Was wurde eigentlich aus der Brennstoffzelle?

Die Vergangenheit der Zukunft
So verpackt toyota die Brennstoffzelle
Bei der Brennstoffzelle macht Toyota niemand etwas vor. Takashi Images / shutterstock.com
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Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 18.01.2019

Erinnern Sie sich noch an Ihren besten Freund aus der Schulzeit? Sie hatten große Pläne, die Welt wollten Sie gemeinsam erobern. Dann zog er weg, Sie heirateten, und heute fragen Sie sich manchmal, wie es ihm wohl ergangen ist. So ähnlich geht es uns mit der Brennstoffzelle. Als klar wurde, dass, oh Wunder, das Öl endlich ist und zudem die Luft vergiftet, wurde die Technologie als Retter der Welt gehandelt. Dann kam die Wirtschaftskrise und ein paar Jahre später ein gewisser Herr Musk, der sagte: Nein! Batterien sind die Zukunft. Und Raketen. Und Tunnel? Na ja. Die Brennstoffzelle verschwand in der Versenkung, aber 2018 schien neues Interesse die Technologie wiederzubeleben. Woher kommt das neu aufkeimende Interesse am Wasserstoff, und was steht der schönen neuen Autowelt noch im Weg?

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Brennstoffzelle vs. Elektroauto

Welche Vorteile bietet das batterieelektrische Auto? Es ist (noch ) leise, bietet bei allen Drehzahlen das gleiche hohe Drehmoment und erzeugt zumindest lokal keine stinkenden Abgase. Die Nachteile: Die Akkus sind extrem schwer, müssen oft stundenlang geladen werden und bieten viel weniger Reichweite als Benziner einer ähnlichen Preisklasse. Der Brennstoffzellenantrieb hat die meisten Vorteile auch. Zwar braucht der Wasserstoffantrieb einen Auspuff, der stößt aber nichts als reines Wasser aus. Der Tank eines solchen Autos lässt sich allerdings in nur wenigen Minuten befüllen und Reichweiten von 500 Kilometern sind problemlos möglich. Alles super also?

Leider nicht ganz: Elementarer Wasserstoff kommt auf der Erde so gut wie gar nicht vor. Man kann ihn entweder aus Kohlenwasserstoffen synthetisieren, was CO2 ausstößt, oder aus reinem Wasser gewinnen. Dabei wird aber eine Menge Energie nötig, die irgendwo herkommen muss. Und dann wäre da noch die Sache mit der Explosionsgefahr. Sagt Ihnen der Name Hindenburg etwas? Genau, das Luftschiff war mit Wasserstoff gefüllt.

Brennstoffzelle oder Bombe?

Das macht potenziellen Wasserstofftankern natürlich Angst. Nicht nur, dass das Gas bei 300 bis 700 bar gelagert werden muss, es hat zudem auch noch die Angewohnheit, in Kombination mit Luftsauerstoff sogenanntes Knallgas zu bilden. Und das trägt seinen Namen nicht ohne Grund. Allerdings ist gasförmiger Wasserstoff leichter als Luft. Das verhindert, dass sich durch ein Gasleck brennbares Gas unter oder um das Auto sammelt. Stattdessen steigt der Treibstoff nach oben und damit weg vom Fahrzeug. Davon abgesehen, sind weder Batteriefeuer noch Benzinbrände angenehmer als brennender Wasserstoff.

Warum ging die Brennstoffzelle unter?

Warum fahren wir also nicht schon längst alle Brennstoffzellenautos? Zum einen wären da mächtige und charismatische Menschen, die ein Interesse am Erfolg des batterieelektrischen Autos haben. „Unglaublich dumm“ und „extrem ineffizient“ sagte beispielsweise Elon Musk über die Brennstoffzelle. Und leider hat er damit nicht ganz unrecht, denn während Herstellung, Transport, Lagerung und Nutzung des benötigten Wasserstoffes gehen zwischen 40 und 50 Prozent der Energie verloren. Wenn man bedenkt, dass der Benzinmotor mit einem Wirkungsgrad von 25% daherkommt und den Rest der Energie als Hitze abstrahlt, relativiert sich diese Zahl aber schnell wieder.

Die Brennstoffzelle kommt zurück?

Warum aber kommt das Interesse an der Brennstoffzelle ausgerechnet jetzt wieder auf? Zum einen flaut der Hype um das Elektroauto langsam wieder ab. Teslas sieht man mittlerweile überall und sogar die Deutsche Post, die eigentlich nicht für Innovationskraft bekannt ist, fährt Elektrofahrzeuge.

Die Autoindustrie ist aber schon auf der Suche nach der nächsten Sensation. Da kommt die Brennstoffzelle gerade recht. Wer die Technologie als Erster zur Serienreife bringt, darf sich rühmen, die Umwelt am meisten zu lieben und der fortschrittlichste Autobauer zu sein. Außerdem scheinen viele potenzielle Käufer desillusioniert zu sein. Batterieelektrische Fahrzeuge sind eben doch noch nicht soweit, den Benzinmotor ersetzen zu können. Wo will man auch sein Auto laden, wenn man im achten Stock eines Wohnblocks lebt? Ein Verlängerungskabel aus dem Fenster hängen kann ja auch keine Lösung sein. Prinzipiell könnte die Brennstoffzelle diese Probleme zwar lösen, aber bis es soweit ist, muss vor allem die Effizienz der Elektrolyseanlagen gesteigert werden. Zum Glück wird daran gearbeitet, vor allem von Toyota.


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