21.03.2017

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NEFZ wird WLTP – das bringt der neue Testzyklus

Der WLTP-Test soll Autobauer vom Betrügen bei den Abgaswerten abhalten
Der WLTP-Test soll endlich Klarheit beim Spritverbrauch schaffen
Der veraltete NEFZ wird vom WLTP abeglöst. Der Spritverbrauch wird so endlich transparent. ZoranOrcik / Shutterstock.com
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 21.03.2017

Beim Autokauf spielt nicht zuletzt der Benzinverbrauch eine entscheidende Rolle. Darum dürfen die Hersteller auch nicht einfach mit einem Messbecher den Benzinstand nach 100 Kilometern nachmessen, sondern müssen sich für die Verbrauchs- und Abgasangaben an ein strenges Regelwerk halten, das den Benzinverbrauch verschiedener Fahrzeuge vergleichbar machen soll. Dieser Verbrauchstest heißt Neuer Europäischer Fahrzyklus oder NEFZ.

Der NEFZ als europäischer Standard

Die ursprüngliche Idee des NEFZ war die Standardisierung der Verbrauchsangaben bei Kraftfahrzeugen. Neben der größeren Verbraucherfreundlichkeit ging es dabei aber auch noch um die Abgassteuer und Versicherungsprämien von Neufahrzeugen. Darum muss der NEFZ-Test für maximale Reproduzierbarkeit in einer kontrollierten Umgebung durchgeführt werden. Die Testfahrzeuge werden nicht einfach über eine Teststrecke gefahren, sondern in einem Testlabor auf einem Rollenprüfstand fixiert. Während des Testzyklus werden insgesamt 11 km bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 34 km/h zurückgelegt. Das soll eine typische Autofahrt möglichst präzise abbilden.

Der NEFZ ist nicht unfehlbar

Leider sind die Autohersteller in den letzten Jahren immer besser darin geworden, in den Tests möglichst gute Ergebnisse zu erzielen, ohne tatsächlich an ihren Autos zu arbeiten. Die Motoren werden dann genau so eingestellt, dass sie nur unter den sehr spezifischen Bedingungen des NEFZ sehr gute Werte erzielen. Das Produktionsmodell wird dann mit einer anderen Abstimmung verkauft, die dem Kunden das Gefühl von mehr Fahrdynamik geben soll. Sonderausstattungen, die das Gewicht oder die Aerodynamik beeinflussen, werden dabei gar nicht erst berücksichtigt. Das ist der Grund, aus dem man die Verbrauchswerte der Hersteller mit Vorsicht genießen sollte.

Aus NEFZ wird WLTP

Um die Probleme bei der Evaluation von Fahrzeugen mittels NEFZ zu beheben, soll der Testzyklus ab diesem Jahr durch einen weltweiten Standardtest ersetzt werden, der den eingängigen Namen Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicle Test Procedure, oder WLTP trägt. Der WLTP-Test unterscheidet sich in einigen wichtigen Bereichen vom europäischen Vorgänger: Zunächst wird die Höchstgeschwindigkeit von 120 auf 131 km/h erhöht. Es sollen jetzt mehr als 23 Kilometer mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 46 km/h gefahren werden. Insbesondere sollen aber die Drehzahlenbereiche, in denen gefahren wird, breiter ausfallen. Langsames beschleunigen und bremsen durch den gesamten Drehzahlbereich sollen verhindern, dass Autobauer vor dem Test ihre Fahrzeuge auf bestimmte Drehzahlbereiche abstimmen. Außerdem sollen Sonderausstattungen im WLTP-Test Einfluss auf die Wertung haben.

Der NEFZ – Produkt einer anderen Zeit.

Der NEFZ ist ein Testverfahren, das aus einer anderen Ära stammt. Die Prozedur wurde zuletzt 1997 aktualisiert und kann moderne Verhältnisse kaum noch zuverlässig abbilden. Wie der neue Testzyklus die Verbrauchswerte beeinflusst bleibt abzuwarten, aber zunächst darf man mit einem Anstieg der angegebenen Verbrauchswerte rechnen, auch wenn die Fahrzeuge dadurch nicht mehr Benzin verbrauchen.

(Bildmaterial: ©Shutterstock)


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