Bremsweg berechnen – wie wird’s gemacht?

Wir erklären Ihnen, wie einfach der Bremsweg zu bestimmen ist und wovon er abhängig ist
Bremsweg berechnen – mit dieser Faustformel fahren Sie sicher.
Bremsweg berechnen – je nach Fahrbahnzustand und Witterung kann er stark variieren.
sascha
Einleitung von Sascha Nendza, Redakteur bei PKW.de 21.08.2015

Besonders Fahranfänger müssen zunächst ein Gespür für das Autofahren entwickeln und lernen, ihre Geschwindigkeit an die gegebene Fahrsituation anzupassen. Dazu gehört auch das richtige Abschätzen des Bremswegs. Doch wie lange benötigt ein Auto, um zum Stillstand zu kommen? Und wie kann man auf einfache Art den Bremsweg berechnen? Unsere Autoexperten geben Antwort.

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Ohne große Mühe – so einfach lässt sich der Bremsweg berechnen!

Vor allem Führerscheinneulingen, die noch wenig Praxis mit dem Abschätzen von Gefahrensituationen haben, kann es helfen, sich beim Fahren den Bremsweg zu vergegenwärtigen. Denn schließlich ist es für die Fahrsicherheit wichtig zu wissen, wie lange ein Auto ungefähr benötigt, um zum Stehen zu kommen. Damit weiß man auch, wie viel Abstand man zum Vordermann einhalten muss. Um den Bremsweg zu berechnen, gibt es eine einfache Formel: Hierfür liest man die aktuelle Geschwindigkeit auf dem Tacho ab und teilt diese durch zehn. Der sich daraus ergebende Wert wird anschließend mit zwei potenziert und schon erhält man die Länge des Bremsweges. Die Faustformel für den Bremsweg lautet demnach:

Bremsweg = (Geschwindigkeit in km/h ÷ 10)²

Beispiel
Wenn man den Bremsweg aus 120 km/h berechnen möchte, nimmt man ein Zehntel der aktuellen Tachoanzeige und multipliziert die Summe mit sich selbst. Bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h beträgt der Bremsweg bei einem normalen Bremsvorgang somit rechnerisch 144 Meter:

Bremsweg = (120 ÷ 10) x (120 ÷ 10) = 12 x 12 = 144

Für die Berechnung des Bremsweges bei einer Gefahrenbremsung teilt man diesen Wert durch zwei. Bei einer Notbremsung aus 120 km/h kommt der Wagen also nach etwa 72 Metern zum Stillstand.

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Wovon ist der Bremsweg abhängig?

Man sollte aber bedenken, dass der Bremsweg je nach Fahrzeugtyp, Witterungsverhältnissen, Straßenzustand sowie der Fitness des Fahrers stark variieren kann. Der tatsächliche Bremsweg ist also von einer Vielzahl von Faktoren abhängig und kann in der Praxis niedriger aber auch deutlich höher ausfallen als der rechnerisch ermittelte Wert. Im Normalfall wird der Bremsweg bei einem Auto mit ABS und auf trockener Straße sehr viel geringer ausfallen als die Bremsweg-Formel ausgibt. Dagegen kann er sich auf nasser Fahrbahn sowie mit abgefahrenen Reifen bereits merklich verlängern. Für eine Fahrt auf Schnee und Glatteis bietet der berechnete Wert allerdings keine verlässliche Referenz mehr, denn wie unser nachfolgendes Beispiel sowie die Tabelle verdeutlicht, liegt der tatsächliche Bremsweg deutlich über der kalkulierten Wegstrecke.

Will man etwa den Bremsweg aus 50 km/h berechnen, ergibt sich laut Bremsweg-Formel ein Wert von 25 Metern (50÷10)². In der Praxis liegt der Bremsweg bei einem modernen Fahrzeug mit ABS auf trockener Fahrbahn bei rund der Hälfte dieses Wertes. Hier besteht also ein ausreichendes Sicherheitspolster, wenn man sich an der Faustformel orientiert. Auf nasser Fahrbahn erhöht sich der tatsächliche Bremsweg allerdings bereits auf rund 20 Meter, die Reifenmindestprofiltiefe und eine intakte Bremsanlage vorausgesetzt. Bei Schnee und Glatteis liegt der tatsächliche Bremsweg aufgrund der enormen Verzögerung jedoch weit außerhalb des errechneten Wertes. Bis zum Stillstand des Fahrzeugs sind es dann mitunter mehr als 90 Meter. In diesem Fall sollten Autofahrer ihre Geschwindigkeit den Witterungsverhältnissen anpassen, den Sicherheitsabstand erhöhen und besonders umsichtig fahren. Zudem sollte man regelmäßig die Bremsanlage sowie die Bereifung seines Autos überprüfen lassen.

Anhalteweg entscheidend!

Was viele Autofahrer nicht wissen: Der Bremsweg umfasst nur die Strecke, die ab dem Zeitpunkt des Tretens des Bremspedals bis zum Stillstand des Kfz zurückgelegt wird. Der Bremsweg sollte also nicht mit dem Anhalteweg verwechselt werden. Der Anhalteweg umfasst den gesamten Bremsvorgang, der vom Erkennen des Hindernisses bis zum Stillstand des Fahrzeugs reicht und entsprechend deutlich länger ausfällt. Er schließt die Reaktionszeit (ungefähr 1 Sekunde) sowie weitere Parameter wie den Umsetzweg (Fuß auf das Bremspedal setzen), den Ansprechweg der Bremse (Bremsdruckaufbau) sowie den Schwellweg (Blockieren der Räder) mit ein.

Geschwindigkeit Bremsweg trocken Bremsweg nass Bremsweg bei Schnee Bremsweg bei Eis Reaktionsweg
in km/h in Meter (m) in m in m in m in m
30 4,34 6,94 17,36 34,72 8,33
40 7,72 12,35 30,86 61,73 11,11
50 12,06 19,29 48,23 96,45 13,89
60 17,36 27,36 69,44 138,89 16,66
70 23,63 37,81 94,52 189,04 19,44
80 30,86 49,38 123,64 246,91 22,22
90 39,06 62,50 156,25 312,50 25,00
100 48,23 77,16 192,90 385,80 27,77
110 58,35 93,36 233,41 466,82 30,55
120 69,44 111,11 277,78 555,56 33,33
130 81,50 130,40 326,00 652,01 36,11
140 94,52 151,23 378,09 756,17 38,88
150 108,51 173,61 434,03 868,06 41,66
160 123,46 197,53 493,83 987,65 44,44

Tabelle: Annähernder Bremsweg berechnet nach Geschwindigkeit und Fahrbahnbeschaffenheit. Die Werte sind abhängig von der Reifenqualität sowie dem jeweiligen Untergrund sowie dem jeweiligen Nässegrad der Straße (Quelle: ADAC).

(Bildmaterial: ©iStock.com/anyaberkut)

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