Abgasfarbe: Das verraten die Auspuffgase über den Motor

Es qualmt mehr als sonst aus dem Auspuff? Ungewöhnliche Abgase sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden.
Abgasfarbe: So sollte es nicht aussehen
Wenn Ihr Auto so qualmt, ist es meistens schon zu spät. Was bedeuten Abgasfarben? Toa55 / Shutterstock.com
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Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 01.12.2017

Ein bisschen Rauch aus dem Auspuff ist ja ganz normal. Was aber, wenn im Rückspiegel plötzlich nur noch eine schwarze Nebelbank zu sehen ist? Ungewöhnliche Abgasfarben können mehrere Ursachen haben, von denen sich einige schnell und unkompliziert beheben lassen. Andere wiederum kommen einem kompletten Neubau des Motors nahe. PKW.de hat tief eingeatmet und sagt Ihnen, was die Farbe der Abgase über den Zustand des Motors verrät.

Die normale Abgasfarbe

In einem gut funktionierenden Motor wird nur Benzin oder Diesel verbrannt. Dabei entstehen verschiedene Verbrennungsprodukte, die dann durch den Auspuff in die Umwelt gelangen. Den Großteil dieses Stoffgemisches macht das CO2 aus, aber auch Kohlenwasserstoffe, Stickoxide und Kohlenmonoxid finden sich darin. Keiner dieser Stoffe ist wirklich gut sichtbar. Was man also aus dem Auspuff kommen sieht, ist eine Mischung aus feinsten Rußpartikeln und Kondenswasser. Letzteres entsteht, wenn heiße Gase auf kältere stoßen. Die Kondensstreifen am Himmel entstehen auch so. Wenn der Motor allerdings nicht mehr so rund läuft, verändert sich oft auch die Zusammensetzung, und damit die Farbe, der Abgase.

Weißer Rauch aus dem Auspuff: Wasser, wo keines sein sollte.

Weißer Rauch aus dem Auspuff deutet darauf hin, dass irgendwo Wasser ins Abgas gelangt. Das kann im Auspuff passieren, wenn das Auto zum Beispiel an einem kalten Tag abgestellt wurde. Dann sammelt sich Kondenswasser im Auspuffrohr, das durch die heißen Abgase langsam verdampft. Das ist gar kein Problem und nicht gefährlich. Wenn der Dampf aber nach ein paar Kilometern immer noch aus dem Auspuff quillt, hat der Motor ein ernsteres Problem.

In einem Motorblock zirkulieren drei verschiedene Flüssigkeiten: Treibstoff, Öl und Kühlmittel. Die Zylinderkopfdichtung soll diese Flüssigkeiten davon abhalten, sich zu vermischen. Brennt sie durch, kann Kühlmittel, das zum größten Teil aus Wasser besteht, in die Brennkammer eindringen. Dort verdampft es und tritt in dicken, weißen Schwaden aus dem Auspuff aus. Eine Überprüfung des Kühlsystems gibt Aufschluss: BEI KALTEM MOTOR können Sie den Deckel des Kühlmittelbehälters öffnen, Wasser nachfüllen und den Motor anlassen. Wenn Sie jetzt Blasen im Kühlmittel sehen, liegt es mit großer Wahrscheinlichkeit an der Zylinderkopfdichtung. Die gute Nachricht: Wenn Sie Ihr Auto nicht weiter fahren, kann man einen solchen Defekt meistens beheben. Die schlechte Nachricht: Es könnte teuer und aufwendig werden.

Schwarzer Rauch aus dem Auspuff: Rolling Coal?

Was einige der weniger sozialkompetenten Amerikaner zum Volkssport erhoben haben, kann einem hierzulande nicht nur strafende Blicke, sondern auch eine saftige Geldstrafe einbrocken. Wer während der Fahrt dicken schwarzen Qualm absondert, hat entweder ein Problem mit der Lambda-Sonde, den Zündkerzen oder der Motorsteuerung. Schwarzer Qualm aus dem Auspuff entsteht durch die unvollständige Verbrennung. Treibstoffrückstände verrußen und treten aus dem Auspuff aus. Der schwarze Rauch ist das Ergebnis. Zum Glück sind solche Fehler meistens echte Routineprobleme und darum leicht behoben. Ein Besuch in der Werkstatt wird aber trotzdem sein müssen, denn die komplexen elektronischen Systeme, die in modernen Autos stecken, lassen sich nicht in der heimischen Auffahrt warten.

Blauer Rauch aus dem Auspuff: Blauer Rauch = Blaues Auge?

Wenn Ihr Auspuff weiß raucht, kann es sich lohnen, genau hinzusehen. Ist der Rauch vielleicht doch hellblau? Das ist ein Hinweis auf ein anderes Problem, das allerdings ähnliche Ursachen haben kann. Diesmal ist es nicht das Wasser, sondern Motoröl, das in die Brennkammern gelangt. Das Abgas selbst ist für Ihr Auto zwar nicht sehr gefährlich, das grundliegende Problem kann aber einen kapitalen Motorschaden verursachen. Glück haben Sie, wenn Sie versehentlich zu viel Öl eingefüllt haben. Dann steigt der Druck im Ölsystem und das Schmiermittel drückt sich an den Zylinderringen vorbei in die Brennkammer, wo es zu hellblauem Rauch verbrennt. Ein Ölwechsel schafft hier Abhilfe. Wenn der Ölstand in Ordnung ist, gibt es noch einige weitere Ursachen, die den blauen Rauch aus dem Auspuff hervorrufen können. Zunächst kann es wieder die Zylinderkopfdichtung sein. Überprüfen Sie Öl und Kühlmittel. Wenn im Kühlmittelbehälter eine hellbraune, milchige Flüssigkeit zu sehen oder das Öl schaumig geschlagen ist, ist die Dichtung kaputt. Dann muss sowohl Öl als auch das Kühlmittel und natürlich die Dichtung ausgetauscht werden. Und undicht geht es weiter: Ein defekter Zylinderring oder eine poröse Ventilschaftdichtung lässt ebenfalls Öl in die Brennkammern gelangen. Diese Defekte kann man aber nicht ohne Hilfe einer professionellen Werkstatt diagnostizieren. Hierfür wird spezielles Werkzeug benötigt. Leider sieht man auf der Straße immer noch viel zu viele Autos, die mit Abgasproblemen unterwegs sind. Denken Sie bitte daran: Ungewöhnliche Abgasfarben sind Symptome schwerer Probleme, die schlimmstenfalls einen Totalschaden hervorrufen. Die Autowerkstatt Ihres geringsten Misstrauens hilft Ihnen bei der Lösung des Problems.

(Bildmaterial: ©Shutterstock)


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