Wegfahrsperren: So sicher sind sie wirklich

Die Details der elektronischen Diebstahlsicherung für Sie erklärt
Mittlerweile werden Signale verschlüsselt gesendet
Durch den richtigen Autoschlüssel wird Ihr Auto wieder bereit zur Fahrt. welcomia/Shutterstock.com
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Einleitung von Berit Hoffmann, Redakteur bei PKW.de 03.07.2018

Wegfahrsperren existieren in allen möglichen Ausführungen und zu verschiedenen Zwecken. Hauptsächlich sollen die verschiedenen Vorrichtungen dem Schutz vor Diebstahl dienen, allerdings werden sie auch von Ordnungshütern genutzt, zum Beispiel um Schulden einzufordern. In diesem Artikel fokussieren wir uns auf die elektronische Wegfahrsperre und erklären Ihnen, was es damit auf sich hat.

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Elektronische Wegfahrsperren verhindern das unerlaubte Starten Ihres Autos

Die Methode zur Diebstahlsicherung, die wir in diesem Artikel genauer erklären werden, ist die elektronische Wegfahrsperre. Hierbei handelt es sich um eine Vorrichtung, mithilfe derer verhindert werden soll, dass ein Auto unerlaubt gestartet bzw. entwendet wird. Diese Wegfahrsperre wird von Ihnen als Autofahrer wahrscheinlich im Alltag nicht bemerkt, da Sie diese beim Abschalten des Pkw automatisch aktivieren und mit Ihrem Autoschlüssel auch ohne Aufwand wieder deaktivieren.

Hierbei unterscheidet man zwischen verschiedenen Generationen der Wegfahrsperre: Die zu Beginn der 90er Jahre eingeführte und somit erste elektronische Wegfahrsperre funktionierte auf dem Prinzip der Dreikreisunterbrechung. Dabei werden bei Aktivierung der Sperre die Verbindungen zum Anlasser, der Zündung und Benzinzufuhr getrennt, wodurch ein Motorstart unmöglich ist. Diese Generation war allerdings sehr fehleranfällig, da lediglich ein elektrischer Schalter überbrückt werden musste, um die Sperre zu überbrücken und den Motor zu starten.

Sicherheit durch Magnetfrequenzidentifizierung

Erfolgreicher war die zweite Generation der Wegfahrsperre, die Mitte der 90er Jahre eingeführt wurde. Hier wird bei einer Aktivierung das Motorsteuersystem blockiert und erst wieder zur Nutzung freigegeben, wenn ein elektrischer Puls die Motorstarterlaubnis erteilt. Dieser elektrische Puls wird über das Motorsteuergerät mithilfe eines RFID-Chips (radiofrequency identification) erzeugt. Der Chip befindet sich in Ihrem Autoschlüssel und ist mit einer bestimmten Seriennummer versehen. Das Bordsystem fragt diese nun ab und wenn der Schlüssel über die richtige Nummer verfügt, kann die Wegfahrsperre deaktiviert werden.

Bei der dritten Generation der Wegfahrsperren handelt es sich um eine optimierte Version der vorherigen Generation. Hierbei wird das Signal des RFID-Chips nun verschlüsselt. Je nach Hersteller können Sie die Wegfahrsperre alternativ auch durch einen numerischen Code oder durch galvanische Kontakte in Schlüsselanhängern deaktivieren.

Alkoholisiertes Fahren kann durch ein Alkolock verhindert werden

Eine weitere Art der Wegfahrsperre verbindet das Motorstartsystem mit einem Alkoholtest, um das Starten des Wagens bei einem zu hohen Blutalkoholspiegel zu verhindern. In Deutschland sind diese sogenannten Alkolocks noch freiwillig, in Frankreich und Schweden jedoch schon in Schulbussen und in Belgien auf richterlichen Beschluss verpflichtend einzubauen. In den Niederlanden werden die Alkolocks verwendet, um Alkoholsünder für 2 Jahre vom Fahren unter Alkoholeinfluss abzuhalten. Auch in der gesamten EU wird aktuell diskutiert, ob man diese Wegfahrsperre als Maßnahme gegen Alkoholunfälle nutzen soll.

