Die Formel 1 ist langweilig? Diese Rennserien machen mehr Spaß.

Fünf Rennserien gegen Formel-1-Müdigkeit
Formel 1 in der Sackgasse?
Festgefahren im Kiesbett der Langeweile. Diese Rennen sorgen wieder für Spannung im Motorsport. ZRyzner / Shutterstock.com
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 02.03.2018

Okay, irgendjemand muss es ja mal sagen: Die Formel 1 ist langweilig geworden. Unsympathische Despoten finanzieren unpersönliche, langweilige Rundfahrten auf konstruierten Strecken in den schönsten Diktaturen der Erde und zwischen den sogenannten Rennen tun die ganzen viel zu reichen Männer, was immer viel zu reiche Männer auch mit ihrer vielen Freizeit anfangen. Dass das auch anders geht, und dabei auch noch unterhaltsam sein kann, beweisen diese 5 Rennserien. Motorsport zwischen grenzdebil und hochprofessionell.

Chump Car: Rennaction für ein Taschengeld

Jedes Auto kann ein Rennwagen sein. champcar.org / <a href='http://www.shutterstock.com'>Shutterstock.com</a>
Jedes Auto kann ein Rennwagen sein. champcar.org / Shutterstock.com

Die rollende Antithese zur Formel 1. Ein Chump Car ist ein Auto, das nicht viel Geld kostet. Das kann ein Auto vom Schrottplatz sein oder ein altes Auto, das eben noch nicht ganz reif für die Presse ist. Spoiler aus Sperrholz? Klar, kein Problem. Einmal den anämischen Polo auf einer Rennstrecke über die Zielgerade prügeln? Aber natürlich. Alle „Chump Cars“ müssen über die übliche Sicherheitsausrüstung verfügen. Weil hier größtenteils Amateure mit wenig Rennerfahrung antreten, kommt es immer wieder zu kleineren Rangeleien auf der Strecke. Wie in den größeren Rennserien werden Regelverstöße aber auch hier mit Zeitstrafen oder der Disqualifikation geahndet. Wer in einem Chump Car-Rennen startet, sollte aber eine Menge Zeit mitbringen, denn gefahren werden ausschließlich Ausdauerrennen, die zwischen 8 und 24 Stunden dauern. PKW.de Chump Car Team?

FIA Eurotrucks: Elefantenrennen, reguliert

Das ist tatsächlich nicht die Autobahn am Freitagabend. EvrenKalinbacak / <a href='http://www.shutterstock.com/'>Shutterstock.com</a>
Das ist tatsächlich nicht die Autobahn am Freitagabend. EvrenKalinbacak / Shutterstock.com

Wenn es sich bewegt, kann man damit Rennen fahren. Das gilt nicht nur für Sumpfbuggies, sondern auch für Lkw. Wahrscheinlich entstand die Serie, weil die Lasterfahrer Manni und Kalle ihre Rivalitäten aus Rücksicht vor dem Rest der Welt von der A3 auf die Strecke verlegen wollten, aber mittlerweile erkennt sogar die internationale Motorsportorganisation FIA das sogenannte European Truck Racing als Disziplin an. Kaum eine Rennstrecke wird für Lkw gebaut worden sein, und die viel zu breiten und viel zu schweren Vehikel müssen sich oft mit nur wenigen Zentimetern Abstand aneinander vorbeidrängen. Ist das Unsinn? Natürlich. Gefährlich, laut und schlecht für die Umwelt? Allerdings. Wir lieben Eurotrucks!

Stadium Super Trucks: Zwischen Rally und Kunstflug

Staub und Metallkonfetti beim Super Truck Racing. Rodrigo Garrido / <a href='http://www.shutterstock.com/'>Shutterstock.com</a>
Staub und Metallkonfetti beim Super Truck Racing. Rodrigo Garrido / Shutterstock.com

Autos, die weit außerhalb ihrer Komfortzone bewegt werden, sorgen fast immer für die besseren Zuschauerrennen. Das dachte sich in einem Anflug fehlgeleiteter Brillanz wohl auch der Mensch, der die Stadium Super Trucks-Serie ins Leben rief. Das Rezept: Hardcore Offroad-Rennwagen auf glattem Asphalt. Ach ja, weil Geraden langweilig sind, stehen Sprungschanzen auf der Strecke. Mit einer Runde Stadium Super Trucks hätte der ADAC ein Jahr lang zu tun. Verlorene Teile, Überschläge und diverse andere Unfälle sind mehr die Regel als die Ausnahme und gehören zum guten Ton wie die Prügeleien bei Eishockeyspielen. Es ist ein fast schon morbider Genuss, den überzüchteten Bolliden zuzusehen.

DTM: Die deutsche Rennsportinstitution

Wie die Formel 1, aber cooler: Die deutsche Tourenwagen-Meisterschaft. Mikhail Kolesnikov / <a href='http://www.shutterstock.com/'>Shutterstock.com</a>
Wie die Formel 1, aber cooler: Die deutsche Tourenwagen-Meisterschaft. Mikhail Kolesnikov / Shutterstock.com

Über die deutsche Tourenwagen-Meisterschaft muss man im Grunde nicht mehr viel sagen. Für viele ist die DTM ganz einfach der coolere Cousin der Formel 1. 18 Fahrer treten hier in serien“nahen“ Rennwagen gegeneinander an. Die DTM gastiert mittlerweile auf Rennstrecken auf der ganzen Welt und natürlich gibt es zwischen den Rennen immer wieder Showevents mit Rennprominenz aus allen Serien. Was die DTM von der Formel 1 unterscheidet, ist vor allem eine strengere Kostenbegrenzung: Acht Fahrer eines Teams müssen sich neun Motoren pro Saison teilen. In der Formel 1 sind es acht Motoren. Pro Fahrer. Die DTM sorgt also immer wieder für spannende Rennen in Autos, die zwar kompetitiv, aber nicht genau gleich sind. Das erzeugt immer wieder Spannung.

Formel E: The Future is now

Leise, nicht ganz so schnell, aber innovativer als die Formel 1: Das ist Formel E. dswinograd / <a href='http://www.shutterstock.com/'>Shutterstock.com</a>
Leise, nicht ganz so schnell, aber innovativer als die Formel 1: Das ist Formel E. dswinograd / Shutterstock.com

Das Elektroauto kommt. Und zwar auch auf die Rennstrecke. Mit einer modernen Ausrichtung und engen Stadtkursen zieht seit einigen Jahren die Formel E um den Globus. Die Elektroautos erinnern entfernt an ihre Cousins aus der Formel 1, sind aber leiser, sauberer und vor allem langsamer. Auf den komplexen Strecken ist das aber gar kein Problem. Intensive Rennen und starke Einbindung der Zuschauer sorgen dafür, dass die Rennen der Formel E immer besser besucht werden. Allerdings steckt die Serie natürlich noch in den Kinderschuhen. Darum fehlen Unterstützungsrennen, die in den langen Ladepausen die Zuschauer unterhalten, noch. Wir würden gerne eine Amateurliga für Nissan Leaf-Rennen sehen.


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