Auto verkaufen: Wie seriös sind Kärtchenhändler?

Wer seinen Gebrauchtwagen schnell verkaufen will, kann mit den Kärtchenhändlern ans Ziel kommen. Vorsicht ist trotzdem geboten.
Kätchenhändler kaufen wirklich alles.
Kein TÜV? Keine Versicherung? Kein Problem! Die Kärtchenhändler exportieren meistens in Länder, in denen die Kontrollen weit weniger streng ausfallen. CHAWALIT DACHARUN / Schutterstock.com
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Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 08.08.2017

Jeder kennt sie, die bunten Kärtchen unter dem Scheibenwischer des sehr gebrauchten Gebrauchtwagens. Darauf ein Luxusauto, eine Handynummer, und das Versprechen, wirklich alles zu kaufen, was vier Räder hat. Kaum jemand reagiert auf die dubiosen Kaufangebote, trotzdem wollen die Händler einfach nicht verschwinden. Wie arbeiten die Kartenhändler, was passiert mit den Autos nach dem Verkauf, und wie viel Erfolg hat man normalerweise mit dem Autoverkauf?

Wohin mit dem Gebrauchten?

Jenseits der 200.000 Kilometer neigen sich die meisten Autoleben ihrem Ende zu. Der Rost frisst an der Karosserie, der Katalysator klingt ungesund und auf der Autobahn schüttelt der Gebrauchtwagen seine Insassen so richtig durch. Der TÜV steht an, aber die Reparaturen würden Tausende Euro kosten. Nicht jeder Autohändler nimmt solche Fahrzeuge noch in Zahlung, da kann der Autoverkauf schon mal kompliziert werden. Kartenhändler versprechen hier schnelle Abhilfe: Sie kaufen wirklich jeden Gebrauchtwagen.

Auch bei den Kärtchenhändlern gibt es schwarze Schafe

Das Wichtigste zuerst: Die allermeisten Kärtchenhändler operieren zwar nicht illegal, allerdings kann man auch hier auf schwarze Schafe treffen: Immer wieder wird von Händlern berichtet, die den Gebrauchtwagen nicht, wie versprochen, abmelden. Dann muss der Verkäufer weiterhin Versicherungsgebühren und Steuern für das Auto bezahlen. Auch kann man nicht ausschließen, dass der Gebrauchte für diverse kriminelle Aktivitäten herhalten muss. Vor dem Verkauf sollte der Gebrauchtwagen also am besten selbst abgemeldet werden.

Kärtchenhändler im Test

Die Stiftung Warentest hat tatsächlich mal bei einigen solcher Händler angerufen und versucht, einen alten Passat und einen Corsa an sie zu verkaufen. Die Bandbreite der Testergebnisse ist erstaunlich: Da wären zum einen die Händler, die gleich in Mannschaftsstärke anrücken. Einer führt dann die Verhandlung, der andere steht im Hintergrund und sieht wahlweise bedrohlich drein oder spielt, ganz zufällig, mit großen Summen Bargeld herum. Wieder andere machen den Verkauf zum Geduldsspiel, reden unglaublich viel und schnell und warten einfach ab. Aber auch hier gibt es die ganz normalen Autohändler, bei denen man ein paar Minuten verhandelt und ein paar Minuten später seinen Gebrauchtwagen verkauft hat.

Verkaufen Sie Ihr Auto nicht unvorbereitet

Die Gebrauchtwagenhändler haben vor allem eins: Verhandlungsgeschick. Besonders unerfahrene Menschen verkaufen ihren Gebrauchtwagen oft zu viel zu niedrigen Preisen. Hier gilt: Bevor Sie einen Kartenhändler anrufen, sollten Sie sich in eine möglichst starke Verhandlungsposition bringen. Hier kann es helfen, sich mit einem Bekannten zu treffen und die Verhandlung zu zweit zu führen. Das hilft auch gegen eventuelle Betrugsversuche. Nehmen Sie nur Bargeld an und zahlen Sie dieses am besten im Beisein des Käufers bei Ihrer Bank ein. Wer weiß, was sein Gebrauchtwagen noch wert ist, lässt sich nicht so leicht über den Tisch ziehen. Ansonsten gilt: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Wenn der erste Händler Ihren Gebrauchtwagen nicht kaufen will, dauert es meistens nur Minuten bis zum nächsten Anruf.

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Ein zweites Leben unter der Sonne Afrikas.

Ihr lieb gewonnener Gebrauchtwagen landet übrigens meistens nicht in der Presse oder auf dem Schrottplatz: In vielen afrikanischen Ländern werden aus 200.000 Kilometern gerne mal 500.000. Sowas wie einen TÜV gibt es nur pro forma und Sicherheit ist auch eher zweitrangig. Was fährt, wird gefahren. Was nicht fährt, wird repariert.

(Bildmaterial: ©Shutterstock)


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