Tachomanipulation: Der Handel mit den Kilometern

Wie leicht ist es, den Tacho zurückzudrehen?
Eine sehr, sehr lange Reise
Was ist ein Kilometer wert? Bjoern Wylezich / shutterstock.com
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 06.07.2018

Jeder Kilometer, den man mit dem Auto zurücklegt, kostet Geld. Das Benzin, das im Motor verbrannt wird, ist teuer und Reifenabrieb nagt an den Gummis. Der teuerste Kilometer ist aber immer der erste. Je nach Modell können Autos, sobald sie vom Händlerparkplatz gefahren werden, mehr als 30 Prozent ihres Wertes verlieren. Aber auch danach macht jede gefahrene Strecke, und sei sie noch so kurz, das Fahrzeug weniger wertvoll. Da macht es eigentlich Sinn, den Tachostand ein wenig angenehmer zu gestalten. Mittlerweile weiß jeder, dass Tachomanipulation illegal ist. Aber das stimmt nur zum Teil, denn zwischen justieren und manipulieren gibt es, zumindest vor dem Gesetz, einen Unterschied. Alles, was man über Tachomanipulation oder -justierung wissen muss, hat PKW.de zusammengefasst.

Tachomanipulation war lächerlich einfach

Die Manipulation des Tachostandes war vor einigen Jahrzehnten fast schon lächerlich einfach: Vom Käfer bis zum Ferrari fuhren Autohändler ihre Fahrzeuge stundenlang rückwärts im Kreis. Neben einem gehörigen Schwindelanfall erreichte man damit auch einen niedrigeren Tachostand und damit einen höheren Wiederverkaufswert. Dann kam der elektrische Tacho, der zwar nicht so einfach manipuliert werden kann, der aber für einen findigen Mechatroniker mit einem OBD-II-Leser trotzdem keine große Herausforderung darstellt. Dieses Lesegerät stellt eine Verbindung mit dem Bordcomputer her, der dann mit einem kleinen Stück Software, das in den obskureren Ecken des Internets kursiert, geknackt werden kann. Damit bekommt man Zugriff auf fast alle Funktionen der meisten Fahrzeuge, unter anderem kann so also der Tachostand manipuliert werden.

Diese Tachos sind garantiert bestimmt nicht zurückgedreht. PKW.de

Maßnahmen gegen den Betrug und wie man sie umgeht

Um den Betrug mit der Tachomanipulation zu vermeiden, wird der Kilometerstand mittlerweile nicht mehr nur im Bordcomputer gespeichert, sondern zum Beispiel auch auf Speicherchips in Zündschloss und Wegfahrsperre geschrieben. Das macht das „justieren“ des Kilometerzählers zwar ziemlich aufwendig, besonders bei teuren Autos kann sich die Prozedur aber trotzdem lohnen. 100.000 Kilometer mehr oder weniger können hier 10.000 Euro und mehr wert sein. Ein Scheckheftgepflegtes Auto wird man hingegen kaum manipulieren können: Die meisten Hersteller führen Buch über ihre Kunden. Das bedeutet, dass bei jedem Werkstattbesuch der Kilometerstand eingetragen wird. Eine Ungereimtheit fällt also beim nächsten Ölwechsel sofort auf. Und neuere Autos, die über Mobildaten mit einem Server verbunden sind, werden Tachomanipulationen sofort vereiteln.

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Tachomanipulation ist illegal. Meistens

Seit 2005 verbietet der Gesetzgeber die Manipulation eines Tachometers, wenn sie dazu dienen soll, den Verkaufswert des Autos zu steigern. Unter Umständen kann eine Tachojustierung allerdings durchaus Sinn machen und sogar erlaubt sein. Wenn man zum Beispiel größere oder kleinere Reifen verwenden will, ändert sich die Strecke, die bei einer Umdrehung des Rades zurückgelegt wird. Diese Änderung muss im Tacho eingestellt werden, damit dieser weiterhin exakt die zurückgelegte Strecke messen kann. Trotzdem gilt aber: Wer den Tacho zurückdreht, handelt illegal. Das Zurücksetzen eines Ersatztachos auf den Kilometerstand des Fahrzeuges gilt aber als Reparatur und ist damit komplett legal. Ach ja, wir haben aus unbestätigten und komplett unzuverlässigen Quellen gehört, das in vielen unserer Nachbarländer Tachomanipulation immer noch erlaubt ist. Können wir uns zwar nicht vorstellen, klang aber irgendwie wichtig.


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