Wie funktioniert eigentlich ein Airbag?

Von Ballons und Bomben, die Leben retten
Ohne den Airbag hätten Crash Test-Dummies einen viel härteren Job
Solche Unfälle gehen dank Airbag häufig glimpflich aus.
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 11.09.2017

Autofahren ist ein gefährliches Unterfangen. Auf der Landstraße fährt man mit 100 km/h am entgegenkommenden Verkehr vorbei, der selten langsamer unterwegs ist. Das Resultat eines Aufpralls mit 200 km/h ist ein Haufen Blechkonfetti, aus dem die Passagiere meistens mit schwerem Gerät herausgeschnitten werden müssen. Um die Überlebenschancen bei einem solchen Unfall zu steigern, gibt es neben Gurtstraffern und Knautschzonen auch Airbags. Diese Geräte retten jedes Jahr Tausende Leben. Ein genauerer Blick auf die Technologie offenbart eine Geschichte, die zunächst wenig praktikabel erscheint.

Mit Airbags Leben retten

Wie verhindert man Verkehrstote? Eine Senkung der Geschwindigkeitsbegrenzung kann genauso helfen wie die Ausbesserung schlechter Straßen. Oder man bestückt das Fahrzeug mit kleinen Bomben, die bei einem Aufprall heißes Gas in einen Ballon blasen. Genau so funktioniert nämlich ein Airbag. Allerdings ist es nicht mit einem Ballon und Schießpulver getan, die Ergebnisse einer solchen Konstruktion wären vermutlich verheerender als der Unfall an sich. Darum sind moderne Airbags echte Präzisionsgeräte, die keinerlei Toleranzen zulassen.

Sprengstoff im Auto?

Damit der Airbag Leben retten kann, muss er auf eine Millisekunde genau ausgelöst werden. Dafür werden moderne Autos mit einer Vielzahl von Sensoren ausgestattet, die jederzeit die aktuelle Fahrsituation messen und auswerten. Beschleunigungssensoren warten auf plötzliche Geschwindigkeitsänderungen, Drucksensoren suchen nach Zeichen eines Aufpralles. Sobald beide Sensoren einen Crash registrieren, wird eine Sprengladung gezündet. Feinste Partikel, die das Unfallopfer verletzen könnten, werden aus dem heißen Sprenggas gefiltert, das dann in den Airbag geleitet wird. Der ganze Vorgang dauert im Idealfall weniger als 50 Millisekunden, nur halb so lang wie ein Wimpernschlag. Zum Vergleich: So sieht ein Crash mit 50 km/h mit und ohne Aribag aus.

Den Airbag noch sicherer machen

Mit einer kleinen Bombe vor der Nase herum zu fahren, birgt natürlich ganz eigene Gefahren. Man stelle sich vor, die Airbags würden bei jedem kleinen Rempler auslösen. Es würden überall Fahranfänger mit gebrochenen Nasen herumlaufen. Darum löst der Airbag erst ab einer bestimmten Geschwindigkeit aus, die in langwierigen und teuren Crashtests ermittelt wird. Die heißen Explosionsgase kühlen sich zwar schnell ab, aber um Verbrennungen zu vermeiden, werden immer häufiger sogenannte Hybridsysteme eingesetzt. Hier bricht die Sprengladung einen Druckbehälter auf, der wiederum den Airbag mit Kaltgas befüllt.

Niemals den Airbag selbst austauschen!

Mittlerweile sollte klar sein, dass der Airbag zwar Leben retten, in den falschen Händen aber sehr gefährlich werden kann. Niemals sollte man versuchen, einen Airbag selbst zu warten oder auszutauschen. Wer auf der falschen Seite eines Airbags steht, kann sich schwere Verletzungen zuziehen. Auch in der Werkstatt oder auf dem Schrottplatz gelten für die Lebensretter strenge Entsorgungsvorschriften und selbst Rettungskräfte haben großen Respekt vor nicht ausgelösten Airbags. Nur fachmännisch installierte Airbags können Leben retten.

(Bildmaterial: NCAP)

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