Die Sache mit den Frauenautos

Frauenautos, Männerautos? Warum gibt es sowas überhaupt?
Wie pink ist zu pink?
Not very pretty in Pink: Warum wir Frauen-, und Männerautos abschaffen sollten. pio3 / Shutterstock.com
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 22.12.2017

Es ist ein schwieriges Thema: Immer, wenn es um Begriffe wie „Frauenauto“ und „Männerauto“ geht, läuft man Gefahr, mindestens einer dieser Gruppen auf die Füße zu treten. Aber gerade, weil es ein schwieriges und unangenehmes Thema ist, sollte man darüber sprechen. Offenbar scheint die Welt leider immer noch in zwei Kategorien unterteilt zu sein. Nicht Gut und Böse, nicht Amerika und Sowjetunion, sondern Rosa und Blau. Der Graben ist tief und nur schwer zu überwinden, und kaum ein Bereich macht das deutlicher als die Autoindustrie. PKW.de begibt sich auf dünnes Eis und plädiert für Unisex-Autos.

Gender-Marketing: Absurde Idee, die funktioniert.

Das Fachwort für die Idee, Männern und Frauen verschiedene Produkte verkaufen zu können, lautet Gender-Marketing. Das ist der Grund, warum Männer mit Strong Power und Frauen mit Soft Touch Duschgel duschen müssen. Diese Verkaufsstrategien nehmen bisweilen fast schon absurde Züge an. So gab es schon Tesafilm for her in pinken Verpackungen, Bic stellte einen Kugelschreiber für Frauen her, der mit weniger Druck funktionierte und von der Körperpflege möchte man an dieser Stelle gar nicht erst anfangen. Man könnte laut lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Immer wieder versucht sich aber auch die Autoindustrie am Gender-Marketing, oft mit katastrophalen Folgen.

Buick und Volvo versuchen sich am Frauenauto

Es war 1955, als man in Detroit beschloss, auch der modernen Frau von damals die Freuden des Autofahrens zugänglich zu machen. Dass Frauen bereits seit mehr als 50 Jahren motorisiert unterwegs waren, vergaß man einfach und baute den Buick La Femme. Das Ergebnis war eine pinke Monstrosität mit mehr Make-up-Etuis, als irgendjemand zu zählen gewagt hat.

Volvo dagegen hatte die Idee, ein weibliches Designerteam ein Auto für weibliche Kunden bauen zu lassen. Heraus kam der Volvo YCC, der, trotz seiner Ausrichtung, den Chauvinismus auf die Spitze trieb: Von außen kommt das Konzept wie ein ganz normales, sportliches Coupé daher, soweit so gut. Das Auto selbst war allerdings so problembehaftet, dass es nie in Serie gehen konnte und die Idee schnell wieder vom Tisch war. Unter anderem hielt man es für eine gute Idee, die Motorhaube fest zu verbauen, denn welche Frau will schon gerne selbst all die komplizierten Teile im Motorraum betrachten? Einen Tankdeckel gab es auch nicht und selbst die Reifen kamen mit Notlaufeigenschaften daher, damit ja nie eine Frau am Straßenrand einen Reifen wechseln muss. Damit Einkäufe und Familie schnell und einfach verstaut werden konnten, gab es sogar automatische Türöffner.

So stellt sich Volvo ein Auto für Frauen vor.
So stellt sich Volvo ein Auto für Frauen vor.

Frauenautos verkaufen sich nicht. Auch nicht an Frauen.

Seat legte sich mit dem Seat Mii Cosmopolitan ein ähnliches Ei. Das Auto kam selbstverständlich nur in Lila auf den Markt. Die Scheinwerfer sahen aus, als würden sie Eyeliner tragen und das Auto verfügte selbstverständlich über einen Haken für die Handtasche. Über den Honda Fit She’s, der einen ähnlichen Ansatz verfolgte, muss man da fast nicht mehr sprechen. All diesen Autos aus verschiedenen Ländern und Epochen ist allerdings eines gemein: Kein einziges der sogenannten Frauenautos verkaufte sich auch nur annähernd gut und die Hersteller bekamen nach kurzer Zeit den verbalen Ansturm erboster Kunden zu spüren.

Wenn 'Cosmopolitan' sich ein Auto ausdenken soll, kommt dabei das hier raus.
Wenn 'Cosmopolitan' sich ein Auto ausdenken soll, kommt dabei das hier raus.

Das Auto wird Unisex: Nieder mit dem Frauenauto!

Dabei gibt es eine ganz einfache Tatsache zu den sogenannten Frauenautos: Eigentlich gibt es sie gar nicht. Das Auto ist, wenn man mal von den oben beschriebenen Karikaturen absieht, ein Unisex-Produkt. Jeder kann und darf jedes Auto fahren und immerhin sind wir mittlerweile so weit, große, teure Autos nicht mehr als Fahrzeug gewordene Männlichkeit zu sehen. Und wenn man den Zahlen Glauben schenken darf, fahren Frauen sogar weitaus sicherer als Männer.

Die Hoffnung stirbt also zuletzt: Irgendwann dürften auch die Herren im Spitzenmanagement der großen Autokonzerne erkennen, dass auch so manche Frau gerne mal etwas schneller fährt und viele Männer nach kompakten, alltagstauglichen Autos suchen. Und wer weiß, vielleicht hat die leicht bekleidete, aber dafür bis zur Unkenntlichkeit retuschierte Dame als Werbemittel für Sportwagen ja bald endlich ausgedient. Damit das etwas schneller geht, hier das PKW.de Plädoyer für automotive Gleichstellung: Frauen, kauft mehr Sportwagen! Männer, kauft mehr Kompaktwagen!

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Für Männer, die nichts kompensieren müssen. Kompakte Gebrauchte auf PKW.de.

(Bildmaterial: Seat, Volvo, Shutterstock)


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