Autofahren im Schnee – Immer langsam

Auch in der kalten Jahreszeit kann das Auto nicht immer stehen bleiben. So kommen Sie sicher durch den Winter.
Keine Angst vor Schnee
Keine Angst vor Fahren im Winter: Mit unseren Tipps geht es ohne Stress. HomeArt / Shutterstock.com
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Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 15.12.2017

Man mag es kaum glauben, aber auch in deutschen Großstädten hat der Winter Einzug gehalten. Dicke Schneemassen bedecken vielerorts die Straßen und alle Jahre wieder pilgern die Menschen in die örtlichen Konsumtempel, um ihre Lieben mit den besten Weihnachtsangeboten zu beglücken. Doch jeglicher Weihnachtszauber geht oft schon auf der Fahrt dahin verloren. Denn alle anderen Autofahrer sind Idioten, die nicht mal mit drei kleinen Flocken klarkommen und wenn man selbst mal den eigenen Bremsweg unterschätzt und den BMW des Nachbarn mit einer Schramme verunziert, fragt man sich, warum der seine Riesenkarre den ausgerechnet hier parken musste. Damit im Winterwunderland die Autofahrt nicht zur Katastrophe wird, haben die Rentiertester von PKW.de die wichtigsten Regeln zum Autofahren im Schnee zusammengetragen.

Autofahren im Schnee, Regel 1: Am besten gar nicht.

Sind Sie sicher, dass Sie unbedingt jetzt Autofahren müssen? Wirklich? Tatsächlich sind, je nachdem, welcher Studie man Glauben schenken möchte, bis zu 60 Prozent aller Autofahrten unnötig. Wenn Sie am Abend des zweiten Advents plötzlich unbändige Lust auf Zartbitterschokolade haben, lassen Sie das Auto stehen und machen Sie einen Spaziergang durch den Schnee. Den örtlichen Kiosk erreichen Sie auch so, und wahrscheinlich genauso schnell. Denn Regel 2 lautet:

Autofahren im Schnee, Regel 2: Fahren Sie langsam. Sehr, sehr langsam.

Man möchte meinen, Schnee bietet immer noch mehr Traktion als Glatteis. Das ist an sich richtig, aber auch die schönste Schneedecke kann hinterhältiges Glatteis unter sich verstecken. Wenn Sie wirklich unbedingt das Auto bewegen müssen und sich nicht ganz sicher sind, ob eine Eisschicht die Straße verdeckt, ist maximal erhöhte Schrittgeschwindigkeit angesagt. Selbst wenn Sie zu den Zeitgenossen gehören, die einen SUV oder Crossover fahren, eine Warnung: Ihr Auto ist nicht für Schnee ausgelegt. Fahren Sie vorausschauend, achten Sie auf die Bürgersteige und seien Sie unbedingt bremsbereit. Sehen wir den Tatsachen ins Gesicht: Sie sind mit größter Wahrscheinlichkeit nicht Michael Schumacher (falls doch: Hallo Michael, wir sind große Fans) und sollten auch nicht so fahren. Sind Sie wirklich sicher, dass Sie fahren müssen?

Autofahren im Schnee, Regel 3: Der Schneepflug ist stärker als Sie

Bestenfalls werden die Straßen und Autobahnen in Ballungszentren zügig geräumt. Schneepflüge fahren oft mit 80 oder mehr km/h zu ihrem Einsatzort. Was so ein Riesengefährt kann, können Sie doch schon lange, oder? Und überholen ist ja sonst auch kein Problem. PKW.de-Tipp: Nein! Überholen Sie niemals einen Schneepflug. Nicht nur behindern Sie dadurch die Arbeit der Räumdienste, Sie setzen auch sich und andere der Gefahr eines schweren Unfalles aus. Behandeln Sie einen Pflug am besten wie eine bewegliche Mauer: Sie kommen nicht drum herum und er wird durch drängeln oder hupen mit Sicherheit nicht schneller oder schmaler.

Autofahren im Schnee, Regel 4: Vorbereitung ist alles.

Es ist immer wieder verwunderlich, dass man das überhaupt noch sagen muss: Kaufen Sie Winterreifen. Keine Allwetterreifen, keine Ganzjahresreifen und auch keine Geländereifen, sondern ganz normale, altmodische Winterreifen. Wer besonders sicher sein will, legt sich dazu noch einen Satz Schneeketten zu und fährt diese natürlich besonders vorsichtig. Ein Eiskratzer gehört ohnehin in jedes Auto, und ein Handfeger eignet sich hervorragend, um die dicke Schneeschicht vom Dach zu entfernen. Ansonsten kann es sich lohnen, einen Reservekanister mit Scheibenenteiser, ein Paar Handschuhe und eine Thermoskanne mit einem Heißgetränk Ihrer Wahl mitzunehmen. Ein wenig Katzenstreu oder Streusand vor die Antriebsräder gestreut sorgt für genug Traktion beim ersten Anfahren und eine ADAC-Mitgliedschaft ist ebenfalls nie verkehrt.

Autofahren im Schnee: Das sind die wichtigsten Tricks.

Normalerweise fahren Sie im ersten Gang an, um das Drehmoment zu maximieren. Eben dieses Drehmoment ist es aber, dass die Räder durchdrehen lässt. Im zweiten Gang kommen Sie zwar langsamer vom Fleck, aber die Räder drehen nicht so schnell durch. In der ersten Kurve wird es dann zum ersten Mal haarig. Wer sein Auto kennt, der weiß, welche die Antriebsräder sind. Bei Autos mit Heckantrieb bricht gerne mal das Heck aus (Übersteuern), bei Autos mit Frontantrieb kann die Lenkbewegung wirkungslos bleiben (Untersteuern). Ein feinfühliger Gasfuß schafft auch hier Abhilfe.

Zuletzt noch ein wichtiger Tipp für Fahrer moderner Autos: Verlassen Sie sich nicht auf elektronische Helferlein. Spurhalteassistenten können die Schneedecke nicht richtig deuten und haben schon so manchen unvorsichtigen Autofahrer auf Abwege geführt. Elektronische Abstandshalter nützen auch nichts, wenn der Vordermann seine Fähigkeiten überschätzt und auch die sogenannten autonomen Autos sind mit winterlichen Verhältnissen hoffnungslos überfordert.

(Bildmaterial: Shutterstock)


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