Ihr Auto wurde abgeschleppt – was jetzt?

Die wichtigsten Fragen zum Thema beantwortet
Im Idealfall gibt Ihnen die Polizei eine Chance, Ihr Auto wegzufahren, bevor es abgeschleppt wird.
Wer bezahlt so einen Abschleppdienst überhaupt? PeterVrabel/Shutterstock.com
berit
Einleitung von Berit Hoffmann, Redakteur bei PKW.de 26.07.2018

Meistens ist es erstmal ein Schreck: Man kommt zu seinem Parkplatz zurück, aber das eigene Auto steht da plötzlich nicht mehr. Sie haben sich auch nicht einfach in der Straße vertan, Ihr Wagen wurde tatsächlich abgeschleppt. Das ist keine Seltenheit, allein in Berlin wurden im vorigen Jahr um die 50.000 Autos umgestellt. Im Folgenden finden Sie die Antworten auf Ihre Fragen zum Thema abgeschleppt werden.

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Wann darf abgeschleppt werden?

Es gibt mehrere Gründe warum ein Auto abgeschleppt werden kann. Haben Sie eine Panne oder einen Unfall und Ihr Auto wird verkehrsuntüchtig, müssen Sie es vom Unfallort abholen lassen. Auch Wagen, deren TÜV abgelaufen ist, die Diebesgut sind oder anderweitig als Beweismittel dienen, kann die Polizei abschleppen. Besonders häufig müssen Abschleppdienste allerdings für ordnungswidrig abgestellte Fahrzeuge kommen, um diese, zum Grauen der Falschparker, umzustellen. Stehen Sie in einem Halteverbot, wie einer Feuerwehrzufahrt, auf einem Fußgängerübergang oder sonstigen ausgeschilderten Flächen, kann die Polizei oder das Ordnungsamt einen Abschleppdienst beauftragen, Ihr Auto zu entfernen. Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für Parkverbote, die beispielsweise 5 m vor oder hinter einer Kreuzung, an Gehwegen, Behindertenparkplätzen oder an entsprechend mit Schildern ausgestatteten Stellen herrschen.

Wenn Sie jedoch widerrechtlich auf einem Privatgrundstück stehen, eine Einfahrt blockieren oder auf einem Privatparkplatz ohne geltende Parkscheibe, Parkuhr oder mit abgelaufenem Parkschein stehen, können auch die Grundstücksbesitzer den Abschleppdienst rufen.
Seit ein paar Monaten trifft das besonders Supermarktparkplätze, auf denen jetzt häufig das Auslegen einer Parkscheibe gefordert wird, um zu verhindern, dass Sie Kunden durch das Belegen von Parkplätzen fernhalten. Wenn Sie auf einem solchen Privatparkplatz parken, lassen Sie sich auf einen Vertrag ein, dessen Bedingungen auf dem Gelände gut sichtbar und eindeutig ausgeschildert sein müssen. Wenn also dort steht, dass Sie beim Abstellen des Autos für über 10 Minuten kostenpflichtig abgeschleppt werden, willigen Sie durch das Parken damit ein.

Kann sich das Parkverbot ändern?

Einen etwas spezielleren Fall stellt ein nachträgliches Halteverbot dar. Stellen Sie sich vor, Sie sind für ein paar Tage ohne Ihr Auto unterwegs und stellen es korrekt an einem freien Platz ab. Nun kommen Sie zurück und plötzlich ist da, wo mal Ihr Auto stand, eine Baustelle. Wenn Ihr Auto eine neu entstandene Baustelle behindert, kann es rechtlich abgeschleppt werden, allerdings nur, wenn Sie rechtzeitig darüber informiert wurden, dass der Parkplatz, auf den Sie sich stellen, demnächst nicht mehr nutzbar ist. Mindestens 4 Tage vor Beginn eines kurzfristigen Halteverbotes muss dieses ausgeschildert sein. Wenn Sie Ihr Auto also für längere Zeit auf einem öffentlichen bzw. nicht Ihnen gehörenden Parkplatz abstellen, sollten Sie jemanden darum bitten, regelmäßig zu gucken, ob es dort noch stehen darf.

Häufig kommt es zum Glück vor, dass die Polizei, das Ordnungsamt oder auch Privatpersonen erst versuchen, Sie zu erreichen, damit Sie das Auto selber wegstellen können. Dann müssen Sie nur die eventuellen Gebühren für die Ordnungswidrigkeit tragen.
Wenn Sie Ihre Kontaktdaten oder eine Notiz in Ihrem Auto lassen, ist es zwar nett vom Privatbesitzer, Sie zu kontaktieren, bevor er die Polizei ruft und Sie abschleppen lässt, aber eben auch nicht mehr – er ist nicht dazu verpflichtet. Das Zettelschreiben ist also keine garantierte Absicherung vorm Abschleppen.

Wo wird das Auto hingebracht?

Wenn Ihr Wagen von einem Abschleppdienst abgeholt wird, darf es nur so weit bewegt werden, wie unbedingt nötig. In manchen Fällen kann es also vorkommen, dass Ihr Auto gar nicht weit weggebracht wird, sondern nur auf einen naheliegenden freien Parkplatz. Ihr Wagen kann allerdings nur umgeparkt werden, wenn er nicht geöffnet werden muss, da er nicht unverschlossen woanders abgestellt werden darf. In allen Fällen sollten Sie aber das Ordnungsamt oder die Polizei kontaktieren, um den genauen Standort Ihres Kfz zu erfahren.

Auch wenn Privatleute Ihr Auto abschleppen lassen, müssen sie Sie über den Standort des Autos informieren, manchmal kommt es allerdings vor, dass sie den Standort nur gegen Rechnungszahlung preisgegeben wollen. In diesem Fall hilft es häufig schon, mit einem Anwalt oder der Polizei zu drohen. Besteht die Person jedoch darauf, sollten Sie eine ausführliche Rechnung und eine Quittung darüber, dass die Zahlung nur unter Vorbehalt stattgefunden hat, verlangen.

In den meisten Fällen wird Ihr Wagen auf den Hof des Abschleppunternehmens gebracht und Sie können es dort zu jeder Tages- und Nachtzeit abholen, sobald die Kosten beglichen wurden. Zur Abholung müssen Sie Ihren Ausweis oder Reisepass und einen Teil der Zulassungsbescheinigung mitbringen.

Wie viel kostet abgeschleppt werden?

Muss Ihr Auto quer durch die halbe Stadt transportiert werden, ist das leider nicht nur nervig, sondern auch noch ziemlich kostspielig. Wenn Ihr Auto abgeschleppt wird, müssen die Kosten vorerst vom Auftraggeber gezahlt werden, wobei er diese einfordern kann und Sie rechtlich verpflichtet sind, das Geld zurückzuzahlen, außer Sie sehen das Abschleppen als ungerechtfertigt oder nicht verhältnismäßig an. In dem Fall können Sie entweder das Geld vorerst beim Amtsgericht hinterlegen und mit dem amtlichen Nachweis Ihr Auto vom Abschleppdienst zurückbekommen oder Sie können die Kostenerstattung verweigern. In beiden Fällen wird vor Gericht entschieden, ob Sie im Recht oder Unrecht liegen. Wenn Sie allerdings wissen, dass Sie einen Fehler begangen haben, sollten Sie die Abschleppkosten einfach zahlen, da ein Gerichtsverfahren meist deutlich höhere Kosten mit sich bringt.

Der genaue Betrag, den das Abschleppunternehmen fordert, hängt unter anderem von der Firma, der Tageszeit, dem Wochentag und der Kommune ab. Sie können jedoch meist eine Summe von ca. 200 € erwarten, zu der Standkosten von ungefähr 10 € pro Tag dazukommen. Sollten Sie rechtzeitig zu Ihrem Auto zurückkommen und, noch bevor es auf der Ladefläche ist, den Abschleppvorgang abbrechen können, müssen Sie lediglich die Leerfahrt bezahlen, die ca. 55 € kostet.

Anders als die Kosten für den Abschleppdienst, müssen Sie als Falschparker das Bußgeld für die Ordnungswidrigkeit auf jeden Fall zahlen. Die Höhe dieser Gebühr hängt von der Art der Ordnungswidrigkeit ab. So wird Ihr Geldbeutel fürs unzulässige Parken in verkehrsberuhigten Zonen nur um 10 € leichter, fürs Parken auf Autobahnen oder Kraftstraßen allerdings schon um 70 €.

Wer haftet für entstandene Schäden?

Sollten Sie, nachdem Sie Ihr Auto wieder abgeholt haben, Schäden entdecken, die vorher nicht da waren, sieht es für Sie leider schlecht aus. Wenn Sie keine Beweise haben, dass Ihr Auto unmittelbar vorm Abschleppen in einem besseren Zustand war, wird weder das Abschleppunternehmen noch der Auftraggeber für die Kosten aufkommen. Die meisten Firmen sichern sich gegen eventuelle Vorwürfe ab, indem Sie vorher Fotos vom falsch abgestellten Auto machen.

Was, wenn Sie zu Unrecht zahlen sollen?

Um zu vermeiden, dass Sie eventuell zu Unrecht abgeschleppt werden oder zu hohe Kosten zahlen müssen, sollten Sie ein paar Sachen beachten, bevor Sie das Unternehmen bezahlen.
Es gibt gewisse Firmen, die eine Parkraumüberwachung anbieten und den Parkplatz gezielt nach Falschparkern absuchen. Wenn ein Unternehmen Ihnen die Kosten für diese Firma oder für Beweissicherung und andere Pauschalen in Rechnung stellt, müssen Sie diese nicht zahlen. Das gilt ebenfalls, wenn Sie von einem Privatparkplatz, wie zum Beispiel der eines Supermarkts, abgeschleppt werden, dessen Besitzer die Firma aber gar nicht beauftragt hat.

Auf so einem Parkplatz muss ebenfalls deutlich ausgeschildert sein, dass abgeschleppt wird. Selbst dann kann es als unverhältnismäßig gelten, zum Beispiel wenn Sie nachts auf einem leeren Parkplatz stehen und keinen behindern oder wenn übermäßige Kosten verlangt werden, die sehr stark von den Gebühren für das ordnungswidrige Parken in öffentlichen Straßen abweicht. Da viele dieser Sonderfälle stark situationsabhängig sind, sollten Sie im Zweifel einen Anwalt zurate ziehen.
Wenn ein öffentliches Parkverbotsschild nicht zu erkennen ist, weil es beispielsweise zugewachsen ist, muss die zuständige Behörde alle Kosten übernehmen.

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