Der nächste Lückenfüller

In wenigen Jahren will Mercedes-Benz auch einen Pick-up anbieten
So könnte der kommende Pick-up von Mercedes aussehen.
Dynamisches Nutzfahrzeug: Der von Mercedes geplante Pick-up hat ein schnittiges Design.
mario
Einleitung von Mario Hommen, Redakteur bei PKW.de 30.03.2015

Köln, 30.03.2015 – Viele Mercedes-Fans haben bereits die enge Kooperation mit Renault als ein Pakt mit dem Teufel gesehen. Dabei hat diese Zusammenarbeit unter anderem der Nutzfahrzeugsparte den Citan beschert, der trotz seiner Renault-Gene bestens in das Daimler-Portfolio passt und von den Kunden sogar gut angenommen wird. Nun hat Mercedes offiziell verkündet, eine weitere markenuntypische Lücke zu besetzen: Mit einem Pick-up wollen die Stuttgarter einen globalen Markt erobern, der allerdings das Herzland des Pick-ups, die USA, ignorieren soll.

Konkrete Details zu dem Nutzwert-Allradler hat Mercedes noch nicht verraten und bisher lediglich ein vage Skizze veröffentlicht. Diese zeigt einen recht bullig und schnittig gezeichneten Pick-up mit einer Viersitzerkabine und relativ kurzer Ladefläche. Vermutlich wird diese nur eine von mehreren Karosserie-Varianten sein, die, abhängig vom Aufbau, entweder mehr Platz für Passagiere oder mehr Platz für die nach oben offene Ladefläche lassen.

Vermutlich robust statt nobel

Unter diesem Aufbau dürfte eine klassische Leiterrahmen-Konstruktion stecken, die zwar in Hinblick auf Fahrdynamik wenig verheißungsvoll erscheinen mag, die aber bei hoher Zuladung und schlechten Straßen mit ihren robusten Qualitäten überzeugt. Wie bei den Nutzfahrzeug-Produkten von Mercedes üblich, dürfte auch beim Pick-up der Fokus weniger auf einer Positionierung als Premiumprodukt liegen. Vielmehr wird dieser sich durch ein robustes und auf den Nutzen hin ausgerichtetes Wesen auszeichnen. Außerdem müsste dieses Modell zu konkurrenzfähigen Preisen angeboten werden. Es könnte also durchaus sein, dass sich ein Mercedes-Pick-up in Preisregionen eines VW Amarok (ab rund 25.000 Euro) bewegen wird.

Es stellt sich allerdings noch die Frage, woher der Unterbau für das Pick-up-Modell kommen soll. Denkbar wären eine echte Neukonstruktion oder auch eine Kooperation mit einem im Pick-up-Segment erfolgreichen Anbieter. Angesichts der laufenden Kooperation mit dem Renault-Nissan-Konzern bietet sich hier klar der japanische Partner als Spender an. Nissan produziert für und in allen wichtigen Weltmärkten Pick-ups. Für Mercedes wäre es also ein Leichtes, als Trittbrettfahrer Marktpotenzial abzuschöpfen, ohne dafür in eine Neukonstruktion als auch den Aufbau mehrerer Produktionslinien in den verschiedenen Weltmarktregionen zu investieren. Beides würde sehr teuer werden und Mercedes dürfte wohl kaum die hierfür nötigen Volumina absetzen können, um schnell Rendite zu erwirtschaften.

Auch in Europa soll er kommen

Als Märkte peilen die Stuttgarter insbesondere die Schwellenländer und BRIC-Staaten an. Vor allem in Südamerika, Asien, Afrika und sogar Europa will man mit diesem Midsize-Pick-up reüssieren. In den USA bewertet man bei Mercedes die Marktchancen als gering. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gelten hier als zu schwierig, zumal aufgrund der steuerlichen Subventionierung von Pick-ups die Verdienstmöglichkeiten als sehr niedrig eingeschätzt werden. Einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht, doch ab etwa 2017 könnte es in anderen Regionen wohl losgehen.

(Bildmaterial: Mercedes-Benz)


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