Falsch getankt: Was richtet der falsche Treibstoff im Motor an?

Was passiert, wenn man zur falschen Zapfpistole greift?
Augen auf beim Tanken
Was tun, wenn der falsche Sprit im Tank landet? VGstockstudio / Shutterstock.com
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 27.10.2017

Es gibt Fehler, die kann man verschmerzen. Und dann gibt es solche, die schnell zu einem teuren Desaster werden können. Wer dem Tankvorgang nicht seine ungeteilte Aufmerksamkeit widmet, kann leicht einen Fehler der zweiten Kategorie machen. Mittlerweile gibt es fast mehr Treibstoffe an der Tankstelle als Weinsorten in Frankreich, und besonders die Autos mit längeren Preisschildern sind echte Sommeliers. Was aber passiert, wenn Diesel im Benzintank landet, und wie verhindert man einen Motorschaden? PKW.de hat die Antworten.

Benzin und Diesel: Das sind die Unterschiede

Sowohl Benzin als auch Diesel werden durch die Destillation von Erdöl gewonnen. Der Unterschied in der Herstellung liegt in der Temperatur: Benzin kondensiert erst bei etwa 150 °C, während Diesel schon bei etwa 300 °C flüssig wird. Das Resultat: Dieselkraftstoff ist zäher als das leicht flüchtige Benzin. In einem Dieselmotor wird der schwere Diesel durch die Hitze zur Explosion gebracht, die beim Verdichten des Diesel-Luft-Gemisches entsteht, im Benzinmotor muss eine Zündkerze nachhelfen. Diesel- und Benzinmotoren funktionieren also nach einem ähnlichen Prinzip, der Zündvorgang erfolgt aber bei verschiedenen Verdichtungen und Temperaturen.

Diesel im Benzinmotor: Keinen Meter weiter

Wer seinen Benziner mit Diesel betankt, der muss schon einiges dafür tun, denn häufig sind die Zapfpistolen so angelegt, dass sie gar nicht in den Einfüllstutzen passen. Ist das Missgeschick trotzdem passiert, sollte der Motor nicht mehr angelassen werden, bis der Kraftstoff komplett abgepumpt und die Einspritzanlage einer gründlichen Reinigung unterzogen wurde. Der ölige Dieselkraftstoff verstopft sonst schnell die feinen Einspritzdüsen, kann die Benzinpumpe beschädigen und beim Zündvorgang den Kolben, die Pleuel oder den Zylinderkopf zerstören. Die Reparatur eines solchen Schadens kostet meist mehrere Tausend Euro und dauert Wochen.

Benzin im Dieselmotor: Eine Frage der Schmierung

In einem Dieselmotor übernimmt der Kraftstoff selbst einen Teil der Schmierung. Besonders kleine Bauteile wie die Einspritzpumpe oder Ventile werden durch den konstanten Dieselfluss geschmeidig gehalten. Das hochdestillierte Benzin wirkt hier wie ein Lösungsmittel und entfernt den schützenden Schmierfilm. Selbst, wenn man einen modernen Diesel mit Ölschmierung fährt, droht der Motorschaden, denn Benzin verbrennt im Dieselmotor viel zu früh, der Motor beginnt zu „nageln“. Auch hier besteht die Gefahr eines kapitalen Motorschadens.

Normalbenzin im Supermotor: Immer langsam

Prinzipiell kann man einen Motor, der auf Superbenzin ausgelegt ist, auch mit normalem Benzin betreiben. Allerdings sollte man von seinem Auto dann keine Höchstleistung fordern. Schnelle Autobahnfahrten, Anfahren am Berg und ähnlich anspruchsvolle Aufgaben führen dann zu einem Klopfen des Motors, das, ähnlich wie beim Dieselmotor, einen Motorschaden nach sich ziehen kann. Es gilt also: Langsam fahren und so schnell wie möglich Superbenzin nachtanken.

Der Sonderfall

Besonders gefährlich war der Fall eines Jägers in Hessen, der statt Benzin das Bleichmittel Wasserstoffperoxid in den Tank seines Autos geschüttet hatte. Dieser Stoff wird zwar auch als Treibstoff genutzt, aber nicht für Autos, sondern für Raketen. Das Auto konnte natürlich nicht mehr gerettet werden, viel problematischer war aber die Evakuierung von 5 Wohnhäusern im Umkreis, bis die Feuerwehr überzeugt war, dass von dem Geländewagen keine Explosionsgefahr mehr ausging. Egal, wie schlimm sich Ihr Missgeschick auch anfühlen mag, denken Sie daran: Immerhin haben Sie nicht versucht, Ihr Auto mit Raketentreibstoff zu betreiben.

(Bildmaterial: ©Shutterstock)


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