Sind Radarwarner illegal?

Welche Möglichkeiten es gibt, Blitzer zu vermeiden
Nur weil Radarwarner zu kaufen sind, ist nicht gleich auch deren Benutzung legal.
Navigationsgeräte, Smartphones und Radarwarner können auf Blitzer hinweisen. sdecoret/Shutterstock.com
berit
Einleitung von Berit Hoffmann, Redakteur bei PKW.de 22.06.2018

Schon wieder geblitzt worden! Um die ärgerlichen Bußgeldbescheide zu verhindern, versprechen verschiedene Softwares und Geräte, Blitzer vorauszusagen und vor ihnen zu warnen oder sogar die Geschwindigkeitsmessung zu stören. Warum Sie die praktischen Radarwarner jedoch nicht benutzen sollten, erklärt Ihnen PKW.de.

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Radarwarner kommen in verschiedenen Formen

Geschwindigkeitsbegrenzungen sind manchmal nervig. Gerade, wenn das Tempolimit nicht unbedingt nachvollziehbar ist, ist für viele die Versuchung groß, dieses zu überschreiten. Davon abgesehen, dass Geschwindigkeitsvorgaben zur allgemeinen Sicherheit im Straßenverkehr festgelegt werden und somit meist begründet sind, kann zu schnelles Fahren auch rechtliche Konsequenzen haben. Mit stationären und mobilen Geschwindigkeitsmessungen sollen chronische Raser gestoppt werden.

Viele Apps und Navigationsgeräte können jedoch vor den Blitzern warnen und Sie als Autofahrer dadurch vor Bußgeldern bewahren. Die Radarwarner sind als Smartphone App, als Funktion für Ihr Navi und als separate Geräte erhältlich. Die meisten Smartphone Apps greifen auf eine durch Nutzer aktuell gehaltene Datenbank von stationären Radarmessungen zurück. Durch ständige Verbindung mit dem Internet und Zugriff auf Ihre GPS-Position kann Ihr Handy Sie so durch einen Signalton darauf hinweisen, dass Sie sich einem Blitzer nähern.

Bei vielen Navigationssystemen lassen sich auch Softwares installieren oder Funktionen aktivieren, die ebenfalls als Radarwarner dienen. Manche Navis greifen dafür auf die POI-Funktion zurück. Dabei werden sogenannte Points of Interest, wie zum Beispiel Tankstellen, Cafés oder eben auch Blitzer, auf der Karte angezeigt.

Radarwarner gibt es auch als komplett separate Geräte, deren einzige Funktion die Warnung vor Blitzern und teilweise auch die Störung deren Signale ist. Die meisten dieser Gadgets reagieren lediglich auf Radarblitzer; Nur besonders teure Versionen können auch Lichtschranken und Laserblitzer erkennen. Die meisten Radarwarner, die diese Funktion haben, senden auch gleich ein Störsignal, das die Registrierung zu schnellen Fahrens verhindert.
Viele Blitzerwarnsysteme können nicht alle Arten von Geschwindigkeitsmessungen korrekt erfassen. Apps warnen zusätzlich oft auch vor Blitzereinsatzorten, selbst wenn dort aktuell kein aktiver Blitzer steht. Auch Radarwarner, die die bestimmte Wellenfrequenz messen, sind störanfällig, da diese nicht nur für Radargeschwindigkeitsmessungen verwendet werden.

Das Nutzen von Radarwarnern beim Fahren ist verboten!

Obwohl die Idee hinter den Radarwarnern für viele Autofahrer vielversprechend klingt, raten wir Ihnen von der Benutzung ab! Die Software sorgt nicht nur dafür, dass Zu-schnell-Fahrer einfach Kontrollen umgehen und somit weiterhin andere Verkehrsteilnehmer gefährden können, sondern sie ist in Deutschland auch noch illegal!