Die elektronische Wegfahrsperre kann bei einem Defekt in einer Werkstatt deaktiviert werden

Bis hier haben wir für Sie zusammengefasst, wie die elektronische Wegfahrsperre funktioniert und wie sie im Regelfall deaktiviert werden kann und soll. Manchmal kommt es jedoch vor, dass Sie selbst mit dem richtigen Autoschlüssel Ihren Wagen nicht mehr starten können. Ein solcher Defekt ist meist auf eine von zwei Ursachen zurückzuführen: Entweder ist die Batterie des Entriegelungsmechanismus im Schlüssel oder die Autobatterie leer. Die Batterie Ihres Autoschlüssels können Sie mit etwas Geschick selber wechseln. Anleitungen dafür finden Sie meist in der Betriebsanweisung Ihres Autos oder im Internet. Wenn Sie hierbei schnell sind, bleiben die Daten gespeichert und der RFID-Transponder ist weiterhin für Ihr Auto zugelassen.

Wenn die Fahrzeugbatterie leer ist, der Wechsel am Schlüssel nicht schnell genug war, oder ein Kurzschluss auftrat, muss der RFID-Chip allerdings neu für Ihr Auto angelernt werden. Dies sollten Sie in einer Werkstatt durchführen lassen, da dort meist auch die Elektronik, der Transponder und weitere Kfz-Teile überprüft werden, um eventuell vorhandene andere Ursachen für den Defekt zu beheben. Auch bei Verlust des Autoschlüssels und einem Wechsel der Motorsteuerung muss ein Transponder neu angelernt werden.
Das Fachpersonal verfügt auch über Geräte, die die elektronische Sperre überwinden und so die Wegfahrsperre deaktivieren können. Der eigene Gebrauch und die Mitführung eines solchen Geräts ist jedoch illegal.

Elektronische Wegfahrsperren sind gesetzlich vorgeschriebene Diebstahlsicherungen

Für Autodiebe bedeuten Wegfahsperren mehr Aufwand. plantic/<a href='http://www.shutterstock.com/'>Shutterstock.com</a>
Für Autodiebe bedeuten Wegfahsperren mehr Aufwand. plantic/Shutterstock.com

Die elektronische Wegfahrsperre ist nicht nur von großem persönlichen Nutzen für Sie als Autofahrer, sondern auch eine gesetzliche Vorschrift. Der § 38a der Straßenverkehrsordnung besagt, dass Lastkraftwagen, Personenkraftwagen, Zugmaschinen und Sattelzugmaschinen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 t mit einer elektronischen Wegfahrsperre ausgestattet werden müssen. Dies ist Aufgabe des Autobauers und alle seit 1998 zugelassenen Pkw müssen über diese Kfz-Sicherung verfügen. Die gänzliche Deaktivierung dieser Wegfahrsperre kann mit 10 € bestraft werden und führt außerdem dazu, dass der Versicherungsschutz meistens verfällt. Beim Kauf eines Gebrauchtwagens sollten Sie sich über die Wegfahrsperre informieren.

Ausgenommen von dieser Sicherungspflicht sind schwerere motorisierte Fahrzeuge, land- und forstwirtschaftliche Maschinen sowie motorisierte Dreiräder und Krafträder. Für motorisierte Zwei- und Dreiräder gelten andere Sicherungsvorschriften und auch Motorräder kommen serienweise meist mit einer alternativen Sicherung daher. Schwere Kraftfahrzeuge sind von der Pflicht ausgeschlossen, da diese seltener entwendet werden. Hier kann eine elektronische Wegfahrsperre jedoch freiwillig nachgerüstet werden.

