Stock Car Rennen – Asche zu Asche, Schrott zu Schrott

Bei Stock Car Rennen werden Unfälle zur Disziplin gemacht
Stock Car Rennen gehen nie ohne Blechschäden aus.
Beim Stock Car Rennen ist Körperkontakt ausdrücklich erwünscht. jason merideth / Shutterstock.com
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Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 15.02.2017

Wenn Fahrschüler endlich mit dem lang ersehnten Führerschein in Händen auf den öffentlichen Straßenverkehr losgelassen werden, haben sie in langen Fahrstunden bestenfalls gelernt, dass man das eigene Auto tunlichst von den Karossen anderer Verkehrsteilnehmer fernhalten sollte. Unfälle enden bestenfalls in Bürokratie, in schlimmeren Fällen mit viel zu teuren Luxusautos, in deren Kofferraum sich der Polo eines zitternden Fahranfängers gebohrt hat. Blechkontakt ist zu vermeiden. Außer, wenn es Spaß macht. Was im englischsprachigen Raum Demolition Derby genannt wird, heißt hierzulande Stock Car Rennen und zielt genau darauf ab: Das Fahrzeug des Gegners möglichst schnell in möglichst feines Blechkonfetti zu verwandeln.

Stock Car Rennen sind spektakulärer Unsinn

Es ist fast schon unnötig zu sagen, das Stock Car Rennen natürlich ihren Ursprung in den USA haben. Anders als beispielsweise die NASCAR-Serie haben Stock Car Rennen aber nichts mit der Realität auf den Straßen zu tun. Die Sportart hat weder eine Geschichte noch ein Erbe. Sie entstand als reiner Zuschauersport, denn die morbide Faszination der Zuschauer mit schweren Unfällen sorgt auch bei anderen Rennserien für sehr hohe Zuschauerzahlen. Warum also nicht gleich eine Rennsportart erfinden, die sich gar nicht erst mit kompetitivem Fahren aufhält, sondern direkt ans Eingemachte geht? Die Idee schien damals bestimmt logisch. Die ersten Stock Car Rennen wurden auf kleinen Ovalkursen ausgetragen, die einfach in den nächstbesten Acker gepflügt wurden. Als Fahrzeuge dienten Autos, die eigentlich nur noch eine einzige Fahrt vor sich haben: die auf den nächsten Schrottplatz, normalerweise auf der Ladefläche eines Abschleppwagens. Aber in fast jedem Auto, sei es auch noch so schrottreif, stecken noch ein paar Runden auf dem nächsten Feld und ein Totalschaden führt nicht sofort in den finanziellen Ruin.

Kontrolliertes Chaos

Besonders bei Sportarten, die so gewalttätig sind wie Stock Car Rennen, gelten natürlich strenge Regeln. Trotz der chaotischen Natur der Rennen müssen die Fahrzeuge zuvor stark modifiziert werden. Die Autos dürfen kein Glas mehr enthalten, der Benzintank wird verkleinert und verstärkt und zur Versteifung der Karosserie müssen Querstreben eingeschweißt werden. Dann kann es aber losgehen. Damit es den Fahrern kleinerer Autos nicht ergeht, wie dem Polofahrer im Heck des Landrovers, treten die Fahrer in verschiedenen Klassen an. Vom Trabbi bis zum amerikanischen Muscle-Car-Panzer darf fast jedes Fahrzeug durch den Dreck und in die gegnerischen Autos geschleudert werden. Unfälle, die auf der Straße zur Horrorgeschichte reichen, und kleinere Brände gehören dabei trotz der Sicherheitsvorkehrungen zur Tagesordnung.

Trotz der vielen Unfälle werden die Fahrer nur selten ernsthaft verletzt. Jamie Roach / <a href='http://www.shutterstock.com/editorial?cr=00&pl=edit-00'>Shutterstock.com</a>
Trotz der vielen Unfälle werden die Fahrer nur selten ernsthaft verletzt. Jamie Roach / Shutterstock.com

Stock Car Rennen sind nicht einheitlich reglementiert

Die Rennregeln variieren je nach Veranstaltung. Bei manchen Rennen darf nicht einmal gerammt werden, obwohl Körperkontakt ausdrücklich erwünscht ist. Andere Events enden erst, wenn der Kurs einem Schlachtfeld ähnelt und sich wirklich nichts mehr bewegen kann. Gewinner ist, wer entweder den Kurs am schnellsten bewältigt oder als Letzter noch fahrtauglich ist. Oder wer am ehesten die Sympathien des Publikums auf sich ziehen kann. Oder wer die schönsten Ohren hat. Tatsächlich sind Sieg oder Niederlage bei vielen Stock Car Rennen eher Nebensache und werden je nach Härte des Rennens und Zustand der Fahrer und Fahrzeuge nach dem Rennen von den Veranstaltern entschieden.

Stock Car Rennen sind heute beliebter denn je

Stock Car Rennen erfreuen sich in den letzten zehn Jahren steigender Beliebtheit, nicht zuletzt aufgrund der breiten Medienaufmerksamkeit. Der Sport an sich könnte kaum publikumsnäher sein. Die Fahrer sind in erster Linie Bäcker, Metzger oder Bankangestellte mit Benzin im Blut, aber sicher keine Berufsmotorsportler. Ein bisschen verrückt sind sie aber trotzdem, die Stock Car Racer.

(Bildmaterial: ©Shutterstock)


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