Aquaplaning: Wenn Regen zur Gefahr wird

Bei einer Rutschpartie immer die Ruhe bewahren!
Sobald der Kontakt zur Straße verloren geht, kann das Auto nicht mehr kontrolliert werden.
Was tun, wenn das Auto sich nicht mehr steuern lässt? Milkovasa/Shutterstock.com
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Einleitung von Berit Hoffmann, Redakteur bei PKW.de 23.07.2018

Bei oder nach starkem Regen verhält sich Ihr Auto nicht immer so, wie gewollt. Bei einem erhöhten Wasserstand auf der Straße kommt es zu der sogenannten Wasserglätte, besser bekannt als Aquaplaning, und die Reifen berühren die Fahrbahn nicht mehr. Obwohl der tatsächliche Effekt oft plötzlich auftritt, gibt es gewisse Maßnahmen, die Sie vorher treffen können, um die Kontrolle über Ihr Auto zu verbessern. PKW.de hat für Sie zusammengefasst, wie es zu Aquaplaning kommt und wie Sie darauf reagieren sollten.

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Wann tritt Aquaplaning auf?

Wie bereits erwähnt und auch aus dem Namen zu entnehmen, tritt Wasserglätte bei Wasser auf der Fahrbahn auf. Dieses Wasser muss durch das Auto verdrängt werden oder durch die Profilrillen im Reifen abfließen, damit diese Kontakt zum Fahrbelag haben können. Ist das aber nicht möglich, baut sich eine Art „Bugwelle“ vor dem Reifen auf, die eventuell unter diesen fließt. Da der Reifen im schlimmsten Fall nicht mehr auf der Straße aufliegt, sondern auf dem Wasser, können Lenk- und Bremskräfte nicht mehr übertragen werden und die Kontrolle über das Auto wird verloren.

Besonders stark tritt der Aquaplaning-Effekt in Spurrillen, Pfützen oder auf Straßen an Abhängen auf, da sich dort größere Wassermengen ansammeln. Auch an Straßen mit Senkungen, in Unterführungen oder in Kurven ist die Gefahr besonders groß, da dort die Kontrolle über Ihr Fahrzeug von größerer Bedeutung ist. Wenn Sie sich in einer Biegung befinden, ändert sich das Verhalten Ihres Autos, je nachdem an welchen Rädern die Wasserglätte auftritt. Verlieren Ihre Vorderräder den Kontakt zur Straße, rutschen Sie an den äußeren Rand der Kurve, bei den Hinterrädern schlägt hingegen das Heck aus. Sollten allerdings alle Räder rutschen, gleitet Ihr Fahrzeug geradeaus, wodurch Sie auch an den Rand der Kurve rutschen. Obwohl das Risiko auf Strecken mit hohen Geschwindigkeiten, wie Autobahnen oder Bundesstraßen, höher ist, sollten Sie bei Nässe überall aufmerksam und vorsichtiger fahren.

Schlechte Reifen erhöhen das Risiko deutlich

Wie stark Ihr Auto aufs Aquaplaning reagiert, hängt von mehreren Faktoren ab. Als einer der wichtigsten Faktoren gilt die Geschwindigkeit, da durch ein höheres Tempo das Risiko sehr schnell steigt. Relevant ist hierbei die Aufschwimmgeschwindigkeit>. Sie bezeichnet die Geschwindigkeit, ab der die Reifen aufschwimmen, also keinen Kontakt mehr zur Straße haben. In Reifentests, die mehrere Reifen vergleichen, wird häufig diese Geschwindigkeit getestet und bestimmt. Generell spielt die Qualität der Reifen eine große Rolle fürs Aquaplaning. Bei breiteren Reifen ist die Gefahr tendenziell höher, da mehr Wasser verdrängt werden muss. Ist jedoch ein gut konstruiertes und tiefes oder sogar speziell für Regen entworfenes Reifenprofil vorhanden, kann dadurch das Wasser abfließen und die Wasserglätte verhindert bzw. verringert werden. Wenn die Profiltiefe weniger als 3 mm beträgt, kann bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h auch schon reine Feuchtigkeit ausreichen, um die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren. Auch der Reifendruck sollte regelmäßig kontrolliert werden, da sowohl bei zu niedrigem als auch zu hohem Druck die Gefahr steigt.

Aquaplaning kann im Idealfall rechtzeitig erkannt werden

Selbst wenn Ihr Auto im besten Stand ist, Ihre Reifen die angemessene Profiltiefe haben und der Fahrbahnbelag gut ist, kann Aquaplaning auftreten. Es gibt mehrere Zeichen, die auf den Effekt hinweisen, wodurch Sie rechtzeitig darauf vorbereitet sein können. Sollten Sie also auf nassen Straßen fahren, ist generell eine geringere Geschwindigkeit angebracht, aber auch eine höhere Achtsamkeit auf das Verhalten Ihres Autos.

Wenn Ihr Auto nicht mehr den nötigen Kontakt zur Straße hat, steigt die Drehzahl, die Tachoanzeige zeigt unter Umständen nicht die richtige Geschwindigkeit an und die Kräfte, die Sie auf Ihr Lenkrad ausüben, werden nicht mehr wie gewohnt umgesetzt. Ebenfalls sollten Sie auf die Geräusche achten, die Ihr Fahrzeug im Kontakt mit dem Wasser von sich gibt, denn wenn Aquaplaning auftritt, kann es kurz zuvor ähnlich wie auf einem Motorboot klingen. Wir empfehlen Ihnen auch, auf das Fahrverhalten des Autos vor Ihnen zu achten, um das Ihres Fahrzeugs besser einschätzen zu können. Wenn Ihr Vordermann keine sichtbaren Reifenspuren auf der Straße hinterlässt, kann das auch ein Anzeichen dafür sein, dass dessen Reifen die Straße nicht mehr direkt berühren.

Sollten Sie rutschen: Füße von den Pedalen und gerade Lenken

Bei Aquaplaning werden auch Fahrassistenzsysteme wie ABS und ESP nicht helfen können, da diese zwar beim Ausbrechen der Räder diese wieder einfangen, aber wenn kein Kontakt zur Straße besteht, bringt das wenig. Am wichtigsten ist es, dass Sie bei starker Nässe Ihr Tempo drosseln und die Ruhe bewahren. Panisches Lenken oder Bremsen ist kontraproduktiv, da es, während das Aquaplaning gerade auftritt, erst keine Wirkung hat, aber sobald die Reifen dann doch wieder aufsetzen, das Auto abrupt in die falsche Richtung gezogen wird oder ins Schleudern gerät. Daher am besten den Gang rausnehmen, Fuß vom Gas und mit beiden Händen das Lenkrad möglichst gerade halten. Es kann teilweise hilfreich sein in der Mitte der Spur zu fahren oder den Reifenspuren des vorwegfahrenden Autos zu folgen, da dort weniger Wasser zu verdrängen ist.

Sollte der Regen so stark sein, dass Sie keine 50 m weit gucken können, empfehlen wir Ihnen, die Nebelleuchte einzuschalten und langsamer als 50 km/h zu fahren.
Generell sollten Sie bei Regen immer deutlich vorsichtiger und langsamer fahren und lieber auf den Tempomat verzichten, um die Temperatur je nach Verhältnissen anpassen zu können. Sollten Sie sich unsicher fühlen, können Sie auch ein Fahrsicherheitstraining durchführen, in Rahmen dessen auch das Fahren auf nassen Straßen geübt wird, um ein besseres Gefühl für das Verhalten Ihres Autos zu bekommen.


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