Groß-Groß versus Klein-Klein

E-Mobilität in Regensburg und Amsterdam – ein Vergleich
Nissan e-NV200 als Taxi in Amsterdam.
Prägen das Straßenbild in Amsterdam: Elektroautos wie der Nissan e-NV200.
mario
Einleitung von Mario Hommen, Redakteur bei PKW.de 17.04.2015

Köln, 17.04.2015 – Die schöne neue E-Mobilität steckt voller Wunder. Nicht nur, dass wir in jüngster Zeit eine Flut an neuen Stromern vor allem aus deutscher Produktion erleben, die allerdings keiner kauft. Wir werden darüber hinaus immer wieder mit atemberaubenden Erfolgsnachrichten über den Aufbau einer passenden Infrastruktur bombardiert. So wie jetzt von Mitsubishi, einem E-Pionier auf dem deutschen Automarkt.

Feierliche Inbetriebnahme: Erste Stromzapfsäule in Regensburg.
Feierliche Inbetriebnahme: Erste Stromzapfsäule in Regensburg.
Soeben hat nämlich der deutsche Importeur für die japanische Marke in einer feierlichen Zeremonie in Regensburg dem Landkreis Regensburg die erste Zapfsäule für Elektroautos geschenkt und in Betrieb genommen. Wow! Und es kommt noch besser: Die Zapfsäule hat sogar zwei Anschlüsse, und die dürfen nicht nur die von der Stadt Regensburg betriebenen Behörden-Stromer nutzen, sondern auch private E-Autofahrer. Für lau. Rund um die Uhr. Tusch, Trommelwirbel, großes Feuerwerk. Es braucht eben nur “…einen Schritt, die Akzeptanz von E-Autos in der Region zu steigern und Mobilität umweltfreundlicher zu machen”, sagte bei der feierlichen Einweihung die Landrätin Schweiger. Typisch Bayern: Hier wird ganz visionär und in ganz großen Zusammenhängen gedacht. Ein Toast! Umwelt, Zukunft – alles wird schön und die Vision von einer Million E-Fahrzeuge in Deutschland im Jahr 2020 ganz sicher wie angekündigt Wirklichkeit. Dobrindt wird’s schon richten. Wer die Pkw-Maut schafft, schafft auch das.

Kleines Land, große Taten

Doch nur kurze Zeit nach dieser sensationellen Meldung über die Inbetriebnahme der ersten E-Auto-Zapfsäule im Landkreis Regensburg brachte uns dann eine Meldung von Nissan über die Fortschritte der E-Mobilität in Amsterdam ins Grübeln. Die Niederlande haben zwar keine Autoindustrie und erst recht keinen Plan, globaler Leitmarkt für die E-Mobilität zu werden, doch der steigende Meeresspiegel bewegt unsere Nachbarn in ganz pragmatische Weise dazu, das Thema in wirklich großen Schritten voranzutreiben. Auch wenn die E-Autos noch nicht in überragend großer Zahl in Amsterdam unterwegs sind, steht bereits seit Jahren die Infrastruktur. Das weltweit dichteste Netz an Stromzapfsäulen wächst sogar monatlich um weitere 25. Bereits 2018 sollen es viertausend sein. Mit jeweils zwei Anschlüssen versteht sich. Und das sind keine leeren Versprechungen. 2018 werden diese 4.000 auch stehen. Im Landkreis Regensburg wird man froh sein, zu diesem Zeitpunkt vier Zapfsäulen stehen zu haben. Jede mit zwei Anschlüssen.

Und in Amsterdam werden auch die Autos kommen. Es sind schon etliche unterwegs. Stromer sieht man dort bereits an jeder Straßenecke. Die Holländer tun auch was dafür: Sie fördern staatlich den Kauf eines E-Autos mit 10.000 Euro. Ein gutes Geschäft für die Käufer und vor allem für Nissan, die sich die Hände reiben angesichts der rasant steigenden Absatzzahlen von Leafs und e-NV200. Taxiunternehmen, die Verkehrsbetriebe – alle machen mit in Amsterdam. Schon 2025 wird der öffentliche Nahverkehr emissionsfrei sein. Und dieses Beispiel macht klar: Die E-Revolution muss einfach nur politisch gewollt sein, damit sie ins Rollen kommt. Weiter nichts.

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(Bildmaterial: Nissan/Mitsubishi)


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