03.08.2018

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Der Roadtrip Ihres Lebens, Teil 4: Die Atlantikstraße

In Norwegen den Atlantik hautnah erleben
Wenn Sie Berge und das Meer sehen wollen, können Sie noch einen Abstecher zu den Trollstigen machen.
Die Atlanterhavsvegen ist schnell zum Touristen-Favorit geworden. Andrey Armyagov/Shutterstock.com
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Einleitung von Berit Hoffmann, Redakteur bei PKW.de 03.08.2018

Straßen sind mehr als nur asphaltierte Landstriche. Sie verbinden Städte genauso wie die Menschen, die in ihnen leben. Und manche haben ihre ganz eigenen Geschichten. Zuvor hat die PKW.de Redaktion ihre Leser bereits auf einige virtuelle Roadtrips über die interessantesten und schönsten Straßen der Erde geschickt: vom Highway One in Down Under über die berühmt-berüchtigte Route 66 in den Vereinigten Staaten bis zu dem Todestrip über die Yunga-Straße in Bolivien. Nun führt uns unsere Reise ins gar nicht so weit entfernte Norwegen auf eine der schönsten Strecken der Welt – die Atlantikstraße.

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Bauwerk des Jahrhunderts: 8274 m Strecke über den Atlantik

Als eine der 18 Landschaftsrouten Norwegens schlängelt sich die Atlantikstraße auf 36 km an der südlichen Westküste zwischen Bud und Karvag entlang und zeigt dabei auf eindrucksvolle Weise, was Norwegen an Kultur und Landschaft zu bieten hat. Unter dem norwegischen Namen Atlanterhavsvegen wird oft nur der bekannteste Teil der Strecke bedacht, der zwischen Vevang und Karvag liegt und gerade mal 8274 m lang ist. Dort geht es auf sieben Brücken, die die Inseln untereinander und mit dem Festland verbinden, mit atemberaubender Aussicht auf die Schären und Inseln direkt über den Atlantik.

Die 1935 noch als Eisenbahnlinie geplante Strecke sollte den Schiffsverkehr zwischen den vielen kleinen Inseln ersetzen, hat sich aber zu viel mehr entwickelt. Über 100 Jahre Planung haben sich scheinbar gelohnt, denn nach fast 6 Baujahren und ganzen 15 Millionen € wurde die „Straße des Meeres“ 1989 vollendet und 2005 als Norwegens Bauwerk des Jahrhunderts ausgezeichnet. Seitdem wurde sie vom Lonely Planet als „Bestes Reiseziel gegen Liebeskummer“ und von der Zeitschrift „The Guardian“ als „Schönste Autostrecke der Welt“ angepriesen und lässt dabei berühmte Roadtrip-Strecken in Nordirland, Australien oder im Himalaja links liegen.

Die Atlantikstraße hat viel zu bieten

Schon die kurze Fahrt über die im Küstengestein befestigten Brücken bietet durch die Gezeiten und verschiedenen Jahreszeiten komplett unterschiedliche Eindrücke von Norwegen. Bei schönem Wetter erstrahlt das ruhige Meer im Kontrast zu grünen Inseln als skandinavische Idylle. Besonders beliebt ist die Fahrt über die Atlantikstraße jedoch im Herbst, wenn der stürmische Atlantik eindrucksvoll seine volle Kraft demonstriert und in Wellen gegen die Küste schlägt. Starke Stürme sind in Norwegen auch nichts Ungewöhnliches: Allein während der Bauarbeiten an der Atlantikstraße wurden diese durch 12 Orkane unterbrochen.

Auf einem Roadtrip entlang der Atlantikstraße können Sie deutlich mehr erleben als nur die Aussicht aufs Meer durch ein Autofenster. Wenn Sie Ihre Fahrt zum Beispiel im nördlich gelegenen Hafenstädtchen Kristiansund beginnen, fahren Sie auf der Reichsstraße 64, die Kristiansund mit Molde verbindet, direkt erstmal unterm Atlantik her zur Inselgemeinde Averøy. Um die 6 km durch den Atlantiktunnel fahren zu dürfen, müssen Sie Mautgebühren zahlen. Zum Glück aber auch nur auf diesem Teil der Strecke, denn die eigentliche Atlanterhavsvegen hat in den ersten 10 Jahren durch solche Gebühren genug Geld wieder eingesammelt, sodass die Fahrt jetzt kostenlos ist.

Auf den Brücken und Inseln die volle Pracht Norwegens bestaunen

Die Storseisundbrücke wird mit etwas Fantasie zur Achterbahn. alexilena/<a href='http://www.shutterstock.com/'>Shutterstock.com</a>
Die Storseisundbrücke wird mit etwas Fantasie zur Achterbahn. alexilena/Shutterstock.com

Wenn Sie der 64 bis nach Karvag – ein Ort der zur Gemeinde Averøy gehört – folgen, können Sie die unverwechselbare Storseisundbrücke, das Wahrzeichen der Atlantikstraße, bereits sehen. Die stark gebogene und mit 260 m längste der sieben Brücken ist hoch genug gebaut, um auch bei hohem Wasserstand ein 23 m hohes Schiff unter sich passieren zu lassen.
Bevor Sie das Erkennungsmerkmal der Strecke jedoch erreichen, lohnen sich noch Stopps auf den beiden Inseln Geitøya und Eldhusøya. Die erste bietet einen wunderschönen Panoramablick auf Berge, Strand und den Schärengarten, der die besondere Küstenlandschaft aus den kleinen felsigen Inseln, die typisch für Skandinavien und Nordamerika sind, umfasst. Auf Eldhusøya können Sie den Inselrundweg mit Aussicht, der zu jeder Jahreszeit begehbar ist, genießen. Im Sommer ist allerdings auch das Café geöffnet, von dem aus ein schwebender Aussichtsweg einen etwas anderen Blick auf die norwegische Insel ermöglicht.

Nach diesen beiden Inseln erreichen Sie dann die Storseisundbrua, bei deren Überfahrt Sie ein klein wenig Achterbahngefühl und eine wunderschöne Aussicht auf die Küstenlandschaft Norwegens genießen können. Mit etwas Glück erhaschen Sie ja vielleicht auch einen Blick auf Wale oder Seehunde. Auf der gesamten Strecke der Atlantikstraße gibt es viele Parkmöglichkeiten und Fotospots, damit Sie Ihre Erlebnisse festhalten können. Gerade auf der Myrbærholmbrücke gibt es zusätzliche Anglerbrücken auf beiden Seiten, die nicht nur von Touristen, sondern auch von den Einheimischen sehr geschätzt werden. Wenn Sie Ihre Fähigkeiten zur Schau stellen, haben Sie vielleicht bald eine Makrele oder einen Seelachs an der Angel.

Auch vom Festland aus den Atlantik erleben

Nach der letzten Brücke haben Sie in Vevang zwar wieder festen Boden unter den Füßen, trotzdem muss der Roadtrip noch lange nicht vorbei sein. Auf dem Küstenwanderweg können Sie an den Klippen 40 Teile von Marmorsäulen entdecken, die zu der Installation „Columna Transatlantica“ des norwegischen Künstlers Jan Freuchen gehören und sich an der steinigen Küste entlang winden. Wenn Sie von dort aus der Fv663 nach Hustadvika folgen, können Sie etwas Action erleben: Surfer und Taucher finden im sogenannten Schiffsfriedhof ihren Kick.

Ist ins Wasser gehen nicht so ganz Ihr Ding, lässt sich das Meer auch am etwas weiter südlich liegenden Aussichtspunkt von Askevågen hautnah erleben. Der beliebte Fotospot besteht zwar nur aus einer kleinen Stahlplattform, die mit Schutzglas umgeben ist, sobald aber eine Welle anschlägt, fühlen Sie sich, als wären Sie mittendrin. Auch wenn Touristenmassen zu längeren Wartezeiten führen, lohnt es sich, denn ein Foto von diesem Punkt kann die Kollegen zu Hause schon ordentlich neidisch machen.

Ein kurzer Roadtrip lässt Raum für mehr

Als entspanntes Ende des Roadtrips haben wir nach knappen 70 km das idyllische Fischerdorf in Bud ausgewählt. Kurz davor gibt es in Kjeksa einen Rastplatz der etwas anderen Art. Mit Lage direkt am Atlantik und Aussicht auf Bud kann man dort entspannt verschnaufen.

Wenn Sie allerdings noch nicht genug von Norwegen für den Tag haben, können Sie in 2-3 Stunden die Reise nach Trollstigen hinter sich bringen. Die gewundene Strecke durchs Gebirge kämpft mit der Atlantikstraße immer wieder um den ersten Platz im Herzen der Norwegen-Liebhaber und da die Fahrt über die Atlantikstraße sogar mit mehreren Stopps vergleichsweise kurz bleibt, müssen Sie sich zum Glück nicht entscheiden, sondern können die beiden schönsten Strecken Norwegens auch innerhalb eines Tages abklappern. Für den wirklichen Genuss bleibt dabei jedoch nicht unbedingt viel Zeit.

Mit dem Auto das Beste der Atlantikstraße herausbringen – und andersherum

Auf der Atlantikstraße sieht fast jedes Auto gut aus. mikolajn/<a href='http://www.shutterstock.com/'>Shutterstock.com</a>
Auf der Atlantikstraße sieht fast jedes Auto gut aus. mikolajn/Shutterstock.com

Die Besonderheit der Atlantikstraße ist natürlich lange kein Geheimnis mehr und stößt gerade in der Autobranche auf viel Beliebtheit: Alfa Romeo und Porsche haben beide die Strecke in Norwegen schon für Werbeaufnahmen genutzt, Mercedes lässt dort Testfahrten durchführen und das Automagazin „Fifth Gear“ hat sie sogar zur besten Teststrecke der Welt erkoren.

Ein besonderes Auto brauchen Sie für Ihren Roadtrip allerdings nicht. Weder Allradantrieb noch ein besonders starker Motor sind für die gut ausgebaute Strecke nötig, da Sie dort durch die streng kontrollierten niedrigen Tempolimits gar nicht erst in Versuchung kommen, rasant über die eventuell nassen Brücken zu rasen. Um das wahre Norwegen-Erlebnis zu haben, sollten Sie auf Elektroautos setzen. Die sind unter den Einheimischen nämlich so beliebt, dass in Norwegen der Anteil elektrischer Autos weltweit am höchsten ist.

Viele Besucher der Atlanterhavsvegen fliegen vor Beginn des Roadtrips erst entweder nach Molde oder Kristiansund, um die Reise dann vor dort aus mit einem Mietwagen anzutreten. Wenn Sie die Szenerie noch etwas genießen wollen, können Sie Kristiansund auch mit dem Schiff aus dem nördlichen gelegenen Trondheim ansteuern, wofür allerdings um die 3 Stunden draufgehen.

Weitere Roadtrip-Ziele, die Sie interessieren könnten: der Highway One in Australien, die Route 66 in Nordamerika und die Yunga-Straße in Bolivien.


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