Studie überführt die größten Diesel-Dreckschleudern

Auch Milliardenfonds entlastet Dieselfahrer nicht

Der Beste unter den Manipulierten: Der Mercedes E 220 d9G-Tronic schneidet vergleichsweise fast vorbildlich ab. Der Beste unter den Manipulierten: Der Mercedes E 220 d9G-Tronic schneidet vergleichsweise fast vorbildlich ab.

Besitzer von Diesel-Pkw blicken immer noch drohenden Fahrverboten in mehreren deutschen Innenstädten entgegen, die mittlerweile immer wahrscheinlicher werden dürften. Auch Gerichte sprechen sich inzwischen für derartige Restriktionen aus, bei denen wohl Stuttgart und München ganz oben auf der Liste stehen dürften. Das hat zunehmend Auswirkungen auf die Absatzquote und so sinken die Neuzulassungen des Selbstzünders für den Monat August von 45,3 Prozent aus dem Vorjahr auf etwa nur noch 37,7 Prozent. Doch von den 2,32 Millionen verkauften Pkw der ersten acht Monate waren immerhin noch 45,3 Prozent mit Dieselmotor ausgestattet. Das Problem: Der Diesel belastet die Umwelt im Vergleich zum Benziner zwar weniger mit CO2, aber umso mehr mit Stickoxiden (NOx), sodass die Belastung zum Teil deutlich über den EU-Grenzwerten liegt.

Neue Maßnahmen lassen Dieselfahrer außen vor

Beim neuerlichen Dieselgipfel zwischen Vertretern der Kommunen und Gemeinden mit Kanzlerin Merkel sowie einigen Bundesministern und Ministerpräsidenten sollten die Verbote abgewendet werden. Zum Zweck der Aufarbeitung wurde ein Fonds geschaffen, der nun nochmals um 500 Millionen auf rund eine Milliarde Euro aufgestockt wurde. Eine Beteiligung der verantwortlichen Automobilkonzerne bleibt hier jedoch mehr als fraglich. Die finanziellen Mittel sollen in erster Linie für die Umrüstung und Umstrukturierung der kommunalen Infrastruktur verwendet werden. So sollen umweltbelastende Müllautos, Kehrmaschinen und Busse modifiziert oder durch Erdgas-, Wasserstoff- oder Elektromodelle ersetzt werden, denn in einigen Städten machen Dieselbusse des ÖPNV rund zehn Prozent des Stickoxidausstoßes aus. Ob diese Maßnahmen jedoch ausreichen, um den Autofahrern die Fahrverbotszonen zu ersparen, bleibt ebenso unsicher.

Studie zeigt: Importfahrzeuge am umweltschädlichsten

Derweil zeigt eine breit angelegte Studie des Car-Instituts der Universität-Duisburg-Essen unter Führung von Autowissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer in Zusammenarbeit mit der Auto-Motor-und-Sport-Zeitschrift, dem ADAC, der deutschen Umwelthilfe und dem Kraftfahrtbundesamt, wie schädlich die gängigen Modelle tatsächlich sind. Die große Überraschung: Obwohl VW als erstes beim Dieselgate der Manipulation überführt wurde, schneiden die Wolfsburger unter den 138 getesteten Euro-6-Modellen noch vergleichbar gut ab – oder anders gesagt: Sie gehören zu den weniger katastrophalen Fahrzeugen, denn das Ergebnis des Alltagstests liest sich wie ein Offenbarungseid. Die schädlichsten Pkw kommen derweil mit Abstand aus Frankreich gefolgt von Italien und Japan. Im großen Durchschnitt ermittelten die Experten das 5,3-fache des erlaubten Grenzwertes von 80 Milligramm NOx.

Die fünf schlechtesten Modelle des Negativ-Rankings sind allesamt Importfahrzeuge, unter denen Renault klar der NOx-Champion ist. Gleich drei Modelle des französischen Fabrikateurs schafften es nahezu spielerisch in die Top fünf. Mercedes, VW und BMW kommen dagegen mit einigen Modellen noch am besten weg. Aber auch Marken wie Ford, Volvo oder Opel bekleckerten sich im Mittelfeld mit Werten zwischen 6,1 und 6,7 nicht gerade mit Ruhm.

Dreckigste Diesel (erlaubt 80mg NOx)
Modell Stickoxid (NOx) in mg
Renault Espace dCi 160 1.224
Renault Megane dCi 90 1.272
Nissan Juke 1.5 dCi 1.296
Renault Captur dCi 110 1.336
Fiat 500X 2.0 4x4 1.376
Die Norm in Reichweite
BMW 520d Luxury Line Steptronic 136
Mercedes E 220 d 120
VW Passat 2.0 I (EA288) 112
BMW 520d 112
Mercedes E 220 d9G-Tronic 104

Bricht alle Negativrekorde: Der Fiat 500X 2.0 4x4 übersteigt die gesetzliche Norm um mehr als das 17-fache.Bricht alle Negativrekorde: Der Fiat 500X 2.0 4x4 übersteigt die gesetzliche Norm um mehr als das 17-fache.

Für Renault, Fiat und Nissan dürfen Updates kaum reichen

Die Ergebnisse zeigen, dass der „Clean-Diesel“ kein Wunschtraum bleiben muss. Gerade bei den saubereren Modellen von Mercedes, VW und BMW könnten Updates tatsächlich helfen, durch minimale Verbesserungen in den grünen Bereich zu gelangen. Für die Negativ-Spitzenreiter Renault, Nissan und Fiat scheint es allerdings unwahrscheinlich, dass einfache Updates der Software 500X und Co. in den grünen Normbereich verhelfen können – hier wäre wohl die Umrüstung nicht zu umgehen.

Alle Angaben ohne Gewähr. (Quelle: Car-Center-Automotive-Research) *(Bildmaterial: ©Fiat Chrysler Automobiles, Daimler AG)

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