Rallyes: Der bessere Motorsport

Ab in den Dreck: So machen Rennen Spaß
Mit dem Auto in den Dreck
Diese Rennfahrer tun Dinge, die sich ein Formel 1-Fahrer niemals trauen würde. Rodrigo Garrido / shutterstock.com
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 13.09.2018

Um im Rennsport mithalten zu können, muss man schon zu einer ganz besonderen Art Mensch gehören. Neben einer Menge Geld und einer Portion Glück braucht es auch eine ganze Menge Wahnsinn. Wenn jede Kurve und jedes Überholmanöver den Tod bedeuten kann, sind die meisten normalen Menschen wahrscheinlich froh, das Spektakel von den Zuschauerrängen oder dem heimischen Sofa aus zu verfolgen. Die Könige unter den Wahnsinnigen sind aber die Menschen, die mit viel zu schnellen Kleinwagen viel zu schmale Schotterpisten in viel zu kurzer Zeit befahren. Die Rede ist natürlich vom Rallyesport. Wo in der Formel 1 langer Auslauf zu beiden Seiten der Strecke schwere Verletzungen oder sogar Todesfälle verhindern sollen, müssen die Teilnehmer einer Rallye mit Bäumen oder Abgründen vorliebnehmen. Warum Rallyes die härtesten Motorsportevents der Welt sind, weiß PKW.de.

Grund 1: Rallye ist mehr Luftfahrt

Fahren ist toll, keine Frage. Bei PKW.de sind wir logischerweise große Autofans, aber wenn lfz.de Redakteure bräuchte… wir müssten zumindest nachdenken. Fliegen ist der alte Menschheitstraum, und Rallyes scheinen häufig wie eine Mischung aus Rennsport und Flugschau, denn die rauen Rallyestrecken sind voller Kuppen, die die Fahrzeuge spektakulär durch die Luft fliegen lassen. Der längste Sprung eines Autos während einer Rallye ließ einen Citroën C4 für ganze 85 Meter durch die Luft fliegen. Sobald auf den Strecken der Formel 1 Sprungschanzen stehen, sind wir wieder da. Bis dahin sehen wir uns Fahrer an, die die Bezeichnung Pilot auch wirklich verdienen.

Flugautos gibt es schon heute. Rodrigo Garrido / <a href='http://www.shutterstock.com'>shutterstock.com</a>
Flugautos gibt es schon heute. Rodrigo Garrido / shutterstock.com

Grund 2: Rallye ist Teamwork

Klar, hinter jedem erfolgreichen Rennfahrer steht ein gigantischer Organisationsapparat. Der Personenkult um Menschen wie Vettel oder Hamilton sorgt aber dafür, dass niemand jemals die Namen der Menschen erfährt, die dafür sorgen, dass ihre schnellen Schützlinge lukrative Werbeverträge für Herrendüfte und Schokolade einstreichen. Rallyepiloten funktionieren nur mit einem Beifahrer, der, ähnlich einem Navigationssystem, die Strecke genau beschreiben kann. Anstatt von „In 200 Metern biegen Sie links ab“, klingt dieser aber eher wie der Funkverkehr am Flughafen: „Links 3 lang öffnet in rechts 5 in rechts 6 über Kuppe.“ Was? Genau, wir verstehen auch nur Bahnhof, aber wenn der Beifahrer den Fahrer fast mit verbundenen Augen über die Strecke führen kann, ist das schon extrem beeindruckend.

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Grund 3: In Rallyes wird am schönsten geschummelt

Wer wirklich kreative Schummeleien erleben will, muss nicht in die Klassenzimmer eines Abiturjahrgangs sehen, sondern in die Geschichte des Rallyesports. Da wäre zum Beispiel das Team, das den vorgeschriebenen Überrollkäfig aus Pappe konstruierte, um Gewicht zu sparen. Oder der Fahrer, der im Feuerlöscher seines Fahrzeuges angeblich spezielles Benzin mitgeführt haben soll, um sein Auto schneller zu machen. Am dreistesten aber ist das Team, das mitten auf der Strecke das Auto getauscht haben soll. Das Verfolgerauto, praktischerweise identisch zum echten Rennwagen, war nach dem Lauf nicht mehr aufzufinden, aber einige Schäden am Rennwagen waren auf wundersame Weise verschwunden. Man konnte dem Team nie etwas nachweisen. Ein Zeichen für einen meisterhaften Schummler.

Grund 4: Rallye ist näher

Sind Sie schon einmal bei rot über die Straße gegangen und währen fast überfahren worden? Dann wissen Sie, wie unangenehm so eine Erfahrung ist. Rallyefans machen solche Aktionen fast schon zum Sport. Weil die Strecken nicht abgesperrt sind, können Fans sich einfach vor die Autos stellen, um Fotos zu machen. Die Bilder selbst sehen beeindruckend aus, aber die Aufnahmen der Fans, die mit wenigen Zentimetern Abstand in den Straßengraben springen, bringen einem das Gefühl des Rallyesports am nächsten.

Gefahr besteht nicht nur für die Fahrer, sodnern auch für das Publikum. Rodrigo Garrido / <a href='http://www.shutterstock.com'>shutterstock.com</a>
Gefahr besteht nicht nur für die Fahrer, sodnern auch für das Publikum. Rodrigo Garrido / shutterstock.com

Grund 5: Rallye ist gefährlich

Sind wir mal ehrlich: Ein großer Teil des Nervenkitzels beim Rennsport geht von der Gefahr aus. Nichts ist spektakulärer als die schnelle, ungeplante Demontage eines mehrere Millionen Euro teuren Gefährts. In der Formel 1 kommt sowas zwar ab und zu vor, aber wo bleibt der Spaß, wenn zu beiden Seiten der Strecke große Kiesbetten liegen, die dann auch noch von Reifenstapeln eingegrenzt werden. Wirklich spannend wird es erst dann, wenn auf der einen Seite der Strecke dichter Wald steht und auf der anderen Seite ein schwindelerregender Abgrund darauf wartet, Autos, Fahrer und Beifahrer zu verschlucken. Das ist echte Gefahr.

Fazit: Rallye ist der bessere Motorsport

Während die alten Männer, die in der Formel 1 das Sagen haben, sich in Innovation üben, droht der Rennzirkus von der Konkurrenz überholt zu werden. Die Formel E wird immer größer und dank des Internets kann man auch obskurere Renndisziplinen live verfolgen. Das muss aber gar nicht sein, denn viele Rallyeevents werden ganz normal im Fernsehen übertragen. Endlich gibt es mal wieder spannenden Motorsport zu sehen.


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