Dass Radarwarner, die zusätzlich noch die Blitzersignale stören oder unterbrechen, nicht erlaubt sind, sollte selbstverständlich sein. Aber wie sieht es mit der reinen Hinweisfunktion aus? Der Paragraph 23 der Straßenverkehrsordnung besagt, dass keine Geräte genutzt oder betriebsbereit mitgeführt werden dürfen, deren Bestimmung es ist, vor Verkehrsüberwachungsmaßnahmen zu warnen oder diese zu stören. Der Paragraph bezieht sich besonders auf Radarwarner und Laserstörgeräte.

Damit ist das Mitführen der gesonderten Gadgets zur Radarwarnung illegal. Der Besitz ist zwar in Deutschland nicht verboten, da die meisten Geräte jedoch ständig aktiviert sind, dürfen sie nicht im Fahrzeug mitgeführt werden. Radarwarner können in Deutschland legal verkauft werden, allerdings sind die Kaufverträge nicht gültig, wodurch auch das Rückgaberecht entfällt. Wenn Polizeibeamte bei Ihnen im Auto einen solchen Radarwarner oder Störsender finden, kann dieser konfisziert und vernichtet werden. Einige Versionen der Warngeräte können auf Knopfdruck funktionsuntüchtig gemacht und erst wieder durch einen Computer aktiviert werden. Somit wird zwar kein aktiver Radarwarner mitgeführt, ob dieser Trick vor Gericht jedoch funktioniert, ist eine andere Sache.

Der Gebrauch von Blitzer-Apps kann mit einem Punkt in Flensburg bestraft werden

Da in der Straßenverkehrsordnung nur von Geräten gesprochen wird, deren hauptsächlicher Zweck die Radarwarnung ist, fallen Handys und Navigationssysteme in eine rechtliche Grauzone, da deren eigentliche Bestimmung ja Kommunikation bzw. Navigation ist. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) vertritt diese Meinung, wohingegen Juristen sagen, dass Apps und Navi-Funktionen mit ins Verbot fallen. Tatsache ist, dass in mehreren Urteilen das Mitführen oder die Nutzung eines Geräts mit aktiver Radarwarnung als Tatbestand gewertet wurde.

Letztendlich kann die Benutzung jeder Art von Software, die auf Blitzer hinweist, mit einem Bußgeld von 75€ und einem Punkt in Flensburg bestraft werden. Theoretisch dürften bei Mitführung von Navis oder Handys mit aktiven Apps diese sogar beschlagnahmt werden, wobei das nicht üblich ist.
Vor Fahrten ins Ausland sollten Sie sich entweder über die landesüblichen Gesetze bezüglich Radarwarner informieren, oder komplett auf diese verzichten.

Übrigens: Auch das Warnen anderer Autofahrer durch die Lichthupe kurz vorm Blitzer ist nicht erlaubt, wird allerdings nur mit 5€ bestraft.

Informieren über Blitzer ist trotzdem möglich

Für viele Autofahrer ist verwirrend, dass die Warnung vor Radarmessungen nicht immer verboten ist. Viele Radiosender melden schließlich Blitzer, und das nicht gerade selten. Der Unterschied ist hierbei, dass das Ziel dieser Warnungen nicht das Umgehen von Bußgeldern, sondern die Bewahrung der Verkehrssicherheit ist. So wird im Radio meistens nur über den groben Standpunkt der Blitzer informiert, sodass die meisten Autofahrer in der gesamten genannten Umgebung das Tempolimit einhalten. Außerdem erfolgt die Blitzerwarnung durch den Rundfunk unabhängig vom genauen Standort des zuhörenden Fahrers und kann auch durch diesen nicht beeinflusst werden.

Ebenfalls erlaubt ist es, wenn Sie sich vor Antritt einer Fahrt über die Standorte von Blitzern informieren. Diese Informationen dürfen Sie sogar ausdrucken und im Auto mitführen. Gesetzlich spricht auch nichts dagegen, dass Ihr Mitfahrer Apps zur Radarwarnung benutzt, solange er Sie nicht konkret auf den Standort der Blitzer hinweist, sondern Sie umformuliert bittet, langsamer zu fahren.

Um Blitzer effektiv und legal zu umgehen, empfehlen wir Ihnen, sich am besten einfach an die vorgegebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten und so nicht nur Bußgeldern, sondern auch möglichen Risiken aus dem Weg gehen.


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