EU-Neuwagen – eine günstige Wahl?

Wir erklären, mit welchen Komplikationen Sie beim Kauf eines EU-Fahrzeuges rechnen müssen
EU-Neuwagen – das vermeintliche Schnäppchen kann schnell nach hinten losgehen.
EU-Neuwagen – im Falle eines Defektes bleibt oft die Frage, wer den Schaden behebt.
svetlana
Einleitung von Svetlana Haffner, Redakteurin bei PKW.de 27.08.2015

Aus preislicher Sicht scheint die Entscheidung für einen EU-Neuwagen lukrativ, doch viele Käufer übersehen, dass der Kauf eines solchen Fahrzeugs auch erhebliche Nachteile mit sich bringen und damit den anfänglichen Preisvorteil aufzehren kann. Weshalb dies so ist, erfahren Sie im Folgenden.

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Ist ein EU-Neuwagen die richtige Kaufentscheidung?

Nicht selten entscheiden sich Autokäufer hierzulande dafür, ein deutsches Fabrikat aus dem europäischen Ausland zu reimportieren. Diese EU-Neuwagen wurden speziell für den ausländischen Markt gebaut und sind im jeweiligen Reimportland häufig sehr viel günstiger zu bekommen. Beliebt sind vor allem EU-Reimporte deutscher Automarken wie VW, Audi, BMW oder Mercedes. Doch auch andere Marken können zu günstigeren Konditionen erworben werden, was viele Autokäufer anlockt.

Der Kaufanreiz begründet sich vor allem dadurch, dass in vielen EU-Ländern oftmals höhere Steuersätze auf Neuwagen veranschlagt werden als hierzulande. Aber auch eine geringere Kaufkraft kann die Hersteller unter Zugzwang setzen, günstigere Autos zu liefern, um die Fahrzeuge für die Käufer in solchen Ländern bezahlbar zu machen. Der deutsche Käufer profitiert zwar von diesen günstigeren Preisen, er sollte aber bedenken, dass die Autohersteller darauf bedacht sind, die Preisnachlässe bei den EU-Neuwagen an anderer Stelle wieder einzusparen.

Reimporte mit höherem Wertverlust

Ein für das Ausland produziertes Fahrzeug kann etwa anders ausgestattet sein, als ein für den deutschen Markt bestimmtes Auto. Hier spielt die Beliebtheit der einzelnen Ausstattungsmerkmale im jeweiligen EU-Land eine große Rolle. Oft werden auch Ausstattungskombinationen angeboten, die in Deutschland nicht erhältlich und bei heimischen Käufern nicht besonders beliebt sind. Und nicht in allen Ländern gehören bestimmte Sicherheitssysteme zum Standard, wie etwa die elektronische Wegfahrsperre. Hierdurch werden die EU-Neuwagen auf dem deutschen Markt weit weniger nachgefragt und infolgedessen ist der Wertverlust bei diesen Fahrzeugen sehr viel größer.

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Garantieleistungen beachten!

Die Herstellergarantie ist mittlerweile EU-weit geregelt. Die Autohersteller sind gesetzlich dazu verpflichtet, mindestens zwei Jahre Garantie beziehungsweise Gewährleistung auf Neuwagen zu geben. Entsprechend haben auch EU-Neuwagen eine Neuwagengarantie. Doch Achtung! Der Umfang der Garantieleistungen kann je nach Land unterschiedlich ausfallen. Vor dem Kauf sollte man auch unbedingt erfragen, wann die Herstellergarantie einsetzt. Denn oft beginnt sie schon mit der Auslieferung des Kfz an den Autohändler. Je länger der Wagen beim Händler steht, desto kürzer kann die Garantie für den Käufer ausfallen.

Im Falle eines Mangels oder eines Defektes am Fahrzeug kann die Abwicklung über den ausländischen Händler zudem schnell zum großen Problem werden, insbesondere wenn der Käufer nachweisen muss, dass das Fahrzeug bereits zum Zeitpunkt des Kaufs fehlerbehaftet war. Nicht immer kann man in so einem Fall auf eine Kulanzleistung des Händlers hoffen. Im ungünstigsten Fall muss man sogar selbst für die Behebung der Mängel aufkommen. Wer ein EU-Fahrzeug im Ausland erwirbt, sollte sich auch unbedingt bewusst sein, dass der Kauf der Rechtsprechung des Reimportlandes unterliegt. Daher empfiehlt sich der Abschluss einer Auslands-Rechtschutzversicherung.

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Hinzu kommt, dass der Aufwand für den Kauf eines EU-Fahrzeugs im Ausland recht hoch ist und sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Hierzu gehört nicht nur eine lange Anreise, auch die Sprachbarriere kann oft zum Stressfaktor werden. Zudem kommen beim Auslandskauf neben dem deutschen Mehrwertsteuersatz zusätzlich noch die Fahrzeugüberführungs- und Bereitstellungskosten obendrauf. Gegebenenfalls werden bei der Zulassung des EU-Wagens auch noch weitere Dokumente erforderlich, die die Anmeldung verzögern.

Schließlich sind EU-Neuwagen nicht immer günstiger als die Angebote heimischer Vertragshändler, denn auch diese bieten große Rabatte auf den Listenpreis. Zudem unterliegt der Kauf hierzulande deutschem Recht und man erhält den vollen Garantieumfang des Herstellers. Es gilt also, vor dem Kauf eines EU-Reimportes die Vor- und Nachteile gründlich abzuwägen.

(Bildmaterial: VW)


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