Tuning mit dem Computer.
Kann man mit einem Computer tatsächlich mehr PS aus dem Motor kitzeln? Syda Productions / Shutterstock.com

Chiptuning: Mehr PS aus dem PC?

Kann Chiptuning tatsächlich jedes Auto schneller machen?

Wäre es nicht schön, aus dem alten Polo ein wenig mehr Leistung herauszuholen? Das Überholen auf der Landstraße wäre dann kein Himmelfahrtskommando mehr, und auf dem Schulparkplatz könnte man sich endlich mit den reichen Kindern messen, die schon lange im BMW zur Schule kommen. Ohne teure Anbauteile ist so eine Leistungssteigerung kaum möglich. Die Computernerds vergangener Zeiten haben trotzdem eine Lösung gefunden: Chiptuning soll auch dem ältesten Auto noch einmal neues Leben einhauchen, und das ganz ohne neue Teile kaufen zu müssen.

jonas
von Jonas Futschik, Redakteur*in bei PKW.de 04.10.2017

Computer auf Rädern

Moderne Autos werden nicht mehr über Seilzüge oder Steuerstangen kontrolliert, sondern über „ECU“ genannte Computer. Auf deren Speichern sind Daten für jede Fahrsituation hinterlegt. Wie viel Luft und Benzin müssen wann in die Zylinder gelangen, um den idealen Kompromiss zwischen Langlebigkeit, Effizienz und Leistung zu erreichen. An dieser Stelle setzt Chiptuning an: Mit einigem technischen Geschick und Verständnis für Computer ist es möglich, die Chips in den Bordcomputern zu „knacken“ und sie mit neuer Software zu beschreiben. Dadurch kann die Balance zwischen Leistung und Effizienz nach Kundenwunsch verschoben werden.

Chiptuning für mehr Leistung oder weniger Verbrauch

Chiptuning ermöglicht einige interessante Änderungen am Fahrverhalten: Ein fetteres Luft-Treibstoff-Gemisch führt zum Beispiel zu einer höheren Motorleistung. Manche Dienstleister versprechen Leistungssteigerungen von bis zu 50 Prozent. Auch eine Umprogrammierung in die andere Richtung ist denkbar: Sogenannte Eco-Chips sollen den Treibstoffverbrauch ohnehin schon effizienter Autos um weitere 20 Prozent senken. So werden die angeblichen Fehler der Ingenieure durch Privatpersonen korrigiert.

Keine Leistungssteigerung kommt ohne ihren Preis

Oder zumindest könnte man das meinen. In der Realität sieht die Sache schon wieder ganz anders aus: Tatsächlich darf man professionellen Ingenieuren einige Kompetenz unterstellen. Die ECUs in modernen Autos sind aus guten Gründen genau so eingestellt, wie sie vom Band laufen. Denn für jede Leistungssteigerung verschlechtert sich ein anderer Wert: Eine höhere Motorleistung hat eine geringere Lebensdauer zur Folge. Im schlimmsten Fall kommt es schnell zum Totalschaden, auf jeden Fall darf man aber mit einem höheren Verbrauch rechnen. Außerdem wird der erhöhte Abgasausstoß bei der nächsten Abgasuntersuchung nicht nur für strafende Blicke, sondern auch für einen Entzug der Betriebsgenehmigung sorgen. Ähnliches blüht Fahrern mit Eco-Chip. Ironischerweise steigt auch hier der Abgasausstoß, denn bei geringeren Motortemperaturen arbeitet der Katalysator nicht mehr wie vorgesehen.

Chiptuning – Vorsicht vor Scharlatanen

Wen man trotzdem nicht vom Chiptuning abbringen kann, dem sei also zur Vorsicht geraten. Seit den „Fast and Furious“-Filmen bezeichnen sich auch Leute als Tuner, die in der Nähe von Autos nun wirklich nichts verloren haben. Bevor man also den Cousin des besten Freundes des Kioskverkäufers an seinem Auto herumbasteln lässt, sollte man lieber das nötige Kleingeld in die Hand nehmen und eine professionelle Werkstatt mit dem Chiptuning beauftragen. Und noch eins: Ohne Turbolader macht Chiptuning wenig Sinn.

(Bildmaterial: ©Shutterstock)


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