Durch moderne Wegfahrsperren werden deutlich weniger Autos gestohlen

Da leider nahezu zeitgleich mit der Sicherheitstechnik ebenfalls professionelle Autoknacker technisch fortschreiten, schützt auch die elektronische Wegfahrsperre nicht zu 100 %. Das Auto kann durchaus ohne den richtigen Schlüssel kurzgeschlossen werden oder sowohl durch geklonte Schlüssel als auch mit gehackten Chips überwunden werden. Durch die Wegfahrsperre ist ein Diebstahl allerdings deutlich aufwendiger und zeitintensiver, was zu einem erhöhten Entdeckungsrisiko führt. Dass die elektronische Wegfahrsperre effektiv ist, ist natürlich nicht nur eine Spekulation der Kfz-Industrie, sondern auch durch Statistiken belegt. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden im Jahr 1993 in Deutschland noch 105.000 Autos, 2003 schon nur 31.700 und 2013 nur noch 18.800 Fahrzeuge als gestohlen gemeldet. Durch die kompliziertere Technik wird für einen Diebstahl deutlich mehr Wissen erfordert, woran Amateure und Gelegenheitsdiebe scheitern.

Um Ihr Auto zusätzlich zu sichern, sollten Sie vor dem Verlassen prüfen, ob es wirklich verschlossen ist, da das RFID-Signal unbemerkt unterbrochen werden kann, sodass auch durch das Betätigen des Drückers am Schlüssel das Auto nicht wirklich gesichert ist.

Mechanische Wegfahrsperren gibt es in vielen Ausführungen

Neben der elektronischen Version, gibt es mehrere Möglichkeiten, eine mechanische Wegfahrsperre zu installieren.

Bei Ordnungshütern besonders beliebt sind die sogenannten Radkrallen oder die Ventilwächter. Bei den Radkrallen handelt es sich um eine Sperre am Rad, wodurch dieses nicht betriebsbereit ist und auch ein Reifenwechsel nicht möglich ist. Ebenfalls am Rad angebracht wird der Ventilwächter. Hierbei handelt es sich um eine Vorrichtung, die fest am Reifenventil montiert wird und ab einer Geschwindigkeit von 15 km/h die Luft aus dem Reifen lässt. Diese Methode wird von Ordnungsämtern oder der Polizei oft verwendet, um zum Beispiel nicht gezahlte Gebühren einzufordern. Diese Methode ist jedoch stark kritisiert, da durch Unwissenheit über einen platten Reifen Verkehrsteilnehmer verletzt werden können, aber auch der Ventilwächter durch langsames Fahren oder einen Reifenwechsel leicht zu umgehen ist.

Weitere beliebte Alternativen für Diebstahlschutz sind die Lenkradsperre und der OBD-Saver. Der OBD-Saver versperrt den Zugang zur On-Board-Diagnose-Buchse, die die Verbindung zu allen elektrischen Bauteilen im Kraftfahrzeug ermöglicht. Dadurch wird das Nutzen von Manipulations-Software verhindert und die elektronische Wegfahrsperre geschützt. Eine zusätzliche Kfz-Sicherung liefert die Gangschaltung-Sperre, die in der Mittelkonsole aufgebaut wird und durch einen Stahlbolzen die Schaltung im Rückwärtsgang bzw. bei einem Automatikgetriebe im Parkmodus hält. Eine solche Wegfahrsperre kann in einer Werkstatt für insgesamt ca. 400 € erworben und eingebaut werden.

Letztendlich kann leider jede mechanische und elektronische Wegfahrsperre mit dem richtigen Know-how und Werkzeug überwunden werden. Tatsache ist aber auch, dass die diversen modernen Sicherungsmethoden einen effektiven Schutz vor Gelegenheitsdieben bieten und dafür sorgen, dass Ihr Auto nicht als einfaches, und dadurch gutes Ziel gesehen wird.


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