Rettungsgassen: Neue Regelung soll Klarheit schaffen

Rettungsgassen werden oft falsch gebildet
Rettungsgassen: Neue Verordnung.
Wie und wann Rettungsgassen gebildet werden sollen, wurde nun neu definiert.
dominik
Einleitung von Dominik Deden, Redakteur bei PKW.de 10.03.2017

Eigentlich ist alles ganz einfach: Ertönt das Martinshorn, sind Autofahrer in Deutschland seit den 1980er Jahren dazu verpflichtet, auf Autobahnen und außerörtlichen Straßen mit mindestens zwei Fahrspuren in Fahrtrichtung, eine Rettungsgasse zu bilden. Das klappt jedoch nur selten reibungslos. Immer wieder müssen sich Rettungswagen auf dem Weg zum Unfallort durch einen wilden Hindernisparcour von Fahrzeugen kämpfen. Der Grund: Viele Autofahrer – laut ADAC-Umfrage ganze 39 Prozent – wissen nicht, wie sie eine Rettungsgasse bilden müssen. Auch ab wann eine Gasse gebildet werden muss, war den Meisten bisher unklar. Licht ins Dunkle soll nun eine neue Regelung in der Straßenverkehrsordnung bringen, die seit dem 1.1.2017 gilt.

Wann muss eine Rettungsgasse gebildet werden?

Zwar war es bisher gesetzlich vorgeschrieben, bereits bei stockendem Verkehr auf Autobahnen und Außerortsstraßen, eine Rettungsgasse für eintreffende Rettungswagen zu bilden, die Bezeichnung „stockender Verkehr“ ließ jedoch reichlich Platz für Interpretationsspielraum. Deswegen wurde der richtige Zeitpunkt jetzt konkretisiert. Nun muss eine Rettungsgasse bereits bei Schrittgeschwindigkeit gebildet werden. Das macht Sinn, denn wenn Fahrzeuge erst einmal stehen, wird es umso schwieriger, Platz für ankommende Rettungswagen zu schaffen. Im § 11 Absatz (2) der StVO heißt es dazu:

„Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“

Der ADAC weist darauf hin, schon bei stockendem Verkehr einen Abstand von fünf Metern zum Vordermann zu halten, um bei einem Stau rechtzeitig eine Rettungsgasse bilden zu können.

Wo muss die Rettungsgasse gebildet werden?

Bei zweispurigen Strecken soll eine Gasse in der Mitte beider Spuren gebildet werden, bei drei Spuren zwischen der linken und der mittleren Spur. Neu ist eine Regelung zu Straßen mit vier Gassen. Auch auf ihnen soll eine nach links ausgerichtete Rettungsgasse gebildet werden. Das heiß konkret: zwischen dem äußerst linken und dem direkt daneben liegenden Fahrstreifen. Dabei spielt es keine Rolle, wie viele Spuren in die gleiche Fahrtrichtung führen. Alle weiteren Fahrzeuge auf den rechts anliegenden Fahrspuren müssen ebenfalls für ausreichend Platz sorgen. Der Standstreifen darf offiziell nicht benutzt werden, Rettungskräfte raten jedoch dazu, ihn zumindest mit einer halben Wagengasse zu nutzen, um mehr Platz zu schaffen.

Wer sich nicht an die Regelungen hält, kann mit einem Verwarngeld von 20 Euro belegt werden und gefährdet – dies ist die deutlich schlimmere Konsequenz – die rechtzeitige Versorgung verletzter Personen.

(Bildmaterial: @Shutterstock/561735016)


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