Die Wunderflunder aus dem Drucker

Divergent Microfactories baut 700 PS starken Blade
Divergent Microfactories Blade.
Kommt in Teilen aus dem Drucker: Divergent Microfactories Blade.
mario
Einleitung von Mario Hommen, Redakteur bei PKW.de 14.07.2015

Köln, 14.07.2015 – Ein atemberaubend schicker, kurvenreicher Sportwagen kann allein schon viel Aufsehen erregen. Verfügt dieser über 700 PS, umso besser. Doch was an der Blade genannten Wunderflunder am meisten beeindruckt: Das Auto kommt aus einem 3D-Drucker. Zumindest in Teilen. Hinter der zukunftsweisenden Produktionstechnik steckt die US-Firma Divergent Microfactories, die mit dem Blade zeigen will, dass der Autobau der Zukunft revolutionär anders und vor allem auch weniger energieintensiv werden könnte.

Ein optisch beeindruckendes Statement: Sportwagen Blade der Firma Divergent Microfactories.
Ein optisch beeindruckendes Statement: Sportwagen Blade der Firma Divergent Microfactories.

Derzeit ringen Autohersteller darum, die Verbrauchswerte und damit den CO₂-Ausstoß von Autos zu senken. Das Klima wird es danken. Doch die lokalen Emissionen, die ein Auto verursacht, sind nur ein Teil der gesamten Energiebilanz. Der CO₂-Anteil bei der Produktion wird hingegen kaum hinterfragt. Und hier will die Firma Divergent Microfactories neue, weniger energieintensive Produktionsformen ins Spiel bringen. Immerhin 17 Prozent der Gesamt-CO₂-Emissionen von konventionell betriebenen Autos wird bei deren Herstellung verursacht.

Die Außenhaut des Blade hat Divergent Microfactories auf konventionelle Weise herstellen lassen.
Die Außenhaut des Blade hat Divergent Microfactories auf konventionelle Weise herstellen lassen.

Divergent Microfactories will mit seiner Produktionstechnik diese CO₂-Bilanz deutlich verbessern. Mit dem Druckverfahren sollen sich sehr anspruchsvolle und stabile Konstruktionen mit geringem Energie- und Kostenaufwand realisieren lassen. Clever außerdem: Wer nicht gleich eine große Fabrik aufbauen will, könnte mit den smarten 3D-Druckern auch den Aufwand in Hinblick auf die Produktionsanlage minimieren. Sogar das Problem teurer Einfuhrzölle ließe sich umgehen, denn Autos könnten direkt in dem jeweiligen Zielland aus dem Drucker kommen und dann vor Ort montiert werden.

Diese Verbindungsstücke druckt ein 3D-Printer aus Aluminiumpulver. Sie bilden die Basis für das Blade-Chassis.
Diese Verbindungsstücke druckt ein 3D-Printer aus Aluminiumpulver. Sie bilden die Basis für das Blade-Chassis.

Tatsächlich stammen im Fall des Blade genannten Prototypen allerdings nur die Verbindungsteile des Chassis aus dem Drucker. Diese Knotenstücke werden aus Aluminiumpulver gedruckt und verbinden bereits fertige, handelsübliche Karbonstangen miteinander. Der Vorteil dieser Bauweise: Sie ist flexibel in alle Richtungen skalierbar und extrem leicht. Im Fall des Blade soll die Unterbau-Konstruktion lediglich 28 Kilogramm wiegen.

Der Blade ist konventionell angetrieben. Immerhin soll das Benzin-Aggregat von Mitsubishi auch Gas verbrennen.
Der Blade ist konventionell angetrieben. Immerhin soll das Benzin-Aggregat von Mitsubishi auch Gas verbrennen.

Viele andere Teile des Blade wurden hingegen noch auf konventionelle Weise hergestellt. Wie zum Beispiel die Karosserieteile oder der Motor, bei dem es sich um einen modifizierten Vierzylinder-Benziner aus dem Mitsubishi Evo Lancer handelt, der besagte 700 PS leisten soll. Das Aggregat soll neben Benzin auch Gas verbrennen können, was für eine günstigere CO₂-Bilanz sorgt. Doch ein Ökoauto ist der Blade letztlich nicht, denn ehrlich gesagt handelt es sich um einen eigentlich sinnfreien Supersportler, der angeblich in knapp über 2 Sekunden auf Tempo 100 sprinten kann. Das hat dann doch wenig mit dem Umweltgedanken zu tun, den Divergent Microfactories propagiert.

Sorgen für Wow-Optik: Die Flügeltüren des Blade von Divergent Microfactories.
Sorgen für Wow-Optik: Die Flügeltüren des Blade von Divergent Microfactories.

Letztlich geht es aber Divergent Microfactories darum, mit dem Blade für seine 3D-Drucker-Technik Werbung zu machen. Mit einem dramatisch inszenierten Sportwagen erzeugt man wesentlich mehr Außenwirkung als mit einem schmucklosen Vernunftmobil.

Ob der sicherlich ernstzunehmende 3D-Drucker-Ansatz beim Chassisbau von exklusiven Sportwagen-Herstellern als revolutionärer Ansatz angesehen und zukünftig genutzt wird, bleibt abzuwarten. Das erste Ergebnis in Form des Blade wirkt durchaus vielversprechend. Auch Divergent Microfactories verspricht viel: Auf einer Präsentation Ende Juni 2015 in San Francisco wurde bereits eine Serienproduktion angedeutet, bei der man 10.000 Fahrzeuge pro Jahr aufbauen könnte. Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten, denn selbst ein echter Prototyp kann noch meilenweit von einem markt- und zulassungsfähigen Produkt entfernt sein.

(Bildmaterial: Divergent Microfactories)


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