neue Preisdimensionen rund um die 30.000-Euro-Grenze angekündigt hat, dürfte der I.D. wohl zu einem wahren Verkaufsschlager werden.

Ist das der neue VW Prototyp oder doch Teslas Model X?
Ist das der neue VW Prototyp oder doch Teslas Model X?

Britische Akkupower im Jaguar I-Pace

Wie bei nahezu allen anderen darf auch beim Jaguar-Konzept ein obligatorisches „I“ nicht fehlen, das ebenso für künstliche Intelligenz steht als auch auf das Individualisierungspotenzial verweisen soll. Der I-Pace liefert 700 Nm und starke 400 PS Leistung, mit denen es in vier Sekunden von null auf hundert gehen soll. Dazu soll es mit einer Akkuladung der Lithium-Ionen-Batterie mit etwa 90kWh über 500 Kilometer weit gehen. Stark: Diese soll in gut 90 Minuten zu 80 Prozent geladen werden können, sodass der E-Brite hier durchaus mit Tesla konkurrieren kann. Leider erinnert das Design dabei allzu sehr an die Exemplare Crozz und Model X.

Der erste vollelektrische Jaguar sieht zwar gut aus, hält sich mit großen Designinnovationen jedoch zurück.
Der erste vollelektrische Jaguar sieht zwar gut aus, hält sich mit großen Designinnovationen jedoch zurück.

Eine Chinese mit Bremer-Wurzeln: Die Isabella Studie von Borgward

Für einen echten Knaller dürfte dann jedoch das Comeback des tot geglaubten Borgwards gesorgt haben. Mit dem neuen Konzept Isabella läutet die ehemalige Kultmarke nun den Neustart in der Konzerngeschichte ein. Bis zum krachenden Konkurs 1961 war Borgward ein fest etablierter Pkw-Hersteller aus Bremen. Wegen eines bis heute viel diskutierten Krisenmanagements der Unternehmensführung ging Borgward mit Pauken und Trompeten unter, sodass nur die Zerschlagung des Unternehmens blieb. Doch seit 2005 unternehmen die jüngeren Generationen der ehemaligen Gründerfamilie Borgward Schritte, um die Marke wiederzubeleben. Die Markenrechte der ehemaligen Automobilgröße liegen dabei beim chinesischen Konzern Beiqi Foton Motor. Der Borgward BX7, ein klassisches SUV, wird bereits seit Mitte 2016 in China verkauft. Für 2019 ist zudem eine Rückkehr des Herstellers nach Bremen geplant. Die Isabella soll vor allem mit einer farbenfrohen Loungeatmosphäre im Inneren überzeugen. Wann und wie das Modell in Serie geht, steht jedoch noch in den Sternen, doch legt man sich natürlich schon jetzt auf den E-Antrieb fest.

Mit neuer Energie aus der Versenkung: Das Isabella Concept soll Borgward wieder aus der Versenkung holen.
Mit neuer Energie aus der Versenkung: Das Isabella Concept soll Borgward wieder aus der Versenkung holen.

Alle Angaben ohne Gewähr.

(Bildmaterial: ©Audi AG, ©Daimler AG, ©BMW-Group, ©VW-Group, ©Jaguar Land Rover, ©Borgward Group AG)


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