Federalna Magistral: die transsibirische Straße

Neben der Eisenbahn auch mit dem Auto quer durch Russland
Der Ausbau der Straße nützt nicht nur für Roadtrips, sondern erleichtert den Warentransport deutlich.
Die Straße führt durch bis dahin noch unerschlossene Gebiete. ESB Professional/Shutterstock.com
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Einleitung von Berit Hoffmann, Redakteur bei PKW.de 07.08.2018

Sie können Eurasien nicht nur im Zug, sondern auch mit dem Auto durchqueren. Die transsibirische Eisenbahn ist als längste Eisenbahnstrecke der Welt schon lange berühmt, weniger bekannt ist jedoch die Federalna Magistral, die ebenfalls die Kulturmetropole Moskau mit der Hafenstadt Wladiwostok verbindet. PKW.de erklärt Ihnen, was die transkontinentale Straßenverbindung ausmacht.

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Transkontinentale Straße als Alternative zur Eisenbahn

Die Gleise der transsibirischen Eisenbahn, auch Transsib genannt, bahnen sich auf 9.228 km ihren Weg von der russischen Hauptstadt Moskau durch Sibirien, entlang China und der Mongolei, bis schließlich Wladiwostok an der Pazifikküste erreicht ist. Eine alternative Route führt sogar bis nach Peking. Die Fahrt über insgesamt 7.000 km von Ost nach West und 3.500 km von Nord nach Süd beansprucht ganze 7 Tage, wenn Sie nonstop durchfahren.

Anders als die schon 1891 erbaute Eisenbahnstrecke, konnte die entsprechende Straße erst deutlich später Verkehr aufnehmen. Der Bau der mehrteiligen, aber ununterbrochenen Straßenverbindung namens Federalna Magistral wurde zwar bereits 1966 vom UdSSR Ministerrat beschlossen, aber selbst nach 10 Jahren Planung und Vorbereitung ging der Bau nur sehr langsam voran. Seit Baubeginn 1978 ging bereits in den 90er Jahren nach nur 600 der insgesamt über 9.000 km das Geld aus. Bis 2001 ging der Bau des Projekts sehr schleppend voran, denn er wurde zusätzlich durch vorher unerschlossenes Gebiet und viele Flüsse erschwert.

Die transsibirische Straße ist erst seit 2010 komplett asphaltiert

Schließlich wurde dann doch mehr investiert, sodass letztendlich ¼ des russischen Straßenbau-Budgets für die transsibirische Verbindung draufging. Scheinbar hat es sich gelohnt, denn schon 3 Jahre später wurde die komplett befahrbare Strecke eröffnet. Die Worte „komplett befahrbar“ sollten hierbei nur im simpelsten Sinne interpretiert werden: Ja, man kann auf der Strecke fahren, es ist jedoch weder für das Auto noch für den Fahrer sonderlich angenehm. Viele Abschnitte sind nicht asphaltiert oder schwer beschädigt. Von einer Autobahn kann man auch nicht unbedingt sprechen, denn die selten vier- und manchmal sogar nur einspurige Strecke ähnelt eher einer nicht sonderlich gut ausgebauten Bundesstraße – selbst Putin redet von „guten Feldwegen“.

Im September 2010 wurde mit der Fernstraße R297, die entlang des Grenzflusses Amur verläuft und alternativ auch so genannt wird, der letzte Teil der transsibirischen Straße asphaltiert. Mittlerweile bietet die transkontinentale Straßenverbindung eine durchaus gute Alternative zur Eisenbahn und ermöglicht eine verhältnismäßig schnelle Durchquerung Russlands, was vorher nur per Flugzeug oder Eisenbahn möglich war.

Russland hat landschaftlich viel zu bieten

Die transsibirische Straße läuft für einen Teil entlang des Grenzflusses Amur. Mikhail Varentsov/<a href='http://www.shutterstock.com/'>Shutterstock.com</a>
Die transsibirische Straße läuft für einen Teil entlang des Grenzflusses Amur. Mikhail Varentsov/Shutterstock.com

Die unter den Einheimischen auch Federalka genannte transsibirische Autostrecke bietet einen Einblick in die überraschend gastfreundliche und herzliche Kultur Russlands und zeigt die beeindruckende Landschaft in Sibirien. Die Fahrt führt Sie für eine kleine Ewigkeit durch die Taiga, den typisch nördlichen Nadelwald, bis Sie weiter östlich dann in die Steppe der Mongolei fahren. Wenn Sie hier aufmerksam auf die Umgebung achten, ist der buddhistische Einfluss zu erkennen: An den wenigen Bäumen hängen Fähnchen, auf denen Gebete geschrieben stehen.

Obwohl Sibirien für seine harten Winter bekannt ist, kann es dort auch durchaus heiß werden. Sommerliche 30° sorgen zusammen mit plötzlichen Regenfluten für ein schwüles Klima, wie man es in Sümpfen erwarten würde.
Unabhängig von Landschaft und Wetter, bleibt die transsibirische Eisenbahn ein treuer Begleiter und blitzt während der Fahrt entlang der Straße immer wieder zwischen Bäumen hervor.

Die Fahrt wird zu einem besonderen Erlebnis

Obwohl die transsibirische Straße durch atemberaubende Landschaften führt, unter anderem vorbei am Baikal, dem tiefsten See der Welt, und auch beeindruckende Städte wie Ulan-Ude in Burjatien nicht auslässt, verlangt die Strecke sowohl Ihnen als auch Ihrem Auto einiges ab. Gerade die Reifen und Felgen leiden, denn Schlaglöcher oder schlecht asphaltierte Straßen kommen nicht gerade selten vor. Die meisten der erstaunlich vielen Tankstellen sind daher mit Extra-Vorrichtungen zum erleichterten Reifenwechsel ausgestattet.

Neben den Tankstellen gibt es auch viele sogenannten Roadcafés, die Ihren Vorstellungen von Raststätten in der sibirischen Einöde wahrscheinlich recht nahekommen: Die rustikale und raue Einrichtung wird von einfachem, aber opulentem Essen begleitet. Die Bedienung ist auf den ersten Blick zwar etwas borstig, aber doch sehr herzlich und gastfreundlich.

Sollten Sie auf der Federalna Magistral fahren, empfehlen wir Ihnen, diese Rastmöglichkeiten auch auszunutzen, für die Fahrt brauchen Sie nämlich ein gutes Maß an Konzentration und eine schnelle Reaktionsfähigkeit. Das Tempolimit von 110 km/h wird zwar von den meisten Autofahrern zusammen mit anderen Straßenverkehrsregeln ignoriert, erweist sich nach kurzer Fahrt auf der schwierigen Strecke jedoch als gerechtfertigt. Dementsprechend beinhaltet die weitere Planung für den zukünftigen Ausbau der Strecke neben Hotels und besserem Handynetz auch mehrere Werkstätten.


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