Schneeketten anlegen – so funktioniert’s!

Wann die Traktionshilfen zum Einsatz kommen sollten und was es beim Aufziehen zu beachten gilt, erfahren Sie hier
Schneeketten anlegen – dies gilt es zu beachten!
Bessere Traktion: Das Anlegen von Schneeketten verhindert auf glattem Untergrund ein Durchdrehen der Räder.
christian
Einleitung von Christian Schmid, Redakteur bei PKW.de 05.10.2015

Auf eingeschneiten Straßen und vereisten Pisten kommen auch die besten Winterreifen schnell an ihre Grenzen. Um dann noch von der Stelle zu kommen sowie Anstiege sicher zu meistern, bleibt meistens nur noch der Einsatz von Schneeketten als letzte Rettung. Wie man diese verwendet und worauf es dabei zu achten gilt, erfahren Sie hier.

Jetzt auf PKW.de günstige Gebrauchtwagen finden

Wann und wo brauche ich Schneeketten?

Wer im Winter in Regionen unterwegs ist, in denen besonders viel Schnee und Eis liegt, sollte unbedingt einen Satz Schneeketten mit an Bord haben. Denn vor allem an Steigungen und auf vereistem Untergrund geht es ohne die stählernen Traktionshilfen oft nicht mehr voran. Dabei gilt die Devise: Schneeketten anlegen, bevor man stecken bleibt! Auf besonders kritischen Streckenabschnitten signalisiert zudem ein rundes blaues Straßenschild mit Schneeketten-Symbol die Pflicht, Stahlketten aufzuziehen. Dann heißt es unverzüglich zu handeln und die Ketten auf die Antriebsräder zu montieren.

Besonders Autofahrer, die im Winter in die Alpen reisen, sollten für den Schnee gut gerüstet sein. In Österreich und der Schweiz gilt auf bestimmten Straßen und Pässen eine Schneekettenpflicht. Bei Verstoß kann vor allem in Österreich ein empfindliches Bußgeld von bis zu 5.000 Euro drohen. Zudem sind in der Alpenrepublik nur Spurkreuzketten erlaubt, die der Ö-Norm V5117 sowie V5119 entsprechen. Mittlerweile gibt es auch textile Schneeketten, die jedoch die stählernen Ketten nicht ersetzen, sondern lediglich als Anfahrhilfe zu verstehen sind. Bei vorgeschriebener Schneekettenpflicht werden sie nicht anerkannt, sodass ebenfalls ein hohes Bußgeld drohen kann.

Schneeketten anlegen will geübt sein!

Damit die Schneeketten für den erforderlichen Vortrieb sorgen können, müssen sie richtig aufgezogen werden. Zunächst einmal gilt es den Radkasten und die Reifenfläche von Schnee und Eis zu befreien, damit man genügend Freiraum hat, um die Kette anzulegen. Anschließend breitet man die Schneeketten mittig vor dem Reifen aus und achtet darauf, dass alle Kettenglieder freigängig sind. Nun wird die Kette hinter dem Rad durchgeführt und nach oben über den Reifen gelegt und mit dem Sicherungsring hinten verschlossen. Dann wird die Kette auf der Lauffläche des Reifens ausgerichtet und im oberen Bereich festgemacht. Wer Beschädigungen an der Felge vermeiden möchte, sollte darauf achten, dass die Kettenglieder auf dem Gummi aufliegen. Danach wird die Kette im unteren Bereich des Reifens in den Kettenspanner eingeführt, straff gezogen und das Ende der Kette eingehakt, damit sie sich nicht lösen kann.

Nach wenigen Metern sollten die Schneeketten zur Sicherheit noch einmal nachgespannt werden. Eine zu locker sitzende Kette bietet nicht nur weniger Grip auf dem gefrorenen Untergrund, sondern birgt auch die Gefahr einer Beschädigung am Reifen oder dem Radkasten. Bei modernen Komfort-Schneeketten ist dagegen ein Nachspannen nicht mehr erforderlich, hier wird die Spannung automatisch reguliert.

Je nach Kettentyp kann die Montage auf unterschiedliche Weise erfolgen. Am besten ist, man liest sich die Bedienungsanleitung der Schneeketten aufmerksam durch und übt das Anlegen unter trockenen und etwas wärmeren Bedingungen. Denn oft ist das Hantieren im engen Radkasten und bei Minustemperaturen recht beschwerlich. Und Übung macht bekanntlich den Meister!

 

Wer übrigens die Schneeketten auf Alufelgen aufziehen möchte, bekommt im Fachhandel dafür spezielle Schutzabdeckungen zu kaufen, die bei der Montage der Ketten mit angebracht werden.

Wie schnell darf ich mit den Traktionshilfen fahren?

Beim Fahren mit Schneeketten gilt grundsätzlich eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Wenn Sie Ihr Auto nicht beschädigen möchten, sollten Sie dieses Tempo nicht überschreiten. Reißt eine Kette während der Fahrt, können nicht nur Schäden am Fahrzeug entstehen, der Wagen kann auch ausbrechen. Beim Fahren mit Schneeketten sollten Assistenzsysteme wie ESP oder ASR möglichst deaktiviert werden, da mit solchen Systemen zumeist nicht genügend Kraft auf die Räder übertragen wird.

Kostenlose und faire Sofort-Bewertung Ihres Fahrzeugs

Schneeketten leihen oder kaufen?

Je nach Fahrzeugmodell, Reifengröße und -querschnitt sowie Qualität der Ketten können die Preise von 30 Euro bis zu mehreren Hundert Euro betragen. Daher kann es sich stattdessen lohnen, die Schneeketten zu leihen. Etwaige Mietangebote offerieren die meisten Automobilclubs. Der ADAC bietet die Ketten beispielsweise auf Mietkaufoption. Zunächst werden die passenden Traktionshilfen käuflich erworben. Wurden die Schneeketten nicht gebraucht, können diese dann anschließend einfach wieder zurückgegeben werden. In diesem Fall wird der Kaufpreis zurückerstattet und lediglich eine Mietgebühr von vier Euro pro Kalendertag erhoben.

Übrigens:
Auch Fahrzeuge mit Allradantrieb entbehren nicht der Schneekettenpflicht. Hier gibt es allerdings keine gesetzliche Regelung, auf welcher Achse die Ketten aufzuziehen sind. Im Idealfall zieht man sie auf alle vier Reifen auf, dazu ist allerdings ein zweiter Kettensatz erforderlich.

(Bildmaterial: ©iStock.com/filrom)


Weitere Artikel zu diesem Thema