Kaufvertrag – Wenn ein Auto den Besitzer wechselt

Worauf Sie beim privaten Gebrauchtwagenhandel achten müssen
Vorlagen für die benötigsten Dokumente können Sie im Internet finden.
Was muss in so einem Kaufvertrag eigentlich alles drinstehen? Stokkete/Shutterstock.com
berit
Einleitung von Berit Hoffmann, Redakteur bei PKW.de 25.07.2018

Beim Kauf eines Fahrzeuges sollten Sie diesen unbedingt in Form eines Kaufvertrags schriftlich festhalten, damit sowohl Käufer als auch Verkäufer rechtlichen Schutz in Anspruch nehmen können. Im Folgenden haben wir für Sie zusammengefasst, welche Informationen in einem Kaufvertrag für einen privaten Gebrauchtwagen enthalten sein müssen und worauf Sie beim Kauf oder Verkauf achten sollten.

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Das zu verkaufende Auto muss im Kaufvertrag genau beschrieben sein

Wenn Sie Ihren zukünftigen Wagen, bzw. einen Abnehmer für Ihr Auto gefunden haben, geht es nun um den Papierkram. Nach Abschluss des Vertrags müssen Sie den Verkauf der Zulassungsstelle und Ihrer Versicherung melden.
Vorlagen für alle Unterlagen können Sie auf der Internetseite vom ADAC und vom TÜV herunterladen und ausdrucken.

In jedem Kaufvertrag sollten Details über das Fahrzeug, den Verkäufer und den Käufer enthalten sein. Die Namen und aktuellen Anschriften der beiden Vertragspartner sollten direkt dem Ausweis entnommen werden, wobei im Idealfall auch gleich die Ausweisnummer auf dem Vertrag notiert werden kann. Darauf folgend sollten Sie das zu verkaufende Auto so genau wie möglich beschreiben. Wichtig sind dabei der Hersteller, der Fahrzeugtyp und sowohl die Fahrgestell- als auch die Fahrzeugbriefnummer. Zusätzlich sollten Sie die Kilometerlaufleistung, das Erstzulassungsdatum und das Datum, zu dem die nächste Hauptuntersuchung fällig ist, aufschreiben. Wenn es sich um einen Gebrauchtwagen handelt, empfehlen wir, alle vorhandenen Schäden und ausgetauschten Teile, beispielsweise den Motor oder das Getriebe, aufzuschreiben.

Alle Informationen müssen wahrheitsgemäß angegeben werden

Damit der Vertrag gültig ist, dürfen Sie als Verkäufer keine falschen Angaben bezüglich des Autos treffen oder etwas verschweigen! Da diese Regelung auch auf Angaben zutrifft, die Sie zwar nach Ihrem besten Wissen getroffen haben, die letztendlich aber nicht stimmen, empfehlen viele Experten, den Wagen vorher professionell durchchecken zu lassen. Als Verkäufer sollten Sie zusätzlich eine Formulierung einbauen, die Sie von der Haftung für sämtliche Mängel befreit. Diese gilt aber trotzdem nur, wenn wirklich alles wahrheitsgemäß angegeben wird und weder etwas verschwiegen wird, noch ein vorsätzlicher Betrug stattfindet. Konkret formulierte Garantien sind ebenfalls nicht in dieser Haftungsausschluss-Klausel enthalten. Zum Schluss sollten Sie neben dem vereinbarten Preis auch die Zahlungsart vermerken und dann den Vertrag unterschreiben. Am besten fertigen Sie zwei Originaldokumente an, jeweils eines für beide Vertragspartner.

Gewährleistungen: Nacherfüllung, Rücktritt, Minderung und Schadensersatz

Wie bereits angeschnitten, muss der Verkäufer in gewissen Fällen für Schäden haften und der Käufer kann Gewährleistungen beanspruchen. Im Falle eines gewerblichen Händlers können diese Gewährleistungen auch durch eine Ausschlussformulierung nicht umgangen werden. Achtung: Als gewerblicher Händler gelten hier nicht nur Autohändler, sondern jeder Selbstständige oder Freiberufler, der das verkaufte Fahrzeug nicht überwiegend privat, sondern beruflich benutzt hat. Darunter können also auch Ärzte, Handwerker oder Anwälte fallen. Andersherum kann ein Autohändler sein reines Privatauto auch privat verkaufen.
Wenn nach dem Abschluss des Kaufvertrags nun Sachmängel auftreten, über die der Verkäufer gelogen hat oder die er nicht genannt hat, kann der Käufer den Vertrag anfechten. Wer das Auto verkauft hat, muss dann dafür geradestehen. Die vier möglichen Gewährleistungen sind Nacherfüllung, Rücktritt, Minderung oder Schadensersatz.

Hinter dem Begriff Nacherfüllung verbirgt sich nichts anderes als Reparatur oder Ersatz. Der Käufer bekommt also am Ende wieder ein Auto im von ihm erwarteten Zustand. Ob das eigentlich verkaufte Auto nun repariert oder direkt mit einem vergleichbaren ersetzt wird, darf sich der Käufer aussuchen! Meistens kommt es zu einer schnellen Reparatur. Alle Kosten werden hierbei vom Verkäufer getragen, egal ob für mögliche Transporte, Werkstattaufenthalte oder Materialien. Als Käufer sollten Sie eine Frist setzen und schriftlich festhalten, innerhalb dieser die Nacherfüllung stattgefunden haben soll.

Wenn die Nacherfüllfrist ohne Ergebnisse abgelaufen ist, können Sie als Käufer auch aus dem Vertrag zurücktreten. Gegen die Rückgabe des Autos bekommen Sie dann den kompletten Kaufpreis erstattet. Ein Rücktritt ist jedoch nur möglich, wenn der Anspruch auf Ersatz oder Reparatur nicht erfüllt wurde und der Sachmangel erheblich ist. Wann das der Fall ist, kann nicht generalisiert gesagt werden, als Faustregel gilt ein Schaden jedoch als erheblich, wenn seine Behebung mehr als 5 % des Kaufpreises kostet.

Der Käufer hat auch die Möglichkeit auf eine Minderung des Kaufpreises. Die Idee basiert darauf, dass der Wert des Autos durch den Schaden unter den vorher vereinbarten Kaufpreis gesunken ist. Ist die Nacherfüllfrist abgelaufen, kann anstelle eines kompletten Rücktritts auch ein Teil des Autopreises zurückerstattet bzw. gar nicht erst ausgezahlt werden. Die genaue Höhe wird im Einzelfall bestimmt.

Wenn durch die Sachmängel am Auto noch zusätzliche Schäden oder Kosten entstanden sind, kann der Käufer Schadensersatz fordern, allerdings nur, wenn der vorherige Besitzer an dem Schaden Schuld ist und nicht das Gegenteil beweisen kann. Wenn das gekaufte Auto zum Beispiel im Rahmen der Nacherfüllung in eine Werkstatt und der Käufer währenddessen einen anderen Wagen mieten muss, kann er sich die Kosten dafür vom Verkäufer erstatten lassen.

Aufpassen, wenn im Kaufvertrag „gekauft wie gesehen“ steht

In einigen Kaufverträgen werden Begriffe und Redewendungen benutzt, über deren konkrete Bedeutung sich beide Vertragsteilnehmer im Klaren sein sollten. Gerade bei Gebrauchtwagen sind in Verträgen oft Formulierungen wie „gekauft wie gesehen“, „gekauft wie Probe gefahren“ oder „gekauft wie besichtigt“ aufzufinden. Als Käufer sollten Sie jetzt aufpassen, denn mit dieser Klausel muss der Verkäufer nicht mehr für Schäden und Mängel haften, die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses offensichtlich waren. Als offensichtlich gelten hier Probleme, die ein Durchschnittskäufer ohne Sachkenntnisse bei einer gründlichen Begutachtung des Autos erkennen kann, beispielsweise defekte Scheibenwischer, Kratzer und Dellen im Blech oder beschädigte Scheiben. Hierbei ist komplett egal, ob Sie das Auto tatsächlich angeguckt, geschweige denn untersucht haben. Der Verkäufer muss jedoch weiterhin für versteckte und unauffällige Probleme haften, sowie ein manipulierter Kilometerstand, ein zu hoher Verbrauch oder wenn sich das Fahrzeug bei einer fachmännischen Untersuchung als Unfallfahrzeug herausstellt. Um eventuelle Fallen zu vermeiden, empfehlen wir Ihnen, das Auto vor dem Kauf von Experten überprüfen zu lassen, wogegen ein ehrlicher Vertragspartner in der Regel nichts einzuwenden haben sollte.
Ist im Kaufvertrag eine generelle Gewährleistungsausschluss-Klausel enthalten, wie oben erklärt, haftet der Verkäufer auch für versteckte Schäden nicht. Beide Arten des Ausschlusses werden bei grober Fahrlässigkeit oder Betrug unwirksam.

Als Verkäufer sollten Sie auf Nummer Sicher gehen

Wenn Sie Ihr Auto verkaufen wollen, sollten Sie sich am Sprichwort „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ orientieren, denn lieber einmal zu viel nachfragen, als am Ende einem Betrüger in die Hände gefallen zu sein. Vor der Probefahrt sollten Sie also den Führerschein des Käufers kontrollieren und auf keinen Fall den Zweitschlüssel aus der Hand geben. Bei der tatsächlichen Übergabe können Sie mit einer Bargeldzahlung auf Nummer sicher gehen und sollten auch erst, wenn der komplette Preis gezahlt wurde, den Fahrzeugbrief überreichen.
Beim Aufsetzen des Kaufvertrags dürfen Sie nichts garantieren, was Sie nicht belegen können, ansonsten müssen Sie später eventuell für alle Schäden haften.

Sobald der Kaufvertrag unterschrieben ist, können und sollten Sie den Verkauf Ihrer Versicherungsgesellschaft und der Zulassungsstelle melden, damit Sie für keine Kosten, die Sie gar nicht mehr tragen müssten, beispielsweise die Kfz-Steuer, aufkommen müssen.
In manchen Fällen kommt es vor, dass der Käufer das Auto nicht ummeldet und dann auch nicht zu erreichen ist, wodurch Sie solange für Steuern und Versicherung bezahlen müssen, bis die Fahndung nach dem Käufer erfolgreich war. Um diese Situation zu vermeiden, empfehlen wir Ihnen, Ihr Auto vor dem Verkauf abzumelden. Für eine Probefahrt kann dann ein spezielles Kennzeichen beantragt werden.

Wollen Sie ein Auto kaufen, gucken Sie lieber zweimal auf alle Dokumente

Auch wenn Sie ein gebrauchtes Auto kaufen wollen, ist Vorsicht besser als Nachsicht. So sollten Sie sowohl die Eintragungen in den Fahrzeugpapieren als auch den Ausweis des Verkäufers kontrollieren. Sollte der Verkäufer nicht der Halter des Wagens sein, empfehlen wir Ihnen auf eine Vollmacht zu bestehen. Ebenfalls sollten Sie eine Probefahrt machen und schriftlich vereinbaren, welches Zubehör im Verkauf eingeschlossen ist.


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