Swamp Buggie Racing: Motorsport mal anders

Menschen spielen im Matsch.
Viel Getöse, viel Dreck. Swamp Buggies sind echte Höllenmaschinen
Kein Sumpfmonster sondern ein Swamp Buggie wühlt sich hier durch den Matsch. otomobil / Shutterstock.com
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 26.01.2017

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass alles, was einen Motor hat, im Rennsport eingesetzt werden kann. Auto- und Motorradrennen sind schon seit einem Jahrhundert ein beliebter Massensport und selbst LKWs werden regelmäßig über die Rennstrecken dieser Welt geprügelt. Während Millionen von Menschen große Stadien füllen, um berühmten Rennfahrern bei der Arbeit zuzusehen, regt sich etwas Obskures in den Sümpfen Floridas. Sumpfmonster stehen da auf dünnen Rädern, V8-Motoren heulen auf und in wenigen Sekunden ist das Spektakel vorbei. Swamp Buggy Racing ist eine jener merkwürdigen Sportarten, die aus einer Mischung aus Langeweile, Kreativität und Notwendigkeit entstehen.

Swamp Buggies – Boot oder Auto?

Genau wie normale Autos haben auch Swamp Buggies 4 Räder und einen Motor. An dieser Stelle hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Die Rennen werden auf einem Kurs ausgetragen, der nur als Graben bezeichnet werden kann. Mehr als knietief stehen Schlamm und Wasser auf der Strecke. Darum ist es mit einem normalen Antrieb auf nicht getan: Die Räder der Swamp Buggies sind nicht auf Traktion ausgelegt, sondern sollen das Fahrzeug beim Start aus dem Wasser heben. Für den Rest des Rennens gleiten die Buggies dann auf dem Wasser dahin. Bestenfalls. Denn stellenweise ist das Wasser auf der Strecke einen Meter tief. Wer an dieser Stelle nicht schnell genug fährt, geht unter wie ein Stein.

Von der Notwendigkeit zum Sportgerät

Ursprünglich waren die Swamp Buggies tatsächlich ein wichtiger Teil des täglichen Lebens in den weniger dicht besiedelten Gebieten Floridas. Die Sümpfe in diesem Teil der USA sind mit den meisten Fahrzeugen unpassierbar, und so wurden in den Dreißigerjahren erstmals Fahrzeuge gebaut, die genau dieses Terrain erschließen sollten. Die ersten Buggies standen auf riesigen Ballonreifen, die für Traktion sorgen sollten, und waren noch recht schwach motorisiert. Die heutigen Rennbuggies haben mit ihren Urahnen nicht mehr viel zu tun: Geformt wie Raketen stehen die PS-Monster auf dünnen Reifen, die bei schneller Fahrt eher wie die Ruder eines Schiffes als wie die Reifen eines Autos funktionieren. Die Fahrzeuge selbst werden meist in der heimischen Garage aus gebrauchten Teilen auf abenteuerliche Weise zusammengebaut. Manche Konstrukteure behaupten, ihre Maschine würde bis zu 1000 PS leisten. Wirklich klar ist nur: Beim Swamp Buggie Racing geht es weniger um Geschwindigkeit als um den Spaß an der Sache.

Matsch in der Luft und im Publikum

Ein Rennen dauert meist nur wenige Minuten und am Schluss winkt dem Gewinner neben einem saftigen Preisgeld auch, ganz amerikanisch, eine brandneue Schrotflinte. Nach dem Rennen befinden sich große Teile der lokalen Pflanzenwelt auf den Köpfen der Zuschauer, denn die dünnen Räder scheinen primär dafür gemacht zu sein, möglichst viel Erdreich möglichst weit in die Luft zu katapultieren. Trotzdem sieht man den Zuschauern und Fahrern eines an: Wenn die Motoren heulen und der Matsch fliegt, möchte niemand woanders sein.

Swamp Buggies – So amerikanisch wie Schusswaffen und Hamburger

Swamp Buggie Racing konnte sich in Europa bislang nicht durchsetzen und auch im Rest der Vereinigten Staaten ist der Sport so gut wie nicht bekannt. So kommt es, dass die Fangemeinde der Sumpfrennmaschinen zwar nur aus wenigen Menschen besteht, die ihrem eigenen Rennsport aber um so treuer sind. Europäische Motorsportfans diskutieren lieber über die beeindruckenden Fahrdaten der Formel 1-Boliden, die meisten Amerikaner ziehen die Nascar-Serie jedem anderen Rennevent vor. Nur ein paar, etwas verrückte Fans in Florida wissen: Swamp Buggie Racing ist die einzig wahre Rennsportdisziplin.

(Bildmaterial: ©Shutterstock/410766877)


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