Neue Regeln für Dieselfahrer

Was nun nach dem Gerichtsurteil auf die Dieselbesitzer zukommen kann.
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Fahrverbote drohen. Astrid Gast / Shutterstock.com
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Einleitung von Christoph Sedlmaier, Redakteur bei PKW.de 09.03.2018

Städte dürfen bald in Deutschland Fahrverbote für Dieselautos aussprechen. Diese Maßnahme ist nun mit dem Urteil aus Leipzig vom 27.02.2018 nun möglich geworden. PKW.de zeigt, was nun auf die Autofahrer zukommt und was es für Alternativen gibt, von möglichen Fahrverboten nicht betroffen zu sein.

Was bedeutet ein Fahrverbot für die Autofahrer?

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat dank seinem Urteil den Weg für die Verhängung von Dieselfahrverboten frei gemacht. Das Gericht hatte der Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) stattgegeben und die Revisionen der Bundesländer Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gegen die Verhängung lokaler Verbote, um die dortige Luftreinhaltung einzuhalten, abgewiesen. Nun ist es den öffentlichen Kommunen erlaubt, lokale Fahrverbote auszusprechen, um die Stickoxidbelastung in städtischen Ballungsräumen, besonders Problemzonen, einzudämmen. Doch wer befürchtet, es könnte nun pauschale Verbote regnen, der irrt: Das Bundesverwaltungsgericht hat in seiner Urteilsverkündung klargestellt, dass mögliche Verbote auf Basis der bestehenden Grundlagen und im rechtlichen Rahmen ausgesprochen werden müssen. Auch müssen die verhängten Fahrverbote ausdrücklich auf ihre Verhältnismäßigkeit überprüft werden und dürfen diese nicht überschreiten.

Stark betroffen von möglichen Fahrverboten sind laut dem ADAC Dieselfahrzeuge mit der Euro-4 und Euro-5-Norm. Das sind nicht nur Privatpersonen, sondern auch Handwerker, Reinigungsunternehmen und Rettungsdienste sowie kommunale Fuhrparks. Was kann der Dieselbesitzer also tun? Die effektivste Möglichkeit wäre es, eine Hardwarenachrüstung vornehmen zu lassen, damit die Menge des ausgestoßenen Stickoxides zurückgehen kann. Der ADAC hat dazu einen umfangreichen Test durchgeführt und konnte starke Ergebnisse erzielen. Dank dem SCR-Kat konnte die Harnstofflösung AdBlue den Schadstoffausstoß verringern: Innerorts ließ sich der Ausstoß um bis zu 70 Prozent senken, außerorts gelang sogar ein Rückgang bis zu 88 Prozent. Beim AdBlue-Verfahren verwandelt das System die Stickoxide in harmloseren Stickstoff und Wasserdampf. Allerdings handelt es sich hier um Maximalwerte, die natürlich einer Schwankung unterliegen können, aber trotzdem einen Fortschritt versprechen.

So gut die Lösung einer Hardwarenachrüstung auch ist, so ist sie mit Kosten in Höhe von schätzungsweise 1.400-3.300 € zu erwarten. Neben Besitzern sind natürlich auch Interessenten von einem Verbot betroffen: Um kostspielige Nachrüstungen und somit hohe Kosten zu vermeiden, sollten Sie sich ein Auto anschaffen, das bereits die Norm Euro 6d erfüllt. Noch dazu darf ein zu erwartender Wertverlust nicht unbeachtet bleiben.

Welche Alternativen zum Diesel gibt es?

Wer sich jetzt vom Diesel abgeschreckt fühlt oder den Gedanken hegt, umzusteigen, der kann auf Alternativen zurückgreifen, die es wert sind, mal näher betrachtet zu werden: Der Benziner, der Hybrid- oder der Elektroantrieb sowie Erdgas betriebene Autos sind die bestmöglichen Ideen, wenn man möglichst mobil und unabhängig bleiben will.

Der Benziner soll ab dem September diesen Jahres sauberer werden, indem er für Neuzulassungen mit einem Rußpartikelfilter ausgestattet sein muss. Ebenfalls können gebrauchte Direkteinspritzer mit einem Filter nachgerüstet werden, falls dies möglich ist, damit man eventuell nicht von den Umweltbestimmungen in Hinsicht auf den Benziner überrascht werden kann.

Bei einem Benziner lohnen sich besonders die kleineren Modelle, da sie bereits serienmäßig über einen Filter verfügen und keine Direkteinspritzung besitzen. Interessant ist in diesem Kontext die SkyActiv-Technologie des Autobauers Mazda.

Wer dem Benziner nicht traut oder die Spritpreise des Super 95 nicht mehr im vollen Umfang zahlen möchte, dem sei geraten, auf einen Pkw mit Hybridantrieb umzusteigen. Das Auto mit dem doppelten Antriebskonzept kann auf mittelfristige Sicht eine interessante Möglichkeit sein. Allerdings gibt es auch hier wieder einige Stolperfallen zu beachten: Da der Benzinmotor zur Unterstützung einer stärkeren Beschleunigung genutzt wird, stößt der meist nicht betriebswarme Direkteinspritzer deutlich mehr Feinstaub aus. Die Ausnahme scheint der Prius aus dem Hause Toyota zu sein. Da der Japaner einen Saugrohrmotor nutzt, stößt er weitaus weniger Partikel als die Konkurrenz aus. Interessant sind neben dem Prius die Modelle der Baureihen Auris, Yaris und das SUV C-HR, die ebenfalls mit einem Hybridantrieb angeboten werden.

Besonders für Kurzstreckenfahrer und Pendler im Berufsverkehr entwickelt sich der Elektrowagen zur interessanten Alternative. Durch die Möglichkeit, wenn gegeben, das eigene Auto an der heimischen Steckdose oder einer öffentlichen Ladesäule aufzuladen, ist diese Idee der Fortbewegung ein Mittel, das nicht unbeachtet sein sollte. Da der für die Aufladung der Batterien nötige Strom größtenteils durch regenerative Energien gewonnen und die Infrastruktur der Ladesäulen in den kommenden Jahren ausgebaut wird, ist der E-Motor damit auch für die Umwelt sicherlich nicht unverträglich.

Neben der Elektro- oder Hybridmobilität ist ein Auto mit Erdgasantrieb eine sehr spannende und auch lohnenswerte Ausweichmöglichkeit. Das deutsche Tankstellennetz ist für Gastreibstoff gut ausgebaut und die Preise bewegen sich ebenfalls im eher günstigeren Rahmen. Ebenso muss sich keine große Sorge um ein Angebot gemacht werden: Autobauer wie Fiat, Mercedes, Opel, Nissan oder Marken des VW-Konzerns, beispielsweise Audi mit dem A3 g-Tron, bieten bereits gasbetriebene Modelle an. Kraftfahrzeuge mit Wasserstoffantrieb gehören zu den umweltfreundlichsten Autos, allerdings ist das Angebot an möglichen Modellen mehr als überschaubar.

Revolution der Mobilität oder alles beim Alten?

Die Entscheidung des Leipziger Gerichts wird eine neue Form der Mobilität in Gang bringen. Die Frage ist nur, wie diese in Zukunft aussehen wird. Mit dem Blick auf die Zukunft gerichtet, sind die Brennstoff betriebenen Antriebe für den Personen-, aber auch Fracht- und Lieferverkehr nahezu unerlässlich. Der Diesel- wie Benzinantrieb wird noch für die Umgestaltung der Antriebsmöglichkeiten benötigt, um einen Wandel und Übergang zu neuen Innovationen und Konzepten zu ermöglichen. Auch ist Volvos Ankündigung, ab dem Jahr 2019 verstärkt auf Hybrid- und Elektroautos zu setzen, ein Schritt hin zu den neuen Alternativen.

Eine sehr wichtige Frage ist, inwiefern es in den kommenden Jahren geschafft wird, die Elektro- und Hybridantriebe für die Langstrecke tauglicher und stärker zu machen. Es ist bereits möglich, mit einem Elektroauto wie dem Tesla Model S oder X Strecken über 600 Kilometer zu bewältigen, allerdings muss dafür nach speziellen Tankstellen mit den richtigen Ladesäulen Ausschau gehalten werden, um eine schnelle Ladezeit zu garantieren. Somit wird ein langer und ausgeglichener Ausbau der Infrastruktur für Elektrofahrzeuge eine wichtige Aufgabe für die Politik sein, um die sich selbst gesetzten Klimaziele zu erreichen. Und vor allem auch, um die in Deutschland wachsenden Städte umweltfreundlicher zu gestalten.

Es ist in der Tat ein Balanceakt, dem sich Verbraucher, Industrie und Politik stellen müssen, denn es gilt neben einer sauberen und gesunden Stadtluft auch, den Industriestandort Deutschland nicht zu gefährden. Besonders die wirtschaftlichen Boomregionen München und Stuttgart, aber auch die wachsenden Städte wie Düsseldorf, Köln oder Hamburg müssen sich an der neuen Verkehrswende beteiligen.


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