Auto fahren ohne Führerschein: Ist das legal möglich?

Diese Fahrzeuge dürfen Sie auch ohne Fahrerlaubnis führen
Wer in Deutschland wirklich Auto fahren möchte, kommt um den Führerschein nicht herum.
Motorisierte Rollstühle zählen als führerscheinfreie Kraftfahrzeuge. Marcel Jancovic/Shutterstock.com
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Einleitung von Berit Hoffmann, Redakteur bei PKW.de 02.08.2018

Kraftfahrzeuge darf man nur mit Führerschein fahren – oder etwa nicht? Tatsächlich gibt es einige Ausnahmen, die die Vorschriften aus § 4 der Fahrerlaubnisverordnung (FEV) umgehen, sodass bestimmte Fahrzeuge auch so legal gefahren werden dürfen. PKW.de hat für Sie im Folgenden zusammengefasst, welche führerscheinfreien Fahrzeuge es gibt und in welchen Fällen Sie so sogar normale Autos fahren können.

Fahrerlaubnis ist nicht gleich Führerschein

Viele wollen motorisiert am Straßenverkehr teilnehmen, aber nicht für alle ist der Führerschein eine Option, egal ob aus Prüfungsangst, Kostengründen oder einer nicht bestandenen MPU. Es gibt einige Fahrzeuge, die Sie ohne Fahrerlaubnis fahren können – und das auch noch legal.

Den meisten fällt als führerscheinfreies Fahrzeug zuerst das Mofa ein. Das stimmt allerdings nur so halb: Ja, ein Führerschein ist nicht notwendig, dafür aber eine Fahrerlaubnis und somit auch eine Art Prüfung. Ist die Theorieprüfung jedoch bestanden und die im Vergleich zum Führerschein sehr kurze Fahrausbildung absolviert, darf ein Mofa mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h gefahren werden. Die Auswahl der tatsächlich komplett fahrerlaubnisfreien Möglichkeiten ist jedoch nicht sonderlich groß und eher ernüchternd: Erlaubt sind Arbeitsmaschinen oder Mobilitätshilfen, aber auch immer erst ab einem Alter von 15 Jahren.

Ein Krankenfahrstuhl oder eine Mobilitätshilfe sind führerscheinfrei

Eine Art der führerscheinfreien Fahrzeuge sind Krankenfahrstühle und andere Mobilitätshilfen, deren eigentlicher Zweck es ist, die Mobilität von bewegungseingeschränkten Personen zu erhöhen. Fahren kann sie jedoch so ziemlich jeder.

Damit ein Fahrzeug als Krankenfahrstuhl gilt, muss es bestimmte Kriterien erfüllen: Es darf maximal 110 cm breit und 300 kg schwer sein. Wenn alle Mitfahrer samt Gepäck untergebracht sind, darf das Gesamtgewicht keine 500 kg überschreiten und die Höchstgeschwindigkeit darf bauartbedingt maximal 15 km/h betragen. Elektrische Krankenfahrstühle gibt es auch mit Dach, Radio, Klimaanlage, einem kleinen Kofferraum und Sitzplätzen für bis zu 3 Personen, wodurch das Gefährt dann zwar wie ein Auto in Miniaturformat aussieht, aber noch lange nicht dessen Vorteile hat.

Das Gleiche gilt auch für führerscheinfreie Mobilitätshilfen. Diese dürfen zwar nur 70 cm breit sein, können allerdings bis zu 20 km/h schnell fahren. Die Lenker-Halterung und die Bauweise lassen hier direkt erkennen, dass die Fahrzeuge kein Autoersatz für Personen ohne Führerschein, sondern eine Hilfe für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung sind.

Einige Arbeitsmaschinen setzen keinen Führerschein voraus

Auch manche Landwirtschafts- und Arbeitsmaschinen dürfen ohne Führerschein geführt werden, allerdings muss deren Bauweise direkt ihren Zweck erkennen lassen und als Höchstgeschwindigkeit 6 km/h zulassen. Dazu zählen zum Beispiel Stapler, Flurförderzeuge, Zug- oder andere selbst fahrende Arbeitsmaschinen, die über Holme bedient werden. Da der Gebrauch einiger dieser Maschinen jedoch wieder eine Art Fahrerlaubnis voraussetzt, eignen sich diese führerscheinfreien Kfz also auch nicht wirklich für den privaten Gebrauch im Straßenverkehr.

Auch Autos können ohne Führerschein gefahren werden – aber nicht überall!

Bevor Sie jetzt nervös anfangen, Ihre Autoschlüssel zu verstecken, können Sie sich erstmal wieder beruhigen. Ja, theoretisch dürfen normalerweise führerscheinpflichtige Fahrzeuge auch ohne Führerschein gefahren werden, allerdings nicht im Straßenverkehr und auch nicht, wie oft irrtümlich angenommen, auf Parkplätzen oder Feldwegen. Solche führerscheinfreien Übungsfahrten dürfen nur auf Privatgrundstücken gemacht werden, die beispielsweise durch eine Mauer oder eine Schranke deutlich vom sonstigen Verkehrsgeschehen getrennt und für normale Autofahrer nicht versehentlich zugänglich sind.

Zusätzlich ist auch eine speziell für Sie ausgesprochene Erlaubnis des Besitzers notwendig. Wenn Sie also ohne Führerschein üben wollen, können Sie das unter den oben genannten Bedingungen unter anderem in geschlossenen Parkhäusern, auf Ihrem eigenen Grundstück oder eben auch auf speziell dafür gemachten Verkehrsübungsplätzen tun. Diese haben allerdings wieder ihre eigenen Regeln, die Sie befolgen müssen.

Wenn möglich, sind Mofa, Fahrrad oder Bus bessere Optionen

Eine echte Alternative zum gewöhnlichen Pkw, die keinen Führerschein voraussetzt, gibt es im Straßenverkehr also nicht und im Zweifelsfall kommen Sie mit dem Fahrrad oder den Öffentlichen besser von A nach B. Das aber ja auch aus gutem Grund: Wer mit höheren Geschwindigkeiten am Straßenverkehr teilnehmen möchte, sollte das auch sicher können, um weder sich selber noch andere zu verletzen.

Im Ausland werden solche Sicherheitsmaßnahmen übrigens nicht immer so streng genommen. In Frankreich dürfen manche Miniautos bis zu 50 km/h komplett ohne Führerschein gefahren werden, aber wer viel Wert auf Verkehrssicherheit legt, sollte Frankreichs Straßen sowieso fernbleiben: Auch beim Fahren ohne Führerschein von normalen Autos wird da gerne mal ein Auge zugedrückt oder direkt ganz weggesehen. In Deutschland hingegen müssen Sie, wenn Sie dabei erwischt werden, nicht nur ordentlich blechen, sondern im Ernstfall auch mit einem Jahr Freiheitsstrafe rechnen.

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