Für Schnellfahrer könnte es teuer werden

HUK-Coburg plant Fahrstilüberwachung für Autoversicherungen
Risikoreiches Fahren kann teuer werden.
Risikoreiches Fahren kann teuer werden, wenn die Versicherer die Prämienhöhe vom Fahrstil abhängig machen.
mario
Einleitung von Mario Hommen, Redakteur bei PKW.de 26.05.2015

Köln, 26.05.2015 – Die Vollkasko-Mentalität breitet sich in Deutschland immer weiter aus. Ob Helikopter-Eltern oder öffentliches Rauchverbot – Reglementierungen des Alltags nehmen zu. So auch im Straßenverkehr, wo für die Vollgasfraktion angesichts von [Blitzmarathon](https://www.pkw.de/ratgeber/autonews/blitzmarathon-2015-bilanz) und [Dashcam-Terror](https://www.pkw.de/ratgeber/autonews/dashcam-urteil) im rasanten Tempo die Spielräume kleiner werden. Der nächste Schritt: Eine Blackbox-Fahranalyse von den Autoversicherern, die vorsichtige Autofahrer finanziell belohnen soll. Wie jüngst die Süddeutsche Zeitung berichtete, will unter anderem die HUK-Coburg bald schon in einen solchen Telematik-Tarif einsteigen. Datenschützer und Freigeister sollte dieses Vorhaben beunruhigen.

Die Idee ist einfach: Wer sich an Regeln hält und geruhsam fährt, provoziert auch weniger Unfälle. Die HUK-Coburg, Deutschlands größter Autoversicherer, plant deshalb, rücksichtsvolle Fahrer zu belohnen. Technisch ist das nicht sonderlich schwierig, denn mit einer Art Blackbox an Bord und einer Analyse basierend auf GPS-Daten kann für jedes Auto ein ziemlich genaues Abbild der Fahrweise erstellt werden.

Die Direktversicherung der Sparkasse nutzt bereits in entsprechender Weise ein solches Telematik-System für eine allerdings auf 1.000 Versicherungsnehmer eingeschränkte Versuchsgruppe. Hier wird monatlich der sicherste Fahrer gekürt und im Internet präsentiert. Der Fahrer des Monats wird zudem mit der Rückzahlung seiner Versicherungsprämiere finanziell belohnt.

Deutschlands größter Autoversicherer will in Telematik-Tarif einsteigen

Wie die Süddeutsche Zeitung am 20. Mai 2015 berichtete, will demnächst also auch der in Deutschland führende Autoversicherer HUK-Coburg diesem in den USA bereits gängigen Beispiel folgen und in einer ersten Testphase diese Option für Freiwillige anbieten. Erlebnisorientierte PS-Jünger werden wohl angesichts solcher Pläne die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, denn spätestens dann dürfte die Zahl der “Schleicher” im Straßenverkehr spürbar zunehmen und die Versicherungskosten für Fahrer mit einem flotten Fahrstil wohl steigen.

Problematischer erscheinen allerdings die datentechnisch weiter wachsenden Überwachungsmöglichkeiten im Alltag: Mit einem entsprechenden Telematik-System werden sich eben auch ziemlich genaue Bewegungsprofile erstellen lassen. Natürlich werden die Versicherer versichern, dass diese von Dienstleistern gesammelten und analysierten Daten allein für diesen speziellen Anwendungsfall genutzt werden und vermutlich schnell wieder gelöscht werden. Doch mit Anspruch und Wirklichkeit bei der Sicherheit personenbezogener Daten ist das so eine Sache.

Das Sammeln von Daten fahrender Autos ist ein großer Trend

Ein solcher Vorstoß der Versicherer ist allerdings nur eine weitere Eskalationsstufe in Hinblick auf die datentechnischen Überwachungsmöglichkeiten von Autofahrern. Das Erstellen von Bewegungsprofilen von Fahrzeugen wird auch ohne Fahrstil-Überwachung durch Versicherungen bald schon unseren Autoalltag stärker prägen. Allein die Überwachung der 2016 startenden Pkw-Autobahnmaut wird die Datenkrake mit Bewegungsdaten von Fahrzeugen füttern. Auch die von der EU aufgezwungene e-Call-Funktion für jedes künftige neue Auto wird als weitere Datenbasis dienen, die ein Erstellen von Bewegungsprofilen leichter machen könnte.

Sollte die von der Fahrweise beeinflusste Höhe der Autoversicherungsprämien Schule machen, gäbe es aber natürlich auch Vorteile: Die Unfallzahlen dürften sinken und damit allgemein wohl auch die Kosten für Autoversicherungen, vor allem für diejenigen, die sich behutsam und regelkonform in Verkehr bewegen.

(Bildmaterial: iStock/RGBAlpha)


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