Formel E – Rennsport von Morgen

Die dritte Saison der ersten vollelektrischen Rennserie zeigt, dass Motorsport auch ohne laute Benzinmotoren funktioniert.
Die Rennsportelite trifft auch in der Formel E aufeinander
Die Champions der Formel E: Nicolas Prost und Sebastien Buemi
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 21.11.2016

Mit dem Vormarsch der Elektroautos rückt eine bessere Zukunft mit weniger Emissionen endlich in greifbare Nähe. Was aber soll aus dem Rennsport werden, der seit Jahrzehnten Millionen Menschen in aller Welt begeistert? Formel 1-Autos mit Elektromotor können doch nicht funktionieren! Oder?

Rennautos für den Regenwald

Genau das wollte Jean Todt beweisen. Als Präsident des Welt-Automobilverbands FIA initiierte er 2014 die Gründung der ersten vollelektrischen Rennserie in der Geschichte. Wohl nicht zuletzt wegen der enormen Beliebtheit der Formel 1 sind die Autos äußerlich deutlich ihren benzinbetriebenen Brüdern nachempfunden, aber unter der Haube steckt die Technologie der Zukunft: Der Elektromotor, der die Hinterräder antreibt, stellt dem Fahrer je nach Rennmodus bis zu 272 PS zur Verfügung. Bei einem erlaubten Maximalgewicht von 880 Kg bedeutet das eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 2,9 Sekunden bei einer abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h.

Das Problem: Die Batterien

Die größte Herausforderung stellt sicher der Energiespeicher der Formel E-Boliden dar: Alleine die Akkus, die den Rennwagen antreiben, wiegen ganze 200 Kilo und schaffen meist nur ein halbes Rennen. Der benötigte Boxenstopp unterscheidet sich grundlegend von anderen Rennserien: Anstatt eines Reifenwechsels wird hier gleich das ganze Auto ausgetauscht. Der Akku kann das Auto nicht über das gesamte Rennen mit Strom versorgen und ein Ladevorgang dauert mehrere Stunden.

Die Welt ist eine Rennstrecke

Die Formel E wurde wie die meisten Rennserien als Zuschauerevent konzipiert. Die Rennen werden auf Straßenkursen rund um den Globus ausgetragen: Der Rennzirkus gastierte bereits auf dem Tempelhofer Feld in Berlin, in New York und natürlich in Monaco. Wer ein Formel E Rennen besucht, der wird nicht wie im Rennsport üblich mit Motorengeheul begrüßt. Vielmehr geben die Elektroboliden auf der Strecke einen hohen Pfeifton von sich, der aus der hohen Drehzahl der Elektromotoren resultiert.

Der Zuschauer fährt mit

Die Formel E versucht aber noch mehr, als nur das Rennauto des 21. Jahrhunderts zu bauen: Die neue Rennserie soll die Zuschauer auch auf eine nie da gewesene Art in das Geschehen einbinden. So verfügen die Autos über eine Fanboost-Funktion. Die Zuschauer können so per App oder Social Media aktiv ins Renngeschehen eingreifen und ihren Lieblingsfahrern und -teams einen kurzzeitigen Geschwindigkeitsvorteil verschaffen. Die elitäre Riege der Fahrer der Formel E setzt sich zu einem großen Teil aus erfahrenen Rennfahrern zusammen. Namen wie Nick Heidfeld und Lucas di Grassi sollten Motorsportfans ein Begriff sein.

Bereit für die Zukunft

Die Formel E befindet sich momentan in der dritten Saison und ist somit eine sehr junge Rennserie. Trotzdem planen die Organisatoren bereits für die Zukunft: Neue Entwicklungen in der Batterietechnik sollen in der nächsten Saison die Motoren stärker machen und das Gewicht der Rennwagen weiter reduzieren. Auch wenn die Zukunft des Verbrennungsmotors ungewiss ist: Der Rennsport wird auch weiterhin Fans auf der ganzen Welt begeistern.

(Bildmaterial: Renault Media)


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