Jetzt wird’s eng! Winterkorn und Co. durch Aussagen schwer in Bedrängnis.

Erster Manager bereits zu Gefängnisstrafe verurteilt.
In Sachen Dieselmanipulation werden nach und nach die ersten Urteile gefällt. Die erste Gefängnisstrafe wurde bereits ausgesprochen.
In Sachen Dieselmanipulation werden nach und nach die ersten Urteile gefällt. Die erste Gefängnisstrafe wurde bereits ausgesprochen. Skyward Kick Productions / Shutterstock.com
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Einleitung von Fredereick Petkovski, Redakteur bei PKW.de 28.08.2017

Giovanni P. war jahrelang Motorenentwickler bei VWs Tochterkonzern Audi, bis er Ende 2015 gefeuert und schließlich Anfang Juli verhaftet wurde. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft und belastet den ehemaligen VW-Chef Winterkorn sowie Audi-Boss Stadler durch seine Aussagen nun schwer.

Inhaftierter Ex-Mitarbeiter belastet Winterkorn und Stadler schwer

Bereits vor über einem Jahr rollte eine Kündigungswelle durch den Ingolstädter Konzern, bei der neben Entwicklungsvorstand Knirsch auch viele untergeordnete Mitarbeiter gehen mussten. Man hoffte wohl so, den größten Konsequenzen aus dem Weg zu gehen. Doch die jüngsten Aussagen des ehemaligen Motorenentwicklers könnten nun einen Wendepunkt in Sachen Dieselgate bedeuten. Denn sowohl Stadler als auch Winterkorn sollen längst vor dem öffentlichen Bekanntwerden von den Manipulationen gewusst haben, obwohl die beiden Manager das bis heute klar abstreiten.

Winterkorn soll es bereits seit 2006 wissen!

Anhand eines ausführlichen Zeit-Tableaus, das Giovanni P. der Staatsanwaltschaft München II übergeben habe, lassen sich die neuen Anschuldigungen ableiten. Der Knüller: Bereits seit über sieben Jahren soll der gesamte Audi-Vorstand über die Vorgänge informiert gewesen sein. Und schon weitaus früher, genauer seit dem 9. Oktober 2006, soll Martin Winterkorn informiert gewesen sein, der zu dieser Zeit noch den Chefposten bei Audi innehatte. Laut Aussage von Giovanni P. habe er selbst ein Jahr darauf mehrere Mitglieder des Audi-Vorstands über Unregelmäßigkeiten informiert, die konkret das VW-Modell Touareg betrafen. Stadler soll dagegen erst 2010 und 2012 in Arbeitskreisen über das Anliegen informiert worden sein.

VW-Manager blickt in den USA Haftstrafe entgegen und bekennt sich schuldig

Aber Giovanni P. ist nicht der einzige Inhaftierte, der nun Verantwortung für die unrechtmäßigen Vorgänge tragen muss. Auch der VW-Manager Oliver S. sitzt bereits seit Januar in den USA in Haft. Zum Verhängnis wurde ihm eine Urlaubsreise nach Florida, während der er von den US-Behörden inhaftiert wurde. Zur Last gelegt wird ihm die Verschwörung und Verletzung des „Clean-Air-Acts“. Mit der Aussicht auf eine hohe Haftstrafe hat sich der deutsche Staatsbürger inzwischen dazu entschlossen, ein umfassendes Geständnis abzulegen, um seine Strafe so gering wie möglich zu halten. Erbracht wurde dieses am 4. August in Detroit, woraufhin bereits neun der zuvor elf Anklagepunkte fallen gelassen wurden. Eine Urteilsverkündung ist für den 6. Dezember anberaumt. Man rechnet mit einer Haftstrafe von fünf Jahren. Ein weiterer Manager der Abgaskalibrierung muss indes bereits seine vor kurzem gefällte Haftstrafe von 40 Monaten antreten. Auch der US-Amerikaner Liang kooperierte mit den Behörden, konnte sich der Gefängnisstrafe jedoch nicht entziehen. Die US-Justiz lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen, durch ihr hartes Durchgreifen ein Exempel für die Zukunft zu statuieren.

Folgen neue Klagewellen? Softwareupdates reichen nicht: Fahrverbote drohen.

Die Staatsanwaltschaft prüft nun, inwieweit die Aussagen des ehemaligen Mitarbeiters reliabel sind. Sollten sich etwaige Aussagen von Giovanni P. bewahrheiten, wären die Folgen kaum vorstellbar. Neben neuen Klagewellen von geschädigten Kunden oder Aktionären könnten auch enorme juristische Konsequenzen für Betroffene drohen. Das weder Stadler noch der langjährige Konzernlenker Winterkorn über die fehlende Emissionsreinigung informiert gewesen seien und die Abteilungen in dieser Angelegenheit vollständig selbstständig gehandelt haben, ist indes nur schwer vorstellbar.

Derweil ist bereits klar, dass auch die geplanten Softwareupdates bei Euro-5- und 6-Dieseln sowie die Verschrottungsprämien der Hersteller nicht reichen, um festgelegte CO2-Grenzen einzuhalten. Das verkündete Bundesumweltministerin Barabara Hendricks (SPD) gestützt durch Modellrechnungen, die zeigen, dass die Emissionen nur um maximal rund sechs Prozent zurückgehen sollen. In fast 70 Städten können vereinbarte Grenzen dagegen nicht eingehalten werden. Doch gegen Hardware-Umrüstungen verweigern sich die Autobauer nach wie vor vehement. Mit drohenden Fahrverboten vor Augen dürften die meisten Kunden jedoch wohl erstmal einen Bogen um den Selbstzünder machen.

Modellrechnungen ergeben: Höchstens um sechs Prozent können die CO2-Werte gesenkt werden. cbies / <a href='htp://www.shutterstock.com'>Shutterstock.com</a>
Modellrechnungen ergeben: Höchstens um sechs Prozent können die CO2-Werte gesenkt werden. cbies / Shutterstock.com

Was läuft da schief?

Das zentrale Problem liegt bei der benötigten Menge an Harnstoff, denn für die korrekte Reinigung des „Clean-Diesel“ müssten die Adblue-Tanks entweder viel größer ausfallen oder öfter mit Harnstoff nachgefüllt werden. So würden entweder Gewichts- und Platzprobleme oder erhebliche Vermarktungsprobleme entstehen. Ständig den Adblue-Tank nachfüllen zu müssen, wäre kaum zu vermarkten gewesen. Stattdessen wurde mit einer speziellen Software die Harnstoffzufuhr in der Alltagszufuhr entscheidend gedrosselt, sodass die Stickoxid-Emissionen dabei viel zu hoch blieben.

(Bildmaterial: Shutterstock)


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