Abschleppen von defekten Autos – So wird es gemacht

Immer wieder passieren beim Abschleppen Unfälle, die mit diesen Tipps ganz einfach vermieden werden können.
Abschleppen will gelernt sein.
Zum Abschleppen havarierter Autos braucht es mehr als nur ein Seil. happymay / Shutterstock.com
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Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 21.12.2016

Trotz aller Vorsicht passiert es manchmal, dass Autos einfach den Geist aufgeben. Wer mitten im Straßenverkehr liegen bleibt, sollte schnellstmöglich die Straße räumen, um Strafen zu vermeiden. Was aber, wenn die nächste Werkstatt mehrere Kilometer entfernt ist? Wer nicht Mitglied eines Automobilclubs ist, muss zum Abschleppen auf die Hilfe freundlicher Mitmenschen hoffen. Damit bei dem Manöver kein schlimmerer Schaden entsteht, gilt es aber einige wichtige Feinheiten zu beachten.

Abschleppen immer zu zweit

Das Offensichtliche zu erst: Der Fahrer des Unfallwagens muss in jedem Fall am Steuer sitzen. Besonders wenn mit einem Seil abgeschleppt wird, muss der Fahrer des Havaristen die Lenkbewegungen des Abschleppers nachvollziehen und möglichst zu gleichen Zeit bremsen, damit die Spannung im Seil erhalten bleibt. Beim Abschleppen mit einer Stange ist das Bremsen nicht so wichtig, dafür sollte um so mehr auf die Lenkung geachtet werden, denn durch die Scherkräfte in der Abschleppstange können die Gewinde der Abschleppösen beschädigt werden.

Abschleppen mit Seil oder Stange

Nicht jedes Auto darf abgeschleppt werden: Voraussetzung ist, dass die Warnblinker, Lenkanlage und Bremsen des havarierten Autos intakt sind. Das Lenkradschloss muss entriegelt sein. Achtung: Bei vielen Autos ist die Hydraulikpumpe der Servolenkung an die Lichtmaschine oder den Keilriemen des Motors gekoppelt. Die Lenkung kann bei abgeschaltetem Motor also sehr schwergängig sein. Die Anbringung des Abschleppseiles ist relativ einfach: In der Betriebsanleitung des Autos steht die Position der Schlepppunkte, an denen die Ösen aus dem Bordwerkzeug befestigt werden. Als Abschleppseil eignen sich Nylonseile besonders gut: Sie nehmen die hohen Kräfte, die beim Anfahren wirken effektiv auf und geben sie beim Bremsen wieder ab. Der kleine Ruck beim Anfahren wirkt so nicht auf das Auto selbst, sondern nur auf das Seil. In der Mitte des Seils muss eine rote Fahne zur Warnung von anderen Fahrern angebracht werden, sonst wird das Seil leicht zur Gefahr, besonders für Zweiradfahrer. Eine Abschleppstange verhält sich ähnlich, allerdings wirken die Bremsen des Zugfahrzeuges hier auch auf den Havaristen.

Kommunikation ist alles

Beim Abschleppen ist es ratsam, über Mobilfunk (natürlich nur über die Freisprecheinrichtung) in Kontakt zu bleiben. So kann der Fahrer des Schleppfahrzeugs den Havaristen vor dem Bremsen oder Anfahren warnen. Letzterer muss vor dem Abschleppen den Wagen auskuppeln und sicherstellen, dass Bremsen und Lenkung einwandfrei funktionieren. Höchstgeschwindigkeit unter Schlepp ist auf deutschen Straßen 50 km/h, der ADAC empfiehlt maximal 30 km/h. Die Fahrt sollte in jedem Fall auf direktem Wege in die nächste Werkstatt gehen.

Abschleppen braucht Ruhe

Das Abschleppen eines havarierten Autos kann besonders für unerfahrene Fahrer eine Herausforderung sein. Langsames und vorausschauendes Fahren ist darum besonders wichtig. Wer früh bremst und langsam anfährt, kommt auch mit einem anderen Fahrzeug im Schlepptau sicher in die nächste Werkstatt. Achtung: Es gibt Fahrzeuge, dich nicht abgeschleppt werden können: Bei Autos mit Allradantrieb kann durch einen Schleppversuch der Antriebstrang stark beschädigt werden und auch viele Elektroautos vertragen es nicht, ohne eigenen Antrieb bewegt zu werden.

(Bildmaterial: ©Shutterstock.com)


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