Autonomes Auto fordert erstes Todesopfer

Uber-Fahrzeug rammt Fußgängerin in Arizona. Die Hintergründe.
Uber-Auto
Autonomes Uber-Auto am ersten autonomen Unfall mit Todesfolge beteiligt. vaalaa / Shutterstock
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 04.04.2018

Autonome Autos sind eine hochexperimentelle Technologie, die naturgemäß gewissen Risiken unterliegt. Zum ersten Mal ist jetzt in Arizona eine Fußgängerin bei einem Unfall mit einem autonomen Auto gestorben. Die 49-Jährige wollte sonntagnachts die Straße überqueren, an einer Stelle, die zwar den Eindruck eines Fußgängerüberweges vermittelte, aber nicht als solcher ausgeschildert war. Das Auto, ein Volvo XC90 mit dem Autonomiepaket von Uber, leitete keinen Bremsvorgang ein und die Kontrollfahrerin, die eigentlich die Verkehrssituation beobachten und im Notfall eingreifen sollte, war so mit ihrem Smartphone beschäftigt, dass auch sie nicht eingreifen konnte. Als Folge des Unfalls setzte Uber weitere Tests in San Francisco und Toronto bis auf Weiteres aus.

Uber erneut in der Kritik

Der Unfall in Arizona ist das Ergebnis einer Verkettung von mehreren Ursachen und Ereignissen, die die Suche nach einem Schuldigen kompliziert macht. Uber selbst stand in den letzten Jahren immer wieder wegen seiner Geschäftspraktiken in der Kritik. So werden die Fahrer teilweise extrem schlecht bezahlt und unter Androhung einer Kündigung zu Überstunden genötigt. Außerdem werden immer wieder Vorwürfe der sexuellen Belästigung, Mobbing und Erpressung aus den Chefetagen des Unternehmens laut. Es ist also leicht anzunehmen, dass die Hauptschuld an dem Unfall bei Uber selbst liegt. Tatsächlich testen Waymo, Ford und die meisten anderen Entwickler autonomer Autos ihre Fahrzeuge mit mindestens zwei menschlichen, professionell geschulten Fahrern an Bord.

Autonome Technologie mit Risiken

Auch wenn das Video, das wir an dieser Stelle aus Respekt nicht zeigen wollen, den Eindruck erweckt, die Fußgängerin sei erst wenige Meter vor dem Auto sichtbar gewesen, sollte das für einen echten Menschen kein Problem gewesen sein, denn Kameras sind extrem schlecht in der Darstellung dunkler Flächen. Viel wichtiger ist aber, dass das sogenannte LIDAR-System, das die Straße vor dem Fahrzeug mit einem Laser abtastet, auch bei absoluter Dunkelheit noch ein klares Bild von der Verkehrssituation liefern sollte. Es stellt sich also die Frage, ob dieses System ausreicht, um unsere Autos zu lenken, oder ob die Ingenieure, Programmierer und andere sehr kluge Menschen das Konzept an sich noch einmal überarbeiten müssten.

Menschen sind nicht perfekt, Maschinen erst recht (noch) nicht

Zuletzt muss man leider sagen: Wer bei Nacht eine breite Schnellstraße überquert, dazu noch ohne einen ausgezeichneten Überweg zu nutzen, der begibt sich völlig unnötig in Gefahr. Allerdings sollte das autonome Auto genau solche Situationen vermeiden können. Es mag zwar auch um Bequemlichkeit gehen, aber letzten Endes muss eine Technologie, die einen Menschen ersetzen soll, nicht nur genauso gut funktionieren, sie muss besser funktionieren. Dieser Unfall ist nur der tragische Beweis dafür, dass es noch viel Arbeit und Geld braucht, bevor wir selbstfahrende Autos auf öffentliche Straßen loslassen sollten.


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