21.03.2017

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Selbstfahrende Autos sollen die Straßen erobern

Autonomes Fahren wird immer wahrscheinlicher.
Mobilität der Zukunft: elektrisch und autonom
Der Rinspeed Oasis ist Wohnzimmer, Büro und Auto in einem. Steve Lagreca / Shutterstock.com
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 21.03.2017

Wer schon einmal über die A7 bei Hamburg gefahren ist oder gar auf die irrwitzige Idee gekommen ist, nachmittags durch Köln fahren zu wollen, der wird sich gewünscht haben, nicht alle paar Sekunden 10 Zentimeter vorfahren zu müssen, damit der Hintermann nicht versucht, mit einem Hupkonzert das Verkehrsproblem wie durch Zauberhand zu lösen. Deutsche Autofahrer verbringen pro Jahr etwa 39 Stunden im Stau. Genug Zeit also, um einige gute Bücher zu lesen oder sich der Arbeit zu widmen. Diese ungenutzte Zeit könnte in den nächsten Jahren allerdings frei werden, denn selbstfahrende Autos sind nicht nur in den Technologiezentren der USA in Entwicklung: Auch hierzulande arbeiten Autobauer unter Hochdruck an Autos, die sich einfach selbst fahren.

Selbstfahrende Autos gibt es schon

Auch wenn besonders erfahrene Autofahrer der Meinung sind, dass es nichts Einfacheres gäbe: Fahranfänger wissen, dass die Bedienung eines Autos eine hochkomplexe Aufgabe ist. Diese an einen Computer abzugeben behagt vielen Menschen nicht, denn was kann schon eine Maschine leisten, die nicht mal kohärente Sprache beherrscht? Tatsächlich lässt sich der tägliche Straßenverkehr aber zu großen Teilen mathematisch beschreiben. Diese Forschungen machen sich die Entwickler der selbstfahrenden Autos zunutze. Auf einigen Teststrecken in aller Welt und teilweise sogar im öffentlichen Straßenverkehr werden die Wunderautos bereits erfolgreich getestet. Und selbst, wenn man schon heute eine gut ausgestattete Mittelklasse-Limousine kauft, kann man bereits in den Genuss des halbautonomen Fahrens kommen.

Wie autonom ist das Auto?

Selbstfahrend ist nicht gleich selbstfahrend. Um die Roboterautos zu klassifizieren, haben die Behörden in Europa und Amerika ein Levelsystem eingeführt, das selbstfahrende Autos in 6 Kategorien einordnet. So werden Fahrzeuge, die über keinerlei Assistenzsysteme verfügen als Fahrzeuge der Kategorie 0 eingestuft, während echte Roboterautos, die in keiner Situation auf menschliche Fahrer angewiesen sind, als Fahrzeuge der Kategorie 5 eingestuft werden. Letztere könnte man beispielsweise auch mal alleine zum Pizza holen schicken oder die Kinder von der Schule abholen lassen. Tatsächlich werden Fahrzeuge, die über Spurhalteassistenten oder Stauassistenten verfügen, häufig bereits als selbstfahrende Autos der Klasse 2 eingestuft.

Selbstfahrende Autos lösen den Dauerstau

Mittlerweile sind selbstfahrende Autos der Kategorie drei möglich. Diese Fahrzeuge übernehmen auch komplexere Aufgaben, wie Spurwechsel und Überholmanöver auf der Autobahn. Der Fahrer kann hierbei beispielsweise ein Buch lesen oder einen Film ansehen, muss aber jederzeit bereit sein, in das Geschehen einzugreifen. Die Vorteile eines solchen Systems liegen auf der Hand: Der Fahrer kann seine Zeit besser nutzen und kommt entspannter am Ziel an. Je mehr Fahrzeuge automatisiert werden, desto sicher wird außerdem der Straßenverkehr: Der Computer vergisst nicht zu blinken, fährt nicht zu schnell und neigt vor allem nicht zu Wutausbrüchen auf öffentlichen Straßen. Mit mehr selbstfahrenden Autos auf den Straßen wird der Verkehr berechenbarer, was einerseits den automatisierten Fahrzeugen bei der Analyse der Umgebung hilft und andererseits die Planung von Umgehungen vereinfacht. Die Folge: weniger Staus. Trotzdem: Nicht nur die Kunden haben ein Problem mit der Automatisierung, auch das Kraftfahrtbundesamt hat den selbstfahrenden Autos noch keine Zulassung erteilt.

Selbstfahrende Autos und das Problem mit der Menschlichkeit

Von einer solchen Vision ist die Technik allerdings noch einige Jahrzehnte entfernt. Verschiedene Analysen kommen zu dem Schluss, dass selbstfahrende Autos im Jahr 2035 bis zu 35 Prozent aller Neuzulassungen ausmachen könnten. Die Probleme, die bis dahin gelöst werden können, sind ebenso komplex wie vielseitig. Auf der einen Seite steht die technische Komponente. Noch immer erkennen die Computersysteme nicht jede Verkehrssituation zuverlässig, mit teils katastrophalen Folgen. Auf der anderen Seite stehen ethische Probleme: Wie soll der Computer entscheiden, wenn ein Unfall nicht mehr zu vermeiden ist? Menschenleben können kaum gegeneinander aufgewogen werden, schon gar nicht von einer Maschine.

Selbstfahrende Autos sind die Zukunft des Straßenverkehrs

Wie auch immer die Zukunft aussehen mag, Experten sind sich einig, dass selbstfahrende Autos auf lange Sicht menschliche Fahrer ersetzen. Das muss aber nicht bedeuten, dass Autofahren kein Spaß mehr machen wird: Mit einem Lenkrad und Gaspedal kann man in 30 Jahren sicherlich genau so viel Spaß haben, wie heute. Den Stau der Innenstadt könnte man dann aber ganz entspannt verschlafen.

(Bildmaterial: ©Shutterstock)